Diplomarbeit, 2006
63 Seiten, Note: 1.0
1 Einleitung
2 Das internationale Währungssystem
2.1 Definition und Abgrenzung
2.2 Historische Entwicklung
2.2.1 Der internationale Goldstandard (1870-1914)
2.2.2 Die Zwischenkriegsjahre (1918-1939)
2.2.3 Das System von Bretton-Woods (1944-1973)
2.2.4 Flexiblere Wechselkurse und regionale Währungssysteme
3 Der internationale Dollarstandard
3.1 Funktionen einer internationalen Währung
3.1.1 Transaktionsmedium
3.1.2 Recheneinheit
3.1.3 Wertaufbewahrungsmittel
3.2 Zwischenfazit
4 Die ostasiatischen Volkswirtschaften im internationalen Währungssystem
4.1 Informelle Wechselkursbindungen
4.2 Der ostasiatische Dollarstandard
4.3 Der Yen, Keil im Dollarblock
4.4 Exogene Schocks und die chinesische Dollarbindung
5 Wachsende Ungleichgewichte
5.1 Gefahren aus den Ungleichgewichten
5.2 Neues Bretton-Woods, moderner Merkantilismus oder gefangen im Dollarstandard?
5.3 Auswirkungen
6 Epilog
Die Diplomarbeit untersucht die komplexe Dynamik des internationalen Währungssystems unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der ostasiatischen Volkswirtschaften. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die währungspolitischen Strategien dieser Länder mit den globalen Ungleichgewichten und der Dominanz des US-Dollars interagieren.
2.2.1 Der internationale Goldstandard (1870-1914)
Unter einem Goldstandard fixiert jedes Land den Preis seiner Währung gegenüber dem Goldpreis, indem es sich bereit erklärt, bei Bedarf inländisches Geld gegen Gold einzutauschen, um den offiziellen Preis zu verteidigen. Dies hat zur Folge, dass die Wechselkurse sämtlicher am Goldstandard teilnehmenden Länder untereinander fest sind.
England war im Jahre 1819 das erste Land, das sich zu diesem Schritt entschloss. Aus unterschiedlichen Gründen folgten der damaligen Supermacht bis zur Jahrhundertwende zahlreiche Nationen und gaben dadurch dem Goldstandard internationalen Charakter. Im Vergleich zu einem normalen Reservewährungssystem besitzt der Goldstandard einige herausragenden Vorteile.
Zum einen muss jedes Land Gold als offizielle Reserve halten, wodurch es nicht zum Problem der „N-ten“ Währung kommen kann (s. Kasten 1). Dies erhöht die Stabilität und Glaubwürdigkeit des Systems, da (theoretisch) kein Land eine bevorzugte Stellung einnimmt.
Ein weiteres Charakteristikum des Goldstandards ist der Goldautomatismus, auch „Hume-Mechanismus“ genannt. Das endogene Geldangebot im Goldstandard führt zu einem Mechanismus, der ständig auf ein simultanes Zahlungsbilanzgleichgewicht aller Länder hinwirkt: Ein Defizit in der Leistungsbilanz, sprich höhere Importe als Exporte, muss bezahlt werden und führt daher zum Abfluss von Gold an das Ausland. Hierdurch verringert sich die Geldmenge im Inland, was zu höheren Zinsen und tendenziell zu sinkenden Preisen (bzw. niedrigerer Inflationsrate) führt. Bei festem nominalem Wechselkurs wertet daher der reale Wechselkurs ab, das Land wird wettbewerbsfähiger wodurch sich sein Leistungsbilanzdefizit verringert. Im Ausland spielt sich der spiegelbildliche Prozess ab. Der Goldzufluss erhöht die Geldmenge, die Zinsen sinken, die Preise steigen (relativ zum Ausland), der reale Wechselkurs wertet auf, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt und die Exporte werden gedämpft.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die währungspolitischen Gegebenheiten im Kontext globaler wirtschaftlicher Verschiebungen und definiert das Ziel der Arbeit, die Mechanismen des internationalen Währungssystems und die Strategien ostasiatischer Länder zu durchleuchten.
2 Das internationale Währungssystem: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die Entwicklung von Währungssystemen von den Festkurssystemen der Vergangenheit bis zu moderneren, flexibleren Ansätzen und deren theoretischen Grundlagen.
3 Der internationale Dollarstandard: Hier werden die Funktionen des US-Dollars als internationale Währung – als Transaktionsmedium, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel – sowie die Bedeutung gut ausgebildeter Finanzmärkte erörtert.
4 Die ostasiatischen Volkswirtschaften im internationalen Währungssystem: Dieses Kapitel beleuchtet die währungspolitischen Strategien asiatischer Länder, die informelle Wechselkursbindung zum Dollar sowie die Sonderrolle des japanischen Yen und die chinesische Dollarbindung.
5 Wachsende Ungleichgewichte: Die Diskussion konzentriert sich auf die Gefahren aus den globalen Leistungsbilanzdefiziten, insbesondere der USA, und analysiert verschiedene Interpretationsansätze wie das "New Bretton Woods"-System oder "Conflicted Virtue".
6 Epilog: Der Epilog fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass für schnell wachsende Volkswirtschaften der Übergang von festen zu flexibleren Wechselkursen die zentrale Herausforderung bleibt.
Internationales Währungssystem, US-Dollar, Goldstandard, Bretton-Woods, Ostasien, Wechselkursregime, Leistungsbilanzdefizit, Kapitalströme, Währungsreserven, Preisstabilität, Geldpolitik, Finanzmärkte, Wettbewerbsfähigkeit, Conflicted Virtue, globale Ungleichgewichte.
Die Arbeit analysiert das internationale Währungssystem und wie sich die rasant wachsenden ostasiatischen Volkswirtschaften darin positionieren, insbesondere vor dem Hintergrund ihrer starken Abhängigkeit vom US-Dollar.
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung internationaler Währungsregime, die Funktionen des US-Dollars, die Wechselkurspolitik asiatischer Länder sowie die Problematik globaler wirtschaftlicher Ungleichgewichte.
Das Ziel ist es, die zugrundeliegenden Mechanismen des Währungssystems aufzuzeigen, die währungspolitischen Strategien in Ostasien verständlich zu machen und die Ursachen sowie Auswirkungen der entstandenen globalen Ungleichgewichte zu analysieren.
Die Arbeit nutzt eine ökonomische Analyse, die durch die Literaturdiskussion sowie ein modelltheoretisches Framework (in Anlehnung an Barro und Gordon sowie Obstfeld) unterstützt wird, um das Verhalten der chinesischen Zentralbank gegenüber exogenen Schocks zu untersuchen.
Im Hauptteil steht die Rolle des Dollars als "Anker" der Weltwirtschaft im Vordergrund und die Analyse der "Conflicted Virtue"-Problematik, bei der asiatische Länder unfreiwillig die Defizite der USA finanzieren müssen.
Wesentliche Begriffe sind der "internationale Dollarstandard", "Wechselkursregime", "Leistungsbilanzungleichgewichte", "Währungsreserven" und die "Trilemma"-Theorie der Wechselkurspolitik.
China agiert zunehmend als wirtschaftliches Gravitationszentrum in Asien. Das Modell in der Arbeit zeigt, unter welchen Bedingungen es für China rational wäre, die bisherige harte Bindung an den Dollar aufzugeben.
Die Arbeit betont, dass eine zu schnelle Liberalisierung des Kapitalverkehrs in Ländern mit noch unterentwickelten Finanzmärkten verheerende Folgen haben kann, weshalb Stabilität und institutionelle Reformen Vorrang haben sollten.
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