Diplomarbeit, 2005
120 Seiten, Note: sehr gut
1. Die Ferienkolonien
1.1 Das Schweizer Vorbild
1.2 Ferienkolonien in Deutschland
1.2.1 Entwicklung der Ferienkolonien
1.2.2 Kolonieformen und Personal
1.2.3 Das Ende der Ferienkolonien
2. Vom Beginn der Jugendbewegung um 1900 bis zur Jugendarbeit in der Weimarer Republik
2.1 Die Wandervogelbewegung
2.2. Andere jugendpflegerische Maßnahmen vor dem Ersten Weltkrieg
2.3. Jugendarbeit und Jugendpflege in der Weimarer Republik
3. Die Erweiterte Kinderlandverschickung (KLV)
3.1. Organisation und Durchführung der KLV
3.2. Die Verwandten- und Mutter und Kind-Verschickung
4. Die Entwicklung nach 1945
4.1 Jugendarbeit
4.2 Jugendreisen und -freizeiten, Jugendbegegnungen und -austausch
4.2.1 Internationale Jugendbegegnungen und Jugendaustausch
4.2.2 Jugendreisen und Jugendfreizeiten
4.3 Pädagogische Überlegungen
4.3.1 Interkulturelles Lernen
4.3.2 Freizeitpädagogik und Pädagogik des Jugendreisens
4.3.3 Pädagogik auf Jugendreisen heute
5. Feriengestaltung in der DDR
5.1 Jugendorganisation
5.2 Feriengestaltung
5.3 Betreuer und Betreuerschulung
5.4 Internationale Begegnung
6. Elternbefragung
6.1 Durchführung der Befragung
6.2 Deskriptive und soziodemographische Ergebnisse
6.3 Erwartungen der Eltern nach Anbietern
6.4.1 Soziale Kompetenz
6.4.2 Fremdes Land und dessen Kultur
6.4.3 Erholung
6.4.3 Aktivitäten
6.4.5 Eigenständigkeit der Kinder
6.5 Anbieterwahl
8.5 Entscheidung für die Jugendreise
6.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.7 Methodendiskussion
7. Zusammenfassung
Die Diplomarbeit untersucht die historische Entwicklung von Ferienfreizeiten von den ersten Ferienkolonien Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zur modernen Jugendreise. Dabei wird analysiert, wie pädagogische Konzepte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen (etwa in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und in der DDR) den Wandel dieses Freizeitangebots beeinflusst haben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einer empirischen Elternbefragung, mit der geprüft wird, welche Erwartungen Eltern heute an Ferienfreizeiten haben und ob diese Erwartungen einen Einfluss auf die Wahl des Anbieters ausüben.
1.1 Das Schweizer Vorbild
Bion übernahm 1856 im Alter von 26 Jahren – gerade mal zwei Jahre nach Abschluss seines Theologie-Studiums in Tübingen – die Pfarrstelle in Trogen im Kanton Appenzell. Dort gründete er einen „Freiwilligen Armenverein“, wurde Mitglied im kantonalen Erziehungsbeirat und Präsident der „Appenzellerischen Gemeinnützigen Gesellschaft“. Seine fürsorgerischen Aktivitäten umfassten auch die Einrichtung der Kinderfürsorge und das Zusammentragen von Spenden, wofür ihm ein großes Talent nachgesagt wurde. (vgl. Rauch 1992, S.47f)
Im Jahr 1872 nahm er die Stelle als Pfarrer in der „Predigergemeinde“ an, der größten und ärmsten Gemeinde in Zürich. Eigenen Aussagen zufolge wollte er weitere medizinische Studien machen und zog mit seiner Frau und seinen fünf Kindern von Trogen nach Zürich.(vgl. ebd., S.48) Diesem Umstand und seinen Kindern hat man es wohl zu verdanken, dass Hermann Walter Bion auf die Idee der Ferienkolonien kam. Nach dem Umzug in die Stadt beobachtete Bion, wie erfrischend Erholungsaufenthalte in Trogen auf seine Kinder wirkten, und wie wohltuend dies, so dachte er weiter, für Kinder aus ärmlichen Wohngegenden sein muss. So schrieb er: „Als ich von Trogen, wo ich wohl das schönste Pfarrhaus der Schweiz in gesunder Lage bewohnte, in eine Stadtwohnung nach Zürich kam, fingen meine Kinder bald an, von ihrer körperlichen und geistigen Frische einzubüßen, und ich brachte sie über die Ferien in meine frühere Heimat. Auffallend gestärkt und erfrischt kehrten sie zurück. Da lag mir der Gedanke nahe: wenn deinen gesunden Kindern bei verhältnismäßig guter Wohnung und Ernährung eine Ferienerholung auf dem Lande so notwendig war und wohl bekam, wie viel mehr wird dies bei kränklichen Kindern der Fall sein, die in schlimmen Wohnungs- und Ernährungsverhältnissen leben. Auf meinen Gängen durch die Straßen der Stadt und bei Besuchen in den Häusern sah ich, wie übel diese armen Kinder über die Ferien aufgehoben sind, wie sie nicht nur, während dieser Zeit meist in die engen dumpfen Wohnungen und Straßen gebannt, keine
1. Die Ferienkolonien: Analysiert die Anfänge der Kindererholungsfürsorge Ende des 18. Jahrhunderts und die Entstehung der Ferienkolonien als pädagogisch motivierte Maßnahme zur gesundheitlichen Stärkung von Stadtkindern nach Schweizer Vorbild.
2. Vom Beginn der Jugendbewegung um 1900 bis zur Jugendarbeit in der Weimarer Republik: Betrachtet die Jugendbewegung und die Wandervogelbewegung als Form der Emanzipation von Erwachsenen und die anschließende Politisierung der Jugendarbeit in der Weimarer Republik.
3. Die Erweiterte Kinderlandverschickung (KLV): Beschreibt die Organisation und Durchführung der staatlich organisierten Verschickung von Kindern in ländliche Gebiete während des Zweiten Weltkriegs unter dem Einfluss nationalsozialistischer Ideologie.
4. Die Entwicklung nach 1945: Untersucht den Neuanfang der Jugendarbeit, internationale Begegnungen als Friedensinstrument sowie den Wandel zu kommerziellen Jugendreiseangeboten in der Bundesrepublik.
5. Feriengestaltung in der DDR: Beleuchtet das Ferienwesen in der ehemaligen DDR, insbesondere Pionierlager und Betriebsferienlager, die der sozialistischen Erziehung und der Völkerfreundschaft dienten.
6. Elternbefragung: Präsentiert die Ergebnisse einer eigenen empirischen Studie, in der Erwartungen von Eltern an die Qualität und Ausrichtung von Ferienfreizeiten untersucht wurden.
7. Zusammenfassung: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die historische und pädagogische Entwicklung der Kinder- und Jugendreisen zusammen.
Ferienfreizeiten, Jugendreisen, Jugendbewegung, Wandervogel, Kinderlandverschickung, KLV, Erholung, Pädagogik, Jugendtourismus, Elternbefragung, Interkulturelles Lernen, Freizeiterziehung, DDR-Ferienlager, Sozialisation, Betreuerschulung.
Die Arbeit untersucht die Geschichte, den Wandel und die pädagogischen Aspekte von Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche in Deutschland vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 2005.
Zu den zentralen Themen zählen die Entstehung der Ferienkolonien, die Jugendbewegung, die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg, die Jugendarbeit nach 1945 sowie die Feriengestaltung in der DDR und die moderne Elternbefragung zu Jugendreisen.
Das Ziel ist es, die Entwicklung von Ferienfreizeiten als außerschulische pädagogische Angebote nachzuzeichnen und zu untersuchen, welche Erwartungen Eltern heute bei der Wahl dieser Reisen leiten.
Der historische Teil basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, der zweite Teil ist eine empirische quantitative Studie (Elternbefragung) mittels Fragebögen.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung der Angebote in verschiedenen politischen Systemen sowie in die Analyse und Auswertung der durchgeführten Elternbefragung.
Die wichtigsten Begriffe sind Jugendreisen, Ferienfreizeiten, Pädagogik, Tourismus, Kinderlandverschickung, Elternbefragung und historische Entwicklung.
Die KLV wird als ein Instrument analysiert, das im Nationalsozialismus neben dem gesundheitlichen Aspekt auch stark für ideologische Zwecke genutzt wurde.
Der Autor zeigt auf, dass die Eltern bei der Anbieterwahl eine wichtige Rolle spielen und dass ihre Erwartungen – etwa an gut ausgebildete Betreuer – ein wesentliches Qualitätskriterium für heutige Ferienfreizeiten darstellen.
Während Ferienkolonien ursprünglich aus einer gesundheitlich-fürsorgerischen Notwendigkeit entstanden, sind heutige Jugendreisen stärker konsumorientiert und erfordern vermehrt ein differenziertes pädagogisches Angebot.
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