Bachelorarbeit, 2006
42 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Deutsche Großstadtlyrik
2.1 Expressionismus – Ein Überblick
2.2 Die Großstadt Berlin
3 Heyms und Lichtensteins «Die Stadt»
3.1 Formale Eigenheiten der Großstadtlyrik Heyms und Lichtensteins
3.2 Die Darstellung der Großstadt
3.3 Der «neue» Mensch der Stadt
4 Resümee
Diese Arbeit untersucht exemplarisch anhand der Gedichte „Die Stadt“ von Georg Heym und Alfred Lichtenstein die Darstellung der Großstadt sowie des modernen Menschen in der Lyrik des Expressionismus, um die literarischen Reaktionen auf die veränderten Lebensbedingungen der Jahrhundertwende zu ergründen.
3.1 Formale Eigenheiten der Großstadtlyrik Heyms und Lichtensteins
Die Zeit des Expressionismus ist geprägt von Massendasein, Entindividualisierung und nicht zuletzt von der Industrialisierung. An die Stelle von manuellen und geistigen Fertigkeiten treten mechanische Arbeitsabläufe. Der daraus resultierende mechanische, zeitökonomische Rhythmus beschränkt sich nicht nur auf die Fabriken, sondern überträgt sich ins alltägliche Leben und wird somit zu einem Taktgeber für gleichförmige Bewegungsabläufe. Diese veränderten Umweltbedingungen verarbeiten die Berliner Frühexpressionisten in ihren Gedichten. Im weiteren Verlauf werden die formalen Eigenheiten der Großstadtlyrik Heyms und vor allem Lichtensteins anhand ihrer gleichnamigen Gedichte «Die Stadt» untersucht.
Das allgemeine Zeitgefühl der modernen technisierten Welt ist von Hektik und Geschwindigkeit bestimmt. Zeit stellt sich für den modernen Menschen in Form von beschleunigter, mannigfaltiger und paralleler Geschehensabläufe dar. Die Zeit sei somit zu gerafften Momentaufnahmen schnell wechselnder Eindrücke geworden, die das Individuum kaum noch begreifen und kontrollieren könne. Es findet sich in seiner Wirklichkeit nicht mehr zurecht, sie wird ihm fremd und undurchschaubar, wodurch das Subjekt in eine tiefe Identitätskrise gerate. Der Reihungsstil sei als Folge dieser Wahrnehmungsproblematik, die von der großstädtischen Wirklichkeit ausgelöst wurde, zu betrachten.
Das im Reihungsstil geschriebene Simultangedicht, welches sowohl mit Heyms als auch Lichtensteins «Die Stadt» vorliegt, versucht durch die Reihung heterogener Wahrnehmungs- und Reflexionselemente der verwirrenden Vielfalt der Eindrücke in der Großstadt einen formal stimmigen Ausdruck zu verleihen. Simultanität sei gekennzeichnet durch die Verschiebung und Zerlegung der Gegenstände, Zerstreuung und Verschmelzung der Einzelteile, die von der gebräuchlichen Logik befreit und nun voneinander unabhängig seien. Man müsse sichtbar machen, was sich unter der Oberfläche rege und was sich rechts und links von einem ereigne, so Vollmer. Diese Definition stimme genau mit Lichtensteins literarischer Intention überein. Auch er versuche, die Gegenstände zu verschieben und zu zerlegen, zerstreut und verschmelzt die von der gewöhnlichen Logik befreiten und voneinander unabhängigen Einzelteile, um die Gesamtheit eines Vorgangs in seiner Synchronität und Vielschichtigkeit zu zeigen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Großstadterfahrung für den Expressionismus ein und definiert die Zielsetzung der Analyse anhand der Gedichte von Georg Heym und Alfred Lichtenstein.
2 Deutsche Großstadtlyrik: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext der Jahrhundertwende, die Industrialisierung Berlins sowie die soziologischen und ästhetischen Merkmale des Expressionismus.
3 Heyms und Lichtensteins «Die Stadt»: Der Hauptteil analysiert die formalen Innovationen des Simultanstils sowie die inhaltliche Darstellung der Großstadt und des „neuen“ Menschen in den ausgewählten Gedichten.
4 Resümee: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Heym und Lichtenstein die Großstadt als Ort der Entfremdung und Anonymität begreifen, wobei der Einzelne in der Masse untergeht.
Expressionismus, Großstadt, Lyrik, Georg Heym, Alfred Lichtenstein, Berlin, Industrialisierung, Simultanstil, Reihungsstil, Moderne, Entfremdung, Entindividualisierung, Groteske, Massenexistenz, Großstadtlyrik.
Die Arbeit untersucht die Darstellung der Großstadt in der Lyrik des Expressionismus, fokussiert auf die Werke von Georg Heym und Alfred Lichtenstein.
Zu den zentralen Themen zählen die Industrialisierung, die anonyme Massenexistenz in Berlin, die Entfremdung des Individuums und die formale Gestaltung durch den sogenannten Simultanstil.
Ziel ist es zu zeigen, wie die Dichter die durch Industrialisierung und Technisierung veränderten Wahrnehmungsbedingungen und Lebensumstände in eine neue, moderne Ästhetik übersetzten.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den historischen und sozialgeschichtlichen Hintergrund als auch formale Aspekte (wie den Reihungsstil) und die inhaltliche Symbolik untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der formalen Eigenheiten (Simultanität, Parataxe, Groteske), eine Analyse der Stadtmetaphorik und eine Betrachtung der Darstellung des „neuen“ Menschen.
Wesentliche Begriffe sind Expressionismus, Großstadt, Entfremdung, Simultanität, Massenexistenz und die Lyrik von Heym und Lichtenstein.
Die Groteske dient bei Lichtenstein als ästhetisches Mittel, um die Disharmonie und Entfremdung der Welt darzustellen, indem logisch unvereinbare Vorstellungsbereiche kombiniert werden.
Während Heym eher eine von apokalyptischem Unheil bedrohte Stadt beschreibt, tendiert Lichtenstein zu einer analytischeren, distanzierteren Sicht, bei der er den einzelnen Ausgestoßenen in den Fokus rückt.
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