Magisterarbeit, 2006
60 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Hintergrund
2.1 Autorinnen der zweiten Generation
2.2 Autobiographisches Schreiben
3. Aspekte der deutsch-jüdischen Identitätsbildung
3.1 Geschichte und eigene Erfahrungen
3.1.1 Shoah
3.1.2 Erzählen um zu erinnern
3.1.3 Motiv des Friedhofs
3.2 Judentum und Religion
3.3 Jüdischsein und Erfahrung der Fremdheit
3.4 Leben in Deutschland oder Emigration
3.4.1 Israel
4. Sich eine Identität erschreiben
4.1 Sprache und Struktur
4.2 Wirklichkeitsstatus der Texte
5. Resümee
Die Arbeit untersucht, wie jüdische Identität in den literarischen Werken von Barbara Honigmann und Esther Dischereit konstruiert wird, wobei insbesondere die Auswirkungen der Shoah auf die nachfolgende Generation und die Suche nach Lebensentwürfen im heutigen Deutschland im Fokus stehen.
3.1.1 Shoah
Die Shoah ist vermutlich für alle heute in Deutschland lebenden Juden und Jüdinnen ein einschneidendes Ereignis, das ihr Leben tief geprägt hat. In den meisten Fällen wurden Eltern oder Verwandte zu Opfern. Die Shoah ist auch ein Raub der Geschichte, deren Erinnerung ein integraler Bestandteil der jüdischen Kultur ist. In vielen Werken der jungen jüdischen Autoren tritt dies zutage, auch in den hier untersuchten Texte spielen diese Auswirkungen eine große Rolle.
„Die Legenden meiner Kindheit aber waren andere, und ich bin sehr lange in ihrem Bann geblieben. Im Bann der Gesänge von den mythischen Orten und Begebenheiten, tausendmal genannt und zugleich von viel Schweigen umgeben [...].“ (D, S. 11)
In dieser Textstelle von Barbara Honigmann wird zugleich auf mehrere Themenkomplexe verwiesen, die typisch für die deutsch-jüdische Literatur der zweiten Generation sind. Das wichtigste Motiv ist hier das Schweigen, mit dem die Kinder der Überlebenden aufgewachsen sind. Hier scheint es so zu sein, dass die Eltern nur sehr wenig von ihrer Vergangenheit erzählt haben, so dass die Ich-Erzählerin hieraus kein richtiges Bild von deren Lebensgeschichte entwickeln konnte. Das Wort „Legenden“ zeigt, dass ihr bewusst ist, dass dieses Bild eher ein erfundenes Bild ist, als dass es der Realität entspricht. „Legenden“ weist zusätzlich noch auf eine historische Dimension hin, da hiermit auch Sagen oder Überlieferungen aus älterer Zeit bezeichnet werden, hier vermutlich Geschichten aus der Vergangenheit der Juden. Festzuhalten ist auch, dass die Erzählungen der Eltern sie trotzdem oder vielleicht gerade wegen ihrer Unbestimmtheit besonders geprägt haben. Auf der psychologischen Ebene, klingt hier das Phänomen des Postmemory an.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die deutsch-jüdische Literatur der Gegenwart ein und stellt die Forschungsfragen zu Identitätsfindung und Lebensentwürfen im Kontext der Shoah.
2. Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die biographischen und literarischen Grundlagen der Autorinnen als Vertreterinnen der sogenannten "zweiten Generation".
3. Aspekte der deutsch-jüdischen Identitätsbildung: Die einzelnen identitätsstiftenden Faktoren wie Geschichte, Religion, Fremdheit und der Wohnort werden detailliert auf ihre Bedeutung für die Protagonistinnen analysiert.
4. Sich eine Identität erschreiben: Hier wird der Prozess der Identitätskonstruktion anhand des theoretischen Modells von Jürgen Habermas sowie die spezifischen Erzähltechniken und der Wirklichkeitsstatus der Texte untersucht.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die unterschiedlichen sprachlichen und strukturellen Herangehensweisen der beiden Autorinnen hervor.
Deutsch-jüdische Literatur, Identitätsbildung, Shoah, Barbara Honigmann, Esther Dischereit, zweite Generation, Autobiographie, Postmemory, Judentum, Religion, Exil, Fremdheit, Heimat, Erinnerung, Lebensentwurf
Die Arbeit analysiert, wie zwei zeitgenössische Autorinnen jüdische Identität in Deutschland in ihren literarischen Texten konstruieren und welche Rolle die Geschichte, insbesondere die Shoah, dabei spielt.
Die zentralen Themen umfassen die Identitätsfindung der "zweiten Generation" nach der Shoah, das Verhältnis zur Religion, Erfahrungen von Fremdheit sowie die Frage nach einem jüdischen Leben in Deutschland im Vergleich zur Emigration.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, aus welchen Elementen und durch welche Erzählweisen Esther Dischereit und Barbara Honigmann jüdische Identität in ihren Texten aufbauen und wo sich hierbei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen.
Es wird eine vergleichende Textanalyse durchgeführt, die sich primär auf die Interpretation der erzählten Motive stützt und dabei theoretische Konzepte wie Postmemory und das Identitätsmodell von Jürgen Habermas einbezieht.
Im Hauptteil werden spezifische Aspekte wie der Umgang mit Geschichte, Religion, die Erfahrung von Fremdheit sowie die Entscheidung zwischen Leben in Deutschland und Emigration anhand von Textstellen der Autorinnen analysiert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätsbildung, zweite Generation, Shoah, Postmemory, jüdische Literatur und autobiographisches Schreiben definiert.
Während Honigmann auf eine bewusste Einfachheit und klare Strukturen setzt, verwendet Dischereit eine hermetischere, fragmentarische Sprache, die den Prozess der Identitätsfindung als schwieriger und weniger linear darstellt.
Der Begriff beschreibt die Art und Weise, wie die Kinder der Überlebenden durch imaginative Imagination und Repräsentationen der Familiengeschichte mit dem Trauma der Shoah verbunden sind, auch ohne eigene Erlebnisse.
Die Rückkehr wird oft als Versuch gesehen, einen Platz in einer jüdischen Gemeinschaft zu finden, wobei sie bei den Figuren teils zur Geborgenheit, teils aber auch zu neuen Konflikten und Zweifeln führt.
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