Magisterarbeit, 2005
57 Seiten, Note: 1,3
0 Einleitung
1 Das Konzept „Europa”
1.1 Das mythologische Europa
1.2 Das geographische Europa
1.3 Das kulturelle Europa
1.4 Das politische Europa
1.5 Fazit
2 Das Frankenreich vor Karl dem Großen
2.1 Die historische Entwicklung vom 4. bis zum 8. Jahrhundert
2.2 Die Rolle des Christentums und des Papstes
2.3 Das kulturelle Leben
2.4 Recht und Gesetz
2.5 Zusammenfassung
3 Das Frankenreich unter Karl dem Großen
3.1 Militärische Eroberungen
3.1.1 Das Reich der Langobarden
3.1.2 Sachsen
3.1.3 Die iberische Halbinsel
3.2 Der Erwerb der Kaiserkrone
3.3 Karl der Große als geistlicher Herrscher
3.4 Reformen
3.4.1 Das Bildungswesen
3.4.2 Die Kirchenreform
3.4.3 Die Verwaltung
3.4.4 Das Recht
3.4.5 Das Münzwesen
3.4.6 Architektur, Kunst und Literatur
3.5 Europa am Königshof
3.6 Zusammenfassende Betrachtung
4 Das Frankenreich und die Nachfolgestaaten nach Karl dem Großen
4.1 Die historische Entwicklung im 9. und 10. Jahrhundert
4.2 Der Karlsmythos
4.2.1 Karl der Große als Legitimationsfigur
4.2.1.1 Legitimation der mittelalterlichen Herrscher
4.2.1.2 Napoleon Bonaparte
4.2.1.3 Die NS-Propaganda
4.2.1.4 Europapolitik und Visionen nach dem Zweiten Weltkrieg
4.2.2 Karl als Heiliger und Märtyrer
4.2.3 Karl als literarische Figur
4.2.4 Karl als Gründungsfigur
4.3 Zusammenfassung
5 Karl der Große als Vater Europas
Die Magisterarbeit untersucht die historische und mythische Rolle Karls des Großen als Begründer einer europäischen Identität und hinterfragt, ob die Bezeichnung „Vater Europas“ eine zeitgenössische Realität oder eine spätere historisch-politische Instrumentalisierung darstellt.
1.1 Das mythologische Europa
Zum ersten Mal begegnet uns „Europa” im 8. Jahrhundert in der griechischen Mythologie. Es ist der Name einer phönizischen Prinzessin, die von Göttervater Zeus in Gestalt eines Stieres nach Kreta entführt wurde, um nicht nur der Insel, sondern einem nach und nach immer größer werdenden Gebiet den Namen zu geben. Dieser Mythos der Königstochter Europe war ursprünglich Gegenstand religiöser Verehrung, wurde aber bereits in der Antike schwächer, so dass er von den Christen als Bildungsgut überliefert werden konnte.
Die Griechen verwendeten den Begriff Europa auch im Zusammenhang mit der harmonischen Aufteilung der Erde zwischen Meer und Kontinenten. Im Mittelalter wurde auf diesen Entwurf zurückgegriffen, um ihn in die christliche Heilsgeschichte einzufügen. Demnach ist Europa genauso groß wie Afrika, aber nur halb so groß wie Asien. Das Zentrum der Welt bildet Jerusalem, während Mittelmeer, Don und Nil die Grenzen zwischen den Kontinenten markieren. Dass diese Aufteilung der Erde theologisch ausgerichtet war und keinen Wert auf geographische Exaktheit legte, muss nicht betont werden.
Seit dem 7. Jahrhundert wurden schließlich die drei Söhne Noahs auf die drei Erdteile bezogen: Sem erhielt Asien, Ham Afrika und Japhet Europa. Die göttliche Weltordnung und der Verlauf der Heilsgeschichte konnten nun auch biblisch begründet werden.
So existierten bereits im Mittelalter vielfältige Vorstellungen von Europa, die jedoch alle „einem die göttliche Ordnung von Welt und Geschichte aufspürenden und von Autoritäten geformten Denken verpflichtet” waren.
0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die heutige Relevanz von Karl dem Großen als Identifikationsfigur für die europäische Integration und hinterfragt die historische Berechtigung des Titels „Vater Europas“.
1 Das Konzept „Europa”: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Dimensionen des Europa-Begriffs von der Mythologie über geographische Vorstellungen bis hin zur kulturellen und politischen Definition im Mittelalter.
2 Das Frankenreich vor Karl dem Großen: Es wird die historische Entwicklung unter den Merowingern und den ersten Karolingern dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf der Verbindung zwischen Staat und Kirche sowie den sozio-kulturellen Gegebenheiten liegt.
3 Das Frankenreich unter Karl dem Großen: Das Kapitel behandelt die militärische Expansion, den Erwerb der Kaiserkrone, Karls Rolle als geistlicher Herrscher sowie seine weitreichenden Reformen in Verwaltung, Recht, Bildung und Kunst.
4 Das Frankenreich und die Nachfolgestaaten nach Karl dem Großen: Hier wird der Zerfall des Reiches und die sukzessive Entwicklung des Karlsmythos analysiert, der als Legitimationsgrundlage für nachfolgende Herrscher wie Napoleon oder in der NS-Ideologie diente.
5 Karl der Große als Vater Europas: Das Fazit fasst zusammen, dass Karls Europa vor allem ein politisches Konstrukt war und Karls Bedeutung als „Vater Europas“ primär in der späteren mythischen Überhöhung als idealer Herrscher liegt.
Karl der Große, Karolinger, Europa, Vater Europas, Mittelalter, Frankenreich, Herrschermythos, Kaiserkrönung, europäische Identität, christliches Abendland, politische Legitimation, Reformen, Alkuin, Geschichte, Mittelalterliche Idealisierung.
Die Arbeit analysiert die historische Rolle Karls des Großen und die Entwicklung seines Bildes als „Vater Europas“ in Literatur und Politik über die Jahrhunderte hinweg.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Europa-Begriffs, der Regierungszeit Karls des Großen, den karolingischen Reformen und der späteren Instrumentalisierung seiner Person durch spätere Herrscher.
Das Ziel ist es, den historischen Kontext von Karls Herrschaft zu prüfen und zu zeigen, dass die Bezeichnung „Vater Europas“ eher ein Mythos ist als eine historische Realität.
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, um unter Verwendung zeitgenössischer Quellen und moderner Forschungsliteratur den Karlsmythos zu dekonstruieren.
Der Hauptteil deckt die politische Entwicklung des Frankenreiches, die Rolle der Kirche, militärische Erfolge, Reformen in Bildung und Recht sowie den vielfältigen Rezeptionsverlauf des Karlsmythos ab.
Die zentralen Begriffe sind Karl der Große, Karolingerreich, europäische Identität, Herrschermythos, Christianisierung und politische Instrumentalisierung.
Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert diente Karl als Legitimationsfigur für unterschiedliche Herrscher, etwa für Napoleon, ottonische Kaiser oder durch die NS-Propaganda, um eigene Machtansprüche auf ein „geeintes Europa“ zu stützen.
Die Kirche fungierte als unverzichtbares Verwaltungsinstrument, und die enge Verbindung zwischen dem Papsttum und der fränkischen Monarchie bildete die Grundlage für Karls sakrale Herrschaft und die karolingische Renaissance.
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