Essay, 2005
6 Seiten
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Ethik und Ästhetik bei Albert Schweitzer
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefe Verbindung zwischen der ästhetischen Erfahrung und der ethischen Lehre der „Ehrfurcht vor dem Leben“ bei Albert Schweitzer, um aufzuzeigen, wie künstlerische und geistige Wahrnehmung das moralische Handeln gegenüber allem Lebendigen motivieren und prägen können.
Ethik und Ästhetik bei Albert Schweitzer
Vor genau 90 Jahren, im September 1915, saß Albert Schweitzer auf dem Deck eines Dampfschiffs und fuhr den Ogowefluß im damaligen Französisch-Äquatorialafrika stromaufwärts. Im Schein der untergehenden Sonne sah er vier Nilpferde mit ihren Jungen auf einer Sandbank in die gleiche Richtung ziehen. In diesem Moment kam ihm plötzlich ein Wort in den Sinn, das ihn wie elektrisiert aus seinem Halbschlaf riß. Es war der Begriff „Ehrfurcht vor dem Leben“, in dem er sogleich das lange von ihm gesuchte Prinzip einer neuen Ethik erkannte.
Es ist sicherlich kein Zufall, daß Schweitzer dieses Prinzip nicht bei abstrakter Schreibtischarbeit, sondern beim Anblick konkreter Lebewesen entdeckt hatte. Er mußte mit seinen eigenen Sinnen begreifen, worum es ihm schon seit Jahren ging: Wie kann man Menschen dazu bringen, sich nicht nur für ihre Artgenossen, sondern überhaupt für alle Lebewesen verantwortlich zu fühlen? Indem er die Nilpferdherde in ihrem Sosein sinnlich sah, schaute er jenseits des Sichtbaren, wie Schweitzer immer wieder formulierte, das Leben, „das leben will, inmitten von Leben, das leben will“, erfuhr er geradezu auf mystische Weise hinter der Vielzahl der einzelnen Lebewesen die Einheit alles Lebendigen, die sich im Willen zum Leben ausdrückt.
1. Ethik und Ästhetik bei Albert Schweitzer: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung der „Ehrfurcht vor dem Leben“ und setzt Schweitzers ethischen Ansatz in Bezug zu ästhetischen Erfahrungen, der Rolle der Musik von Johann Sebastian Bach und dem notwendigen moralischen Handeln in einer von Selbstentzweiung geprägten Welt.
Albert Schweitzer, Ehrfurcht vor dem Leben, Ethik, Ästhetik, Wille zum Leben, Musikphilosophie, Johann Sebastian Bach, Moral, Lebensschutz, Naturwahrnehmung, Religiöse Erfahrung, Existenzielle Ethik, Ganzheitlichkeit, Verantwortung, Humanismus
Die Arbeit befasst sich mit der Philosophie Albert Schweitzers und analysiert, wie sein zentraler Begriff der „Ehrfurcht vor dem Leben“ durch ästhetische und religiöse Erfahrungen gestützt und in der Praxis lebbar gemacht wird.
Zentrale Themen sind die Einheit alles Lebendigen, die Verknüpfung von ästhetischer Wahrnehmung und ethischer Verpflichtung sowie die Bedeutung der Musik, insbesondere des Werks von J. S. Bach, für die menschliche Geisteshaltung.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie ästhetische Erkenntnis – das „Schauen“ des Schönen und Einheitsstiftenden – den Menschen motivieren kann, Verantwortung für alles Leben zu übernehmen und den kategorischen Imperativ im Sinne Schweitzers neu zu interpretieren.
Der Autor verbindet biografische Kontextualisierung, philosophische Diskursanalyse (unter Einbeziehung von Kant und Levinas) sowie musikwissenschaftliche Interpretationen von Schweitzers Schriften.
Der Hauptteil analysiert die Entdeckung des ethischen Prinzips, die Notwendigkeit der Schadensminimierung, die ästhetische Sensibilisierung gegenüber der Natur sowie die transformierende Kraft der Musik von Johann Sebastian Bach.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ehrfurcht vor dem Leben, Wille zum Leben, Ästhetische Erfahrung, Verantwortung, Ethik und Menschlichkeit.
Schweitzer erkennt die „Selbstentzweiung“ des Lebens an, wonach Leben oft auf Kosten anderen Lebens existiert. Er fordert daher, Schäden zu minimieren und eine bewusste Haltung der Sühne für die unvermeidbare Schuld gegenüber der Kreatur einzunehmen.
In Anlehnung an und über Levinas hinausgehend betrachtet Schweitzer das Antlitz nicht nur von Menschen, sondern jedes Lebewesens; das Schauen dieses Antlitzes löst eine unmittelbare ethische Verpflichtung aus, die über den bloßen theoretischen Respekt hinausgeht.
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