Magisterarbeit, 2003
106 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Der Schein des Paradieses
2.1 Der Schein des Paradieses in der Heiligen Cäcilie
2.2 Der Schein des Paradieses in der Marquise von O...
2.3 Der Schein des Paradieses im Marionettentheater
2.4 Der Schein des Paradieses im Erdbeben in Chili
3 Der Schein der Ordnung
3.1 Die scheinbare Ordnung und der Versuch der Ordnungsstiftung
3.2 Die Auslegung der Ordnung
4 Der Schein der Unschuld
4.1 Die scheinbare Unschuld in der Verlobung in St. Domingo
4.2 Der Schein der Unschuld im Findling
4.3 Die scheinbare Unschuld der Marquise von O...
4.4 Die scheinbare Unschuld im Erdbeben in Chili
5 Der Schein der Sprache
5.1 Der Schein der Sprache in der Heiligen Cäcilie
5.2 Der Schein der Sprache im Zweikampf und im Michael Kohlhaas
6 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion biblischer Bilder in den Erzählungen Heinrich von Kleists. Dabei wird analysiert, inwieweit diese Bilder dazu dienen, die Unvollkommenheit und Gebrechlichkeit der Welt darzustellen, anstatt als verlässliche Sinnstiftung oder Heilsplan zu fungieren.
1 Einleitung
Hans-Jürgen Schrader stellt die berechtigte Frage, ob und inwieweit biblische Bilder zur Deutung von Kleists Werken herbeigezogen werden dürften, da die „Radikalität, mit der Kleist alle Möglichkeit einer zuverlässigen Ordnung destruiert,“ gerade dadurch ausgezeichnet sei, dass jegliches Vertrauen in die Heilsverheißung der Heiligen Schrift verloren und das „Bild eines Alliebenden, der die Welt nach einem verborgenen Heilsplan regiert,“ verabschiedet sei. Auch das Vertrauen in die weltlichen Repräsentanten des in der Bibel verbürgten Heilsplanes wankt in einem Maße, welches eine eindeutige Auslegung der in Kleists Werk zweifelsohne dominanten Rückgriffe auf biblische Bilder erschwert. Heinrich von Kleist und der Glaube, vor allem die Kirche als institutionalisierter Glaube, stehen in einem so dubiosen, ja widersprüchlichen Verhältnis zueinander, dass der Leser sich einem in seiner religiösen Weltanschauung scheinbar gespaltenen Menschen gegenübersieht. Hans-Georg Werner bezeichnet die Omnipräsenz biblischer Bilder bei gleichzeitiger skeptischer Haltung Kleists der Kirche gegenüber als Paradox – es sei ein Widerspruch in sich, dass sich in den Erzählungen, in denen „kein Platz für Gott oder göttlich sei,“ immer wieder Bezug auf eben dieses genommen werde.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der biblischen Bildersprache bei Kleist und die Fragestellung nach der Funktion dieser Bilder im Kontext seiner skeptischen Weltanschauung.
2 Der Schein des Paradieses: Untersuchung der biblischen Paradiesmotivik und deren Dekonstruktion in ausgewählten Erzählungen sowie im Marionettentheater.
3 Der Schein der Ordnung: Analyse der Versuche von Kleists Figuren, gesellschaftliche oder rechtliche Ordnungen in einer als gestört empfundenen Welt zu etablieren.
4 Der Schein der Unschuld: Darstellung der Unmöglichkeit moralischer Unschuld in einer von Erbschuld geprägten Welt am Beispiel verschiedener Charaktere.
5 Der Schein der Sprache: Untersuchung der Sprachskepsis bei Kleist und der Unfähigkeit der Sprache, als Mittlerin zwischen Transzendenz und Immanenz zu dienen.
6 Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit zur Verwendung biblischer Bilder als Mittel zur Entlarvung einer gebrechlichen Weltordnung.
Heinrich von Kleist, Biblische Bilder, Gebrechlichkeit der Welt, Paradiesmotivik, Unschuld, Sprachskepsis, Heilsgeschichte, Dekonstruktion, Literaturwissenschaft, Ordnung, Erbschuld, Erzählungen, Transzendenz, Immanenz, Religion.
Die Magisterarbeit untersucht, wie Heinrich von Kleist biblische Bilder und Motive in seinen Erzählungen verwendet, um die Unzulänglichkeit und Gebrechlichkeit der irdischen Welt aufzuzeigen.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf dem Schein des Paradieses, der Ordnung, der Unschuld und der Sprache sowie deren Scheitern als Heilsinstanzen.
Ziel ist es zu belegen, dass biblische Bilder bei Kleist keine positive Heilsbotschaft vermitteln, sondern primär dazu dienen, die Hoffnungslosigkeit einer Welt ohne tragfähige göttliche oder menschliche Ordnung zu untermauern.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die neben der Primärtextanalyse auch den Briefwechsel Kleists sowie eine fundierte Auseinandersetzung mit der Kleist-Forschung einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in Kapitel, die jeweils spezifische Aspekte wie Paradies, Ordnung, Unschuld und Sprache detailliert an verschiedenen Erzählungen analysieren.
Zentrale Begriffe sind Kleist, biblische Bildersprache, Unschuld, Paradies, Sprachskepsis und die Gebrechlichkeit der Welt.
Die Arbeit argumentiert, dass Kleists Kontrastierung von biblischem Bild und gebrechlicher Welt schlüssig ist und daher kein Paradox darstellt, sondern eine bewusste Darstellung der Kollision zwischen biblischem Anspruch und irdischer Realität.
Während biblisch die Sprache als schöpferisch und wahrhaftig gilt, zeigt die Arbeit, dass Kleist Sprache als ein Mittel der Entfremdung und Verschleierung begreift, das keine echte Kommunikation zulässt.
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