Wissenschaftlicher Aufsatz, 1987
20 Seiten
II. DIE GESCHICHTLICHKEIT DER PHYSIKALISCHEN NATURERFAHRUNG
1. Phänomen der Geschichtlichkeit als Grundlage für das Verständnis thermodynamischer Prozesse
2. Die Grenzen der Objektivierbarkeit in der modernen Physik
3. Schlußfolgerungen
III. DIE PARADIGMATISCHE BEDINGTHEIT VON WISSEN UND NATUR UND DIE MÖGLICHEN FOLGEN
1. Das Paradigma der neuzeitlichen Physik
2. Paradigmatologisches Bewußtsein
Die vorliegende Arbeit untersucht die enge Verflechtung von Geschichte, menschlichem Wissen und Natur. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass eine wissenschaftlich-technische Weltverantwortung nur möglich ist, wenn die Geschichtlichkeit nicht nur auf den Menschen, sondern auf das Gesamtwirkliche bezogen wird, wobei insbesondere die Rolle von Carl Friedrich v. Weizsäckers Philosophie analysiert wird.
1. Phänomen der Geschichtlichkeit als Grundlage für das Verständnis thermodynamischer Prozesse
Die Einführung der „Entropie“ als eine physikalische Zustandsgröße zur Beschreibung der irreversiblen Prozesse in der Natur warf gegen Ende des letzten Jahrhunderts große Deutungsprobleme auf. Wie kam es dazu?
Die fundamentalen Gesetze der Physik stellen die Phänomene der Natur zeitsymmetrisch dar in Form von Gleichungen, die die Vorgänge der Natur als reversibel beschreiben. Zur Anschauung stelle man sich etwa einen Film vor, in dem auf den einzelnen Bilder ein Mann zu sehen ist. Nach den Bewegungsgleichungen der klassischen Mechanik gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, ob der Mann nun vorwärts oder rückwärts geht, d.h. in welcher Richtung der Film abgespult werden muß, um die 'Realität' wiederzugeben. Eine besondere Zeitausrichtung wird von dem mathematisch-physikalischen Formalismus nicht beschrieben.
Wie Arnold SOMMERFELD in seiner Vorlesung über Thermodynamik ausgeführt hat, sind reversible Vorgänge aber "eigentlich keine Vorgänge, sondern Ketten aneinandergereihter Gleichgewichtszustände", also letzten Endes "unendlich langsame, quasistatische Prozesse", in denen keine Energie verschwendet wird. Solche Vorgänge sind idealisiert und kommen in der Natur praktisch nicht vor. "Was wir erleben sind stets irreversible Prozesse." Die Gesetze der Physik formulieren keine zeitlich einsinnigen Bewegungsvorgänge, d.h. vermögen einen zeitlichen Vorgang vor seiner Umkehr in keiner Weise auszuzeichnen. Sie verbieten in ihrer mathematischen Formulierung nicht, daß z.B. der vom Dach heruntergefallene Ziegelstein ohne weiteres wieder von selbst zurückfliegen kann.
Ein bis heute bestehendes Fundamentalproblem der theoretischen Physik ist also die Frage, wie man aus den reversiblen Grundgleichungen der Physik das irreversible Verhalten letztlich aller Naturprozesse ableiten kann.
II. DIE GESCHICHTLICHKEIT DER PHYSIKALISCHEN NATURERFAHRUNG: Dieses Kapitel erläutert, wie physikalische Naturvorgänge durch die Zeitlichkeit geprägt sind und welche Grenzen sich bei der Objektivierung und dem Verständnis von Irreversibilität ergeben.
1. Phänomen der Geschichtlichkeit als Grundlage für das Verständnis thermodynamischer Prozesse: Hier wird die Problematik der Irreversibilität in der Thermodynamik diskutiert und die Rolle der Entropie sowie die Einschränkungen der statistischen Mechanik analysiert.
2. Die Grenzen der Objektivierbarkeit in der modernen Physik: Dieses Kapitel untersucht, wie insbesondere die Quantentheorie zeigt, dass Subjekt und Objekt sowie Beobachter und Beobachtung in der modernen Physik nicht mehr vollständig trennbar sind.
3. Schlußfolgerungen: Es wird reflektiert, dass wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung stets einer übergeordneten, außerphysikalischen Reflexion bedarf, um die Wirklichkeit angemessen zu semantisieren.
III. DIE PARADIGMATISCHE BEDINGTHEIT VON WISSEN UND NATUR UND DIE MÖGLICHEN FOLGEN: Der Fokus liegt hier auf der historischen Einordnung der Naturwissenschaften als kulturelles Erzeugnis und deren Auswirkungen auf das Weltbild.
1. Das Paradigma der neuzeitlichen Physik: Es wird dargelegt, wie das Experiment als Methode die Natur präpariert und somit die moderne Physik maßgeblich bestimmt hat.
2. Paradigmatologisches Bewußtsein: Das Kapitel plädiert für die Entwicklung eines Bewusstseins, das die Relativität eigener wissenschaftlicher Paradigmen erkennt und offen für andere Wirklichkeitsformen ist.
Geschichtlichkeit, Physik, Thermodynamik, Entropie, Irreversibilität, Quantentheorie, Objektivierbarkeit, Carl Friedrich v. Weizsäcker, Paradigmen, Paradigmatologie, Erkenntnismethode, Wissenschaftsgeschichte, Zeitstruktur, Naturvorgänge, Komplementarität.
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung der Geschichte von Wissen und Natur, basierend auf dem Denken von Carl Friedrich v. Weizsäcker.
Zentrale Felder sind die Geschichtlichkeit von Naturprozessen, die Grenzen der physikalischen Objektivierbarkeit und die paradigmatische Struktur wissenschaftlichen Handelns.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass wissenschaftliche Theorien ihre volle Bedeutung erst durch die Anerkennung der Geschichtlichkeit des Gesamtwirklichen entfalten können.
Es wird eine paradigmatologische Analyse angewandt, die interdisziplinäre Brücken zwischen Natur- und Geisteswissenschaften schlägt.
Der Hauptteil analysiert die physikalische Naturerfahrung hinsichtlich ihrer Zeitstruktur und Irreversibilität sowie die methodischen Voraussetzungen des neuzeitlichen wissenschaftlichen Paradigmas.
Wesentliche Begriffe sind Geschichtlichkeit, Paradigma, Entropie, Subjekt-Objekt-Verklammerung und ein verantwortungsvoller Umgang mit wissenschaftlichem Wissen.
Der Autor argumentiert, dass eine solche Trennung nur methodologisch sinnvoll, aber nicht ontologisch begründbar ist, da beide Momente eines geschichtlichen Prozesses sind.
Es bezeichnet die Fähigkeit, die eigene Bereichsbefangenheit zu überwinden und sich für andere Denkweisen und Wahrheiten zu öffnen, um fatalen Folgen des Machbarkeitswahns zu entgehen.
Galilei wird als derjenige angeführt, der das Verfahren etablierte, Naturvorgänge durch das Experiment zu isolieren und mathematisch-abstrakt zu beschreiben, anstatt die Welt als ganzheitlichen Erfahrungszusammenhang zu belassen.
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