Magisterarbeit, 2006
90 Seiten, Note: 2,2
1. Einleitung
2. Türkischer Nationalismus
2.1. Zum Begriff Nationalismus
2.2. Kemalismus; der türkische Nationalismus
2.2.1. Die Jungtürken
2.2.2. Die sechs Grundprinzipien des Kemalismus
2.2.3. Kemalismus heute
2.3. Geschichte des türkischen Nationalismus im Spiel der Kräfte des Islams nach 1923
2.4. „Vater der Türken“: Mustafa Kemal Atatürk
2.5. „Türkisieren, Islamisieren, Modernisieren“. „Der Vater des türkischen Nationalismus“: Ziya Gökalp. Theorie und Ideologie
2.6. Die Institutionen des türkischen Nationalismus: Türk Tarih Kurumu („Amt für die türkische Geschichte“) und Türk Dil Kurumu („Amt für die türkische Sprache“)
2.7. Fazit
3. Stellung der türkischen Religion(en)
3.1. Islam als Gegenspieler des Nationalismus
3.2. Religionsgemeinschaften in der Türkei: Diskriminierung durch den Staatsislam?
3.2.1. Türkischer Laizsimus
3.3. Diyanet Işleri Başkanliği („Präsidium für Religionsangelegenheiten“)
3.4. Politischer Islam in der Türkei
3.5. Fazit
4. Islam, Nationalismus und Politik am aktuellem Beispiel
4.1. Die MHP (Milliyetçi Hareket Partisi – „Partei der nationalistischen Bewegung ")
4.1.1. Parteientwicklung und Geschichte
4.1.2. Die grauen Wölfe
4.1.3. Ideologie und die zwei Grundpfeiler der MHP
4.1.3. Die MHP und der Islam
4.2. Die „Türkisch-Islamische Synthese"
4.3. Fazit
5. Zusammenfassung und Ausblick
Begriffserklärung / Glossar
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe und wechselvolle Spannungsfeld zwischen dem türkischen Nationalismus und dem Islam sowie deren gemeinsame Rolle als ideologische Grundpfeiler der türkischen Republik. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie diese beiden Elemente trotz historischer Konflikte in der politischen Wirklichkeit der Türkei interagieren und zur Identitätsbildung des modernen türkischen Staates beitragen.
2.2. Kemalismus; der türkische Nationalismus
Der Kemalismus entstand aus dem jungtürkischen Nationalismus. Dieser entwickelte sich in der letzten Phase des osmanischen Reiches, „führte [aber] letztlich zu einer politisch-ideologischen Zersplitterung, deren Hauptströmungen der Panturkismus/Turanismus und der Turkismus waren.“
Der Kemalismus griff diese Grundgedanken wieder auf und schuf mit ihnen die Basis für die moderne Republik. Wenn auch die volkstragende Religion in der Türkei der Islam war, hatte sich das Land nach seiner Staatsgründung als laizistischer Staat etabliert, so dass Laizismus, als fester Bestandteil des Kemalismus zu sehen ist, der wie die fünf anderen Prinzipien des Kemalismus, die 1937, nach der Abschaffung des Kalifates und nach der Republikgründung, in der Verfassung verankert wurden.
Um den Kemalismus richtig einordnen zu können, muss im Folgenden kurz näher auf seine sechs Grundprinzipien und die Bewegung der Jungtürken eingegangen werden.
1. Einleitung: Erläutert die Relevanz der Untersuchung des Verhältnisses von Islam und Staat in der Türkei vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Debatten.
2. Türkischer Nationalismus: Analysiert die Genese und ideologische Ausprägung des türkischen Nationalismus unter Berücksichtigung historischer Phasen und des Kemalismus.
3. Stellung der türkischen Religion(en): Untersucht die staatliche Kontrolle über religiöse Institutionen und die Rolle des Islams als politisches Instrument in der Türkei.
4. Islam, Nationalismus und Politik am aktuellem Beispiel: Beleuchtet anhand der MHP und der "Türkisch-Islamischen Synthese" das praktische Zusammenwirken von Ideologien.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert das Wechselspiel zwischen Politik und Religion und bewertet die Zukunftsaussichten der Türkei im europäischen Kontext.
Türkei, Nationalismus, Islam, Kemalismus, Staat, Laizismus, MHP, Graue Wölfe, Türkisch-Islamische Synthese, Religion, Politik, Identität, Modernisierung, Republik, Minderheiten.
Die Arbeit analysiert das historische und gegenwärtige Verhältnis zwischen dem türkischen Nationalismus und dem Islam als zwei zentrale Säulen der Identität und Politik der türkischen Republik.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Kemalismus, der Rolle des Islams innerhalb der staatlichen Institutionen sowie der praktischen Umsetzung nationalistischer und islamisch geprägter Politik durch Organisationen wie die MHP.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Türkei durch die Verknüpfung von Nationalismus und einer staatlich kontrollierten Religionsausübung eine moderne, laizistische Staatsform entwickelt hat, die den Islam gleichzeitig als nationales Identitätsmerkmal nutzt.
Die Arbeit basiert auf einer ideengeschichtlichen und politischen Analyse, gestützt auf Standardwerke, Quellen der türkischen Regierungsbehörden und aktuelle Berichterstattung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des türkischen Nationalismus, die Stellung der Religion in der Republik sowie eine konkrete Fallstudie zur MHP und der Türkisch-Islamischen Synthese.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Türkei, Nationalismus, Islam, Kemalismus, Laizismus, MHP und Türkisch-Islamische Synthese charakterisiert.
Die MHP nutzt diese Synthese, um türkisch-nationalistische und islamische Werte zu verbinden und so eine breite Wählerschaft anzusprechen, auch wenn dies ideologisch teilweise Spannungen innerhalb der Partei auslöste.
Das Militär fungiert in der Türkei traditionell als Garant des Laizismus und überwacht den politischen Islam, um die säkulare Grundordnung der Republik gegen fundamentalistische Strömungen zu schützen.
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