Diplomarbeit, 2005
98 Seiten, Note: 2,0
1 Problemstellung und Gang der Untersuchung
1.1 Das Problem
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Zweck und Ausgestaltung der Rechnungslegung
2.1 Rechnungslegung aus Gründen der Effizienz
2.1.1 Das Effizienzkriterium
2.1.2 Die Agency-Theorie als Teilbereich der neo-institutionalistischen Theorie zur Begründung der Rechnungslegung
2.1.2.1 Das Principal-Agent Problem
2.1.2.2 Kapitalgeberrisiken als Ursache für Wohlfahrtseinbußen
2.2 Rechnungslegung aus Gründen der Gerechtigkeit
2.3 Kapitalgeberschutz durch Gewinnermittlung
2.3.1 Gewinnermittlung zur Ausschüttungsbemessung
2.3.2 Gewinnermittlung zur Informationsvermittlung
2.3.2.1 Analysemaßstab zur Beurteilung von Rechnungslegungskonzeptionen im Rahmen der Informationsfunktion
2.3.2.2 Das Konzept des informativen Gewinns
2.3.2.3 Das Konzept der informativen Bilanzposition
2.4 Kapitalgeberschutz durch sonstige Informationsvermittlung
3 Intellectual Capital – begriffliche Grundlagen
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Bestandteile des Intellectual Capital
3.2.1 Vorschläge zur Systematisierung von Intellectual Capital
3.2.2 Systematisierungsvorschlag des Arbeitskreises „Immaterielle Werte im Rechnungswesen“ der Schmalenbach-Gesellschaft e.V.
3.3 Problematische Charakteristika von Intellectual Capital
4 Derzeitige bilanzielle Erfassung von immateriellen Werten in der Rechnungslegung
4.1 Die Bilanzierung immaterieller Vermögensgegenstände nach HGB
4.1.1 Abstrakte Aktivierungsfähigkeit
4.1.2 Konkrete Aktivierungsfähigkeit
4.1.3 Abgrenzung zum Goodwill
4.2 Die Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IAS/IFRS
4.2.1 Abstrakte Aktivierungsfähigkeit
4.2.2 Konkrete Aktivierungsfähigkeit
4.3 Zwischenergebnis
5 Darstellung und Analyse ausgewählter Ansätze zur Erfassung und Abbildung von Intellectual Capital
5.1 Status Quo – ein Überblick über existierende Ansätze
5.1.1 Ein Überblick nach North/Probst/Romhardt
5.1.2 Ein Überblick nach Luthy/Williams
5.2 Quantitative vs. qualitative Ansätze
5.3 Allgemeine Bewertungsmethodik
5.3.1 Der marktwertorientierte Bewertungsansatz
5.3.2 Der kostenorientierte Bewertungsansatz
5.3.3 Der ertragswertorientierte Bewertungsansatz
5.4 Eine Analyse ausgewählter Ansätze unter Berücksichtigung der Interessen externer Rechnungslegungsadressaten
5.4.1 Das „weightless wealth tool kit“
5.4.1.1 Darstellung
5.4.1.2 Kritische Analyse
5.4.2 Technology Broker
5.4.2.1 Darstellung
5.4.2.2 Kritische Analyse
5.4.3 CIV – Calculated Intangible Value
5.4.3.1 Darstellung
5.4.3.2 Kritische Analyse
5.4.4 Citation-Weighted Patents
5.4.4.1 Darstellung
5.4.4.2 Kritische Analyse
5.4.5 TVC – Total Value Creation
5.4.5.1 Darstellung
5.4.5.2 Kritische Analyse
5.4.6 FiMIAM – Financial Method of Intangible Assets Measurement
5.4.6.1 Darstellung
5.4.6.2 Kritische Analyse
5.4.7 AFTF – Accounting For The Future
5.4.7.1 Darstellung
5.4.7.2 Kritische Analyse
5.4.8 Intellectual Asset Valuation
5.4.8.1 Darstellung
5.4.8.2 Kritische Analyse
5.4.9 IVM – Inclusive Value Measurement
5.4.9.1 Darstellung
5.4.9.2 Kritische Analyse
5.5 Schlussfolgerungen aus der Analyse
5.5.1 Intellectual Capital im Spannungsverhältnis zwischen Relevanz und Verlässlichkeit
5.5.2 Quo vadis?
5.5.3 Ertragswertbilanzierung als Lösungsvorschlag
6 Zusammenfassung
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die unzureichende bilanzielle Abbildung von immateriellen Werten, dem sogenannten "Intellectual Capital", zu untersuchen und einen Lösungsvorschlag zu entwickeln, der einen monetären Ausweis dieser Werte in der traditionellen Rechnungslegung ermöglicht. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Entscheidungsrelevanz für Kapitalgeber und den Anforderungen an die Verlässlichkeit der Finanzberichterstattung.
1.1 Das Problem
Im Zuge des Wandels von einer Industriegesellschaft hin zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft hängt der ökonomische Erfolg von Unternehmen heute nicht mehr allein von den traditionellen materiellen Ressourcen ab, sondern wird vielmehr von den immateriellen Werten, dem sog. Intellectual Capital, bestimmt. Während sich die Quelle der Wertschöpfung im Laufe der Zeit von Investitionen in Sachanlagen hin zu Investitionen in immaterielle Werte verlagert hat, entstand für die traditionelle Rechnungslegung immer mehr das Problem, mit dieser rasanten Entwicklung Schritt zu halten. Ein Indiz hierfür ist die seit Jahren in nahezu allen Branchen zu konstatierende Lücke zwischen dem Börsenwert und dem aus der Bilanz ersichtlichen Buchwert vieler Unternehmen. Dies zeigt sich am Beispiel der Differenz zwischen Marktwert und Buchwert der im Standard & Poor’s-500-Index gelisteten Unternehmen, welche in der Zeit von 1981 bis 2002 eine Verdoppelung erfahren hat.
Obwohl diese Differenz teilweise mit stillen Reserven oder bilanziellen Bewertungsspielräumen erklärbar ist, geht ein großer Anteil dennoch auf das Konto immaterieller Werte. Ein weiteres Indiz dafür ist der in der Vergangenheit bei Großakquisitionen zu beobachtende milliardenschwere Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis und bilanziertem Eigenkapital, der sog. Goodwill, welcher insbesondere durch nicht bilanzierte immaterielle Werte determiniert wurde. Moxter bezeichnete immaterielle Werte einst als „ewige Sorgenkinder des Bilanzrechts“ und machte damit auf eine unzureichende Erfassung dieser weichen Erfolgsfaktoren aufmerksam. Allerdings haben diese ihren Status als „Sorgenkinder“ bis jetzt nicht abschütteln können, so dass sich die Lücke zwischen Marktwert und Buchwert vieler Unternehmen, Edvinssons Bezeichnung folgend, immer mehr zu einem „Abgrund“ entwickelt hat.
Grund für diese Entwicklung ist ein dem Intellectual Capital bzw. den immateriellen Werten zugrunde liegendes Spannungsverhältnis zwischen Relevanz und Verlässlichkeit, welches eine Abbildung in der Bilanz im Vergleich zu materiellen Vermögenswerten erheblich erschwert. Zwar handelt es sich bei immateriellen Werten aufgrund ihrer Entscheidungsnützlichkeit um relevante Informationen, dennoch scheitert der Versuch einer monetären Abbildung in Form eines Bilanzpostens häufig an einer fehlenden Objektivität.
1 Problemstellung und Gang der Untersuchung: Dieses Kapitel führt in den Wandel zur Informationsgesellschaft ein, erläutert die Problematik der Marktwert-Buchwert-Lücke und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Zweck und Ausgestaltung der Rechnungslegung: Es wird ein Analysemaßstab zur Beurteilung von Rechnungslegungsvorschriften generiert, der insbesondere auf das Ziel des Kapitalgeberschutzes und der Informationsvermittlung fokussiert.
3 Intellectual Capital – begriffliche Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Intellectual Capital, stellt verschiedene Kategorisierungsvorschläge vor und diskutiert die problematischen Charakteristika dieser immateriellen Werte.
4 Derzeitige bilanzielle Erfassung von immateriellen Werten in der Rechnungslegung: Hier erfolgt eine kritische Betrachtung der nationalen (HGB) und internationalen (IAS/IFRS) Regelungen hinsichtlich der Aktivierungsfähigkeit von immateriellen Werten.
5 Darstellung und Analyse ausgewählter Ansätze zur Erfassung und Abbildung von Intellectual Capital: Das Hauptkapitel analysiert diverse existierende Bewertungsmodelle, bewertet ihre Eignung unter Berücksichtigung von Relevanz und Verlässlichkeit und leitet Schlussfolgerungen für die Praxis ab.
6 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zur Notwendigkeit einer monetären Abbildung intellektuellen Kapitals zusammen.
Intellectual Capital, Rechnungslegung, Marktwert-Buchwert-Lücke, Bilanzierung, Immaterielle Werte, Kapitalgeberschutz, Entscheidungsnützlichkeit, Bewertungsansätze, Agency-Theorie, Ertragswert, Verlässlichkeit, Objektivität, Informationsvermittlung, Performance-Messung, Goodwill.
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der bilanziellen Abbildung von immateriellen Werten (Intellectual Capital) und untersucht, wie diese Werte trotz der bestehenden Problematik der Objektivität monetär in der externen Rechnungslegung dargestellt werden können.
Zentrale Themen sind die Zwecke der Rechnungslegung, die begriffliche Einordnung von Intellectual Capital, der Vergleich der deutschen HGB-Bilanzierung mit internationalen Standards (IAS/IFRS) sowie die kritische Analyse diverser Mess- und Bewertungsansätze.
Das Ziel ist die Ableitung eines Lösungsvorschlags zur monetären Erfassung und Abbildung von immateriellen Ressourcen, um die Informationslücke zwischen Marktwert und Buchwert zu verringern.
Die Arbeit nutzt einen deduktiven Ansatz, indem sie auf Basis einer agency-theoretischen Fundierung und der Zwecke der Rechnungslegung einen Analysemaßstab (Relevanz vs. Verlässlichkeit) entwickelt und diesen auf existierende Konzepte anwendet.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Vorstellung und kritischen Analyse verschiedener quantitativer Ansätze wie beispielsweise "CIV", "Technology Broker", "TVC" oder "Citation-Weighted Patents".
Wesentliche Begriffe sind "Intellectual Capital", "Relevanz", "Verlässlichkeit", "Marktwert-Buchwert-Lücke" und "Ertragswertbilanzierung".
Der Autor kritisiert, dass durch das strenge Aktivierungsverbot für selbst geschaffene immaterielle Werte wichtige, entscheidungsrelevante Informationen vorenthalten werden, was die Aussagekraft der Bilanz für Kapitalgeber schwächt.
Die ZGE bieten eine Möglichkeit, das Problem der schwierigen Identifizierbarkeit einzelner immaterieller Werte zu umgehen, indem aggregierte Nutzenpotenziale auf Basis von zukünftigen Zahlungsströmen bewertet werden.
Der Autor argumentiert, dass eine adäquate Abbildung von immateriellen Werten zugunsten der Relevanz unausweichlich mit einem gewissen Maß an Entobjektivierung einhergehen muss, sofern das Ziel ein aussagekräftiger "Informationsabschluss" ist.
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