Magisterarbeit, 2005
130 Seiten, Note: 2,0
1. „Das Gesicht im Spiegel” – Das Schaffen seiner Urheber und der Versuch einer Einordnung in die Reihe zeitgenössischer Werke
1.1. Methoden und Forschungssituation
1.2. Uraufführungen im deutschsprachigen Raum im Genre Musiktheater der Spielzeit 2002/2003 – ein Überblick
1.3. Die jungen Autoren des Musiktheaterstücks „Das Gesicht im Spiegel”
1.3.1. Roland Schimmelpfennig als Autor von Gegenwartsdramatik
1.3.1.1. Biographische Daten Schimmelpfennigs
1.3.1.2. Schimmelpfennigs zeitrelevante Dramatik
1.3.2. Jörg Widmann als Komponist dramatischer Werke
1.3.2.1. Biographische Daten Widmanns
1.3.2.2. Gattungs – und genreübergreifende Werke als Wegbereiter für musiktheatrale Kompositionen
1.3.2.3. Musiktheatrale Kompositionen
1.3.3. Die Handlung von „Das Gesicht im Spiegel” als Resultat früher verarbeiteter Sujets
1.4. Die Entstehung von „Das Gesicht im Spiegel”
1.4.1. „Das Gesicht im Spiegel” als Auftragsoper
1.4.2. Die Zusammenarbeit von Komponist und Librettist
1.4.3. Der Produktionsprozess der Uraufführung
2. Die dramatische und musikalische Umsetzung
2.1. Das Libretto
2.1.1. Dramaturgie im Handlungsverlauf
2.1.2. Bezug zu Elementen der antiken Tragödie
2.1.3. Figurenzeichnung
2.1.3.1. Namensbedeutung
2.1.3.2. Figurencharakteristik und –entwicklung
2.1.3.2.1 Justine – eine von ihrer Umwelt determinierte Figur
2.1.3.2.2 Patrizia – ein Gegenentwurf zur Figur der Justine
2.1.3.2.2 Bruno – ein Mann zwischen ein– und derselben Frau
2.1.3.2.2 Milton – gefangen in der Welt der Wissenschaft
2.2. Die Kompositorische Umsetzung
2.2.1. Die Musikalische Dramaturgie
2.2.1.1. Die Antiklimax im Spannungsaufbau
2.2.1.2. Die dramatische Funktion der Zwischenspiele
2.2.2. Die Figurencharakteristik
2.2.2.1. Die Charakterisierung durch die Wahl des Stimmfachs
2.2.2.2. Besonderheiten des musikalischen Ausdrucks der einzelnen Figuren
2.2.2.3. Die Charakterisierung durch Satztechnik und Form
2.2.3. Die Harmonik
2.2.4. Die Orchesterbehandlung
3. Der „Künstliche Mensch“
3.1. Das Motiv des „Künstlichen Menschen” in der europäischen Literatur
3.2. Das Klongeschöpf Justine als „Künstlicher Mensch“
3.2.1.1. Die Gier nach der „Künstlichen Frau“
3.2.1.2. Die Beweggründe der Schöpfer
3.2.1.3. Die Zusammensetzung des „Künstlichen Menschen“
3.2.1.4. Die bedingte Perfektion des „Künstlichen Menschen“
3.2.1.5. Die Unbeherrschbarkeit des „Künstlichen Menschen“
3.2.1.6. Doppelgänger
3.3. Die Realisierbarkeit des Mythos durch die Möglichkeiten der Forschung
4. Gegenwartsstück, Zeitoper, ... ? Der Versuch einer Einordnung von „Das Gesicht im Spiegel”
5. Die Zweitaufführung von „Das Gesicht im Spiegel”
5.1. Die Bedeutung einer Zweitaufführung für neue Musiktheaterstücke
5.2. Die Zweitaufführung von „Das Gesicht im Spiegel“ am Theater Krefeld
6. Brückenschlag zwischen Tradition und Innovation – eine Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Musiktheaterwerk „Das Gesicht im Spiegel“ von Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig im Kontext der Korrelation zwischen traditionellen und innovativen Ansätzen. Ziel ist es, die Eigenständigkeit des Stücks vor dem Hintergrund seiner Uraufführung und der Einordnung in die zeitgenössische Musiktheaterlandschaft zu beleuchten, wobei insbesondere die Verarbeitung von Mythen und die Rolle der Gentechnologie analysiert werden.
3.2.1.1. Die Gier nach der „Künstlichen Frau“
Auffallend ist bei der Beschäftigung mit dem Motiv des „Künstlichen Menschen“ die Ausschließlichkeit, mit der Männer als Schöpfer der Kunstgeschöpfe auftreten. Dabei erklärt sich ein Großteil dieses Umstands aus dem Rollenverständnis einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft, in welcher Künstler, Wissenschaftler und Gelehrte über Jahrhunderte männlichen Geschlechts waren. Durch die Erschaffung künstlichen Lebens versucht der Mann die Gesetze der Natur zu umgehen, in denen allein die Frau als Gebärende Leben hervorbringt:
„Derartiges konnte der Mann nie – aber die prometheische Kultur gab ihm die Möglichkeit, seinen Gebärneid und seinen Gebärwunsch über die von ihm geschaffenen Produkte zu befriedigen.“
Vordergründig handelt es sich bei der Schöpfung einer artifiziellen Frau jedoch um den männlichen Wunschtraum, die Macht über eine idealisierte, weibliche Natur, die sich in seelischer und körperlicher Schönheit, ewiger Liebe und Treue, Selbstlosigkeit und Selbstaufopferung ausprägt, zu besitzen. Als Schöpfer treten meist von den Frauen enttäuschte oder zu sehr kritisierte Männer auf, die den Akt der Schöpfung dazu nutzen, ihren selbstsüchtigen Willen zu verwirklichen, sich eine Geliebte zu erschaffen, die alle Wünsche erfüllt und in ihrer Sexualität beherrschbar ist. Dieses Prozedere ist das tragende Element des Pygmalionmythos und seine mannigfaltigen Variationen.
1. „Das Gesicht im Spiegel” – Das Schaffen seiner Urheber und der Versuch einer Einordnung in die Reihe zeitgenössischer Werke: Dieses Kapitel führt in die Problematik der zeitgenössischen Oper ein und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Die dramatische und musikalische Umsetzung: Eine detaillierte Analyse der Libretto-Struktur sowie der kompositorischen Mittel, mit denen Widmann die Handlung und Figuren musikalisch charakterisiert.
3. Der „Künstliche Mensch“: Untersuchung des Klon-Motivs in der Literaturgeschichte und wie das Werk „Das Gesicht im Spiegel“ diese Tradition aufgreift und weiterentwickelt.
4. Gegenwartsstück, Zeitoper, ... ? Der Versuch einer Einordnung von „Das Gesicht im Spiegel”: Eine Einordnung des Werks als „Musiktheater der Zeit“ durch den Vergleich mit historischen Ansätzen der Zeitoper und aktuellen „Managerstücken“.
5. Die Zweitaufführung von „Das Gesicht im Spiegel”: Betrachtung der Bedeutung von Zweitaufführungen im modernen Musiktheater am Beispiel der Produktion am Theater Krefeld.
6. Brückenschlag zwischen Tradition und Innovation – eine Schlussbetrachtung: Ein Resümee, das die Verknüpfung von Mythen und aktueller Thematik im Werk als gelungene konzeptionelle Arbeit bestätigt.
Musiktheater, Jörg Widmann, Roland Schimmelpfennig, Das Gesicht im Spiegel, Gentechnologie, Klonen, Künstlicher Mensch, Zeitoper, Opernästhetik, Figurencharakteristik, moderne Dramatik, Instrumentales Theater, Musikdramaturgie, Identität, Literaturadaption.
Die Arbeit analysiert das Musiktheaterstück „Das Gesicht im Spiegel“ von Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig und untersucht, wie das Werk zwischen traditionellen musikalischen Formen und innovativen Themen der Moderne vermittelt.
Die zentralen Themen umfassen die ethischen Fragen der Gentechnologie und des Klonens, die psychologische Figurenkonstellation sowie die dramaturgische und musikalische Gestaltung eines Werks, das sich als „Musiktheater der Zeit“ versteht.
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie das Stück die Verbindung zwischen klassischen Mythen (wie dem Pygmalion-Stoff oder dem Golem) und der modernen Realität der Biotech-Industrie herstellt und bewertet.
Die Autorin nutzt sowohl literaturwissenschaftliche als auch musikwissenschaftliche Analysemethoden, um die dramatische Textstruktur und die kompositorische Umsetzung in einen wissenschaftlichen Kontext zu setzen.
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte des Stücks, die Analyse von Libretto und Musik, die historische Einbettung des Klon-Motivs sowie eine umfassende Betrachtung der Zweitaufführung in Krefeld.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Musiktheater, Klonen, Künstlicher Mensch, Zeitoper und moderne Identitätsproblematik geprägt.
Durch den Fokus auf ein spezifisches Werk und die Einbeziehung der konkreten Produktions- und Zweitaufführungsbedingungen am Theater Krefeld bietet die Arbeit eine einzigartige theaterpraktische Perspektive.
Das Spiegelverbot dient als mythologischer Verweis, der die Unwissenheit der Klonfigur Justine über ihre eigene künstliche Identität sichert und somit den dramatischen Konflikt bis zur finalen Konfrontation treibt.
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