Masterarbeit, 2005
77 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Herkömmliche Führungstheorien
2.1 Die eigenschaftstheoretische Perspektive
2.2 Führungsstiltheorien
Entscheidungsspielraum der Gruppe
Entscheidungsspielraum der Vorgesetzten
2.3 Situationstheorien der Führung
2.4 Zusammenfassung
3 Tauschtheorien der Führung
3.1 zum Sozialtausch
3.2 Das Idiosynkrasiekredit-Modell nach Hollander
3.2.1 Grundannahmen
3.2.2 Idiosynkrasiekredit
3.2.3 Führung und Effizienz
3.3 Die Theorie der Führungsdyaden
3.3.1 Grundannahmen
3.3.2 heterogener vs. homogener Führungsstil
3.4 jüngere Entwicklungen
3.4.1 Führung und Organisationsstrukturen
3.4.2 LMX in Deutschland
3.5 Zusammenfassung
4 transformationale Führung
4.1 Grundannahmen
4.2 transformationale & transaktionale Führung – das Faktorenmodell nach Bass
4.3 jüngere Entwicklungen
4.3.1 Effizienz und Zufriedenheit
4.3.2 Commitment
4.3.3 charismatische Führung und Visionen
4.3.4 Persönlichkeitsmerkmale
4.3.5 Identifikation, Ermächtigung und Abhängigkeit
4.3.6 Transformationale Führung und LMX
4.4 Zusammenfassung
5 Tauschtheorien und transformationale Führung im Diskurs
5.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.1.1 Bedeutung des Tauschgedankens
5.1.2 Deskriptivität vs. Normativität
5.1.3 Legitimation und Motivation
5.1.4 Organisatorischer Wandel
Kriterium
5.2 Kritische Würdigung
5.2.1 Führung und Charisma
5.2.1.1 Entstehung charismatischer Führung
5.2.1.2 Charisma in Organisationen
5.2.2 Weitere Kritikpunkte
5.2.3 Transformationale Führung: revolutionär oder reaktionär?
6 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht den wissenschaftlichen Paradigmenwechsel von tauschtheoretischen Ansätzen der Führung hin zur transformationalen Führung. Dabei wird analysiert, ob die transformationale Führung tatsächlich eine innovative Weiterentwicklung darstellt oder ob es sich eher um eine Neuverpackung bereits bekannter Konzepte handelt, die die Einflussnahme der Geführten zugunsten einer stärkeren Fokussierung auf die Person des Führenden vernachlässigt.
3.1 zum Sozialtausch
Hauptvertreter der in der tauschtheoretischen Führungsforschung berücksichtigten Grundannahmen ist der Sozialpsychologe George C. Homans. Er geht davon aus, dass jegliche intersubjektive menschliche Beziehung auf einer Art Kreditsystem beruht.
Der Grundgedanke hierbei ist denkbar einfach: Eine Person geht zu solchen Personen eine soziale Beziehung ein, von der er sich einen gewissen Nutzen (welcher Couleur auch immer) verspricht. Dies freilich nicht ohne dieser Person auch etwas zurückzugeben, was vernünftigerweise in der Wahrnehmung des Gegenüber dem eigens beigemessenen Wert der Beziehung entspricht. Das Eingehen einer solchen sozialen Beziehung geschieht demnach weder zufällig noch selbstlos, sondern erwächst zunächst grundsätzlich aus einem rationalen Kalkül heraus („rational choice“), was allerdings nicht den Trugschluss zulässt, soziale Beziehungen gingen aus kalten, am Reißbrett entworfenen Taktierereien hervor.
Hiergegen sprechen nämlich zwei Tatsachen: Erstens geht es oftmals (wenn nicht sogar vorwiegend) um den Austausch von emotionalen, affektiven oder „weichen“ sozialen Gütern (wie bspw. Wertschätzung, Respekt, Achtung, Ansehen, Rücksicht, Liebe etc.). Zweitens beruhen soziale Beziehungen auf Reziprozität. Man nimmt nicht, ohne im Gegenzug auch zu geben, oder wie Homans es beschreibt: „Wer auf andere Einfluss ausübt, lässt zu, dass auch auf ihn Einfluss genommen wird“ (in freier Übersetzung Homans; zit. nach Hollander 1978, S. 39).
Es gibt also einen Unterschied zwischen sozialem und ökonomischem Tausch. Ökonomischer Tausch kann einmalig sein und ist an konkrete, meist quantifizierbare Tauschgüter gebunden, was letztlich die Tauschakteure fungibel macht.
1 Einleitung: Die Einleitung stellt das Ziel der Arbeit vor, das Verhältnis zwischen Tauschtheorien und transformationaler Führung zu untersuchen und den vermeintlichen Paradigmenwechsel kritisch zu hinterfragen.
2 Herkömmliche Führungstheorien: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über klassische führungstheoretische Perspektiven, namentlich Eigenschafts-, Führungsstil- und Situationstheorien.
3 Tauschtheorien der Führung: Das Kapitel erläutert die Grundlagen des Sozialtauschs sowie die spezifischen Modelle von Hollander und Graen, die Führung als interaktiven, auf Reziprozität basierenden Prozess begreifen.
4 transformationale Führung: Es werden die Grundannahmen und das Faktorenmodell der transformationalen Führung nach Bass dargestellt, die den Fokus auf die Motivierung der Geführten durch visionäre Ideale legen.
5 Tauschtheorien und transformationale Führung im Diskurs: Hier findet eine vergleichende Analyse der Ansätze statt, wobei insbesondere die unterschiedlichen Auffassungen zu Legitimation, Motivation, Deskriptivität und organisationalem Wandel diskutiert werden.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit zieht eine kritische Bilanz, wonach transformationale Führung keinen radikalen Paradigmenwechsel darstellt, sondern eher einen Sonderfall, und unterstreicht die Notwendigkeit, tauschtheoretische Erkenntnisse weiterhin zu berücksichtigen.
Transformationale Führung, Tauschtheorie, Sozialtausch, Idiosynkrasiekredit, LMX-Theorie, Führungseffizienz, Charisma, Führungstheorien, Reziprozität, Organisationswandel, Führungskraft, Geführte, Bass, Hollander, Graen.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Tauschtheorien der Führung und dem neueren Konzept der transformationalen Führung, um zu klären, ob letzteres einen tatsächlichen Paradigmenwechsel in der Führungswissenschaft markiert.
Die Arbeit behandelt die Entwicklung von Führungstheorien, die theoretischen Grundlagen des Sozialtauschs und der transformationalen Führung sowie die kritische Auseinandersetzung mit charismatischen Führungsansätzen und deren empirischer Validität.
Das primäre Ziel ist es, den Geltungsanspruch der transformationalen Führung als „neues Paradigma“ zu prüfen und herauszufinden, ob sie die Tauschtheorien lediglich ersetzt, integriert oder ob es sich um eine rhetorische Neugestaltung handelt.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die einen umfassenden Literaturüberblick bietet, verschiedene wissenschaftliche Konzepte gegenüberstellt und eine kritische Diskussion sowie Würdigung der genannten Theorien vornimmt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der klassischen Führungstheorien, eine detaillierte Analyse der Tauschtheorien (Hollander, Graen) und der transformationalen Führung (Bass) sowie einen kritischen Diskurs über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Rolle des Charismas.
Zu den zentralen Begriffen zählen Transformationale Führung, Tauschtheorie, Sozialtausch, Idiosynkrasiekredit, LMX-Theorie, Führungseffizienz, Charisma und Reziprozität.
Der Idiosynkrasiekredit beschreibt den Spielraum an Abweichungen von Gruppennormen, den sich ein Mitglied einer Gruppe durch frühere Beiträge und Konformität verdient hat, um notwendige Innovationen oder Veränderungen später einleiten zu können.
Graen nutzt diese Unterscheidung, um zu verdeutlichen, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter nicht homogen behandeln, sondern dass zwischenmenschliche Beziehungen in Organisationen prinzipiell heterogen sind und unterschiedliche Qualitäten aufweisen.
Der Autor argumentiert kritisch, dass die transformationale Führung bei ihrem Anspruch auf „performance beyond expectations“ den Fokus stark auf die Person des Führenden legt und die wechselseitige Einflussnahme der Geführten im Vergleich zu Tauschtheorien vernachlässigt.
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