Magisterarbeit, 1993
135 Seiten, Note: 1
EINLEITUNG
A MECHANISMEN EINER WELT
I. PLANUNG UND ZUFALL: "THE KILLING"
II. EINE GETEILTE WELT: "PATHS OF GLORY"
III. EIN MIßGLÜCKTER FILM (?!): "SPARTACUS"
IV. "DR. STRANGELOVE": AUSFALLSICHERHEIT KONTRA NARRENSICHERHEIT
B GESELLSCHAFTLICHE MASKIERUNGEN
I. "LOLITA", oder DIE LIEBE ZUM OBJEKT
II. DER GEZÄHMTE WIDERSPENSTIGE: "A CLOCKWORK ORANGE"
III. GESELLSCHAFTSSPIELE UND MASKERADEN - "BARRY LYNDON"
C DIE MYTHISCHE HEIMKEHR IN DREI VARIATIONEN
I. "2001: A SPACE ODYSSEY" - EVOLUTION ALS MYTHOS
II. EIN EXKURS: C. G. JUNG UND DAS "KOLLEKTIVE UNBEWUßTE"
III. "THE SHINING", oder DAS VERLORENE SELBST
IV. DAS MÖRDERSYSTEM: "FULL METAL JACKET"
Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale Motiv der Entfremdung in ausgewählten Filmen von Stanley Kubrick. Es wird analysiert, wie der Regisseur durch formale Stilisierung, Distanzierung des Zuschauers und die Fragmentierung von Handlungsabläufen die existenzielle Isolation des Individuums in einer durch rationale Systeme kontrollierten, aber dennoch chaotischen Welt thematisiert.
PLANUNG UND ZUFALL: "THE KILLING"
"The Killing" von 1956 ist Stanley Kubricks ältester Film, der sich noch im Verleih befindet, und er stellt auch dessen erste unter professionellen Bedingungen entstandene Arbeit dar. Nach "Fear and Desire" (1953) und "Killer´s Kiss" (1955) verwendet der Regisseur in seinem dritten Spielfilmprojekt erstmals keinen selbstentwickelten Stoff mehr, sondern eine Romanvorlage, nämlich "Clean Break" von Lionel White. "The Killing" ist ein Film Noir, und als ein sogenannter big caper -Film schildert er den Versuch, durch minutiöse Planung und Vorbereitung ein perfektes Verbrechen zu verüben.
Trotz dieser lobenden Worte muß man feststellen, daß die wesentlichste Schwäche von "The Killing" in seiner Personenzeichnung besteht. Die Figuren des Films erscheinen meistens recht klischeehaft (z.B. Fay, Johnnys allzu treue Freundin), im Falle von Sherry, der nicht mehr ganz jungen, betrügerischen und in jeder Beziehung unersättlichen Ehefrau des schwachen und mickrigen Wettbürokassierers George Peatty, auch so übertrieben, daß sie zumindest zeitweise unglaubwürdig wird. Die Ursache für diese Unzulänglichkeiten liegt wohl kaum in der Unfähigkeit des Regisseurs zu differenzierteren Charakterisierungen begründet. Deutlich zu erkennen ist stattdessen, wie wenig es Kubrick bereits in dieser sehr frühen Arbeit darum geht, überhaupt psychologisierende Menschendarstellungen zu präsentieren; in "The Killing" versucht er vielmehr, bereits bestehende Klischees zu instrumentieren, wodurch er sich auf eine nur teilweise geglückte Gratwanderung einläßt.
EINLEITUNG: Grundlegende Hinführung zur Bedeutung von Stanley Kubrick als Autorenfilmer und zur Thematik der Entfremdung.
A MECHANISMEN EINER WELT: Analyse der frühen Filme hinsichtlich ihrer narrativen Struktur und der Versuche zur Kontrolle des Zufalls.
B GESELLSCHAFTLICHE MASKIERUNGEN: Untersuchung der gesellschaftlichen Konventionen und der Entfremdung durch Rollenspiele und Scheinidentitäten.
C DIE MYTHISCHE HEIMKEHR IN DREI VARIATIONEN: Analyse der komplexeren Spätwerke in Bezug auf evolutionäre, psychologische und mythologische Dimensionen.
Stanley Kubrick, Entfremdung, Film Noir, Autorfilm, Filmästhetik, C. G. Jung, Individuation, Gesellschaftskritik, Inszenierungsstil, Identität, Psychose, Technikgläubigkeit, Kontrolle, Menschheitsgeschichte, Ambivalenz
Die Arbeit analysiert das Motiv der Entfremdung in den Filmen von Stanley Kubrick, wobei der Fokus auf der Diskrepanz zwischen individuellem Streben und den fremdbestimmenden Strukturen der modernen Welt liegt.
Zentrale Themen sind die menschliche Ohnmacht, das Versagen von Ordnungssystemen, die Rolle von Technik und das Ringen des Individuums um Identität in einer chaotischen Realität.
Das Ziel ist es, Kubricks speziellen Inszenierungsstil als Mittel zur Externalisierung innerer Konflikte zu begreifen und aufzuzeigen, wie er den Zuschauer zur analytischen Distanz zwingt.
Die Arbeit nutzt filmwissenschaftliche Analysemethoden und zieht zudem psychologische Theorien, insbesondere die von C. G. Jung, heran, um die tiefenstrukturellen Muster in Kubricks Werken zu erläutern.
Im Hauptteil werden Kubricks Filme chronologisch-thematisch analysiert, beginnend bei seinen ersten professionellen Arbeiten bis hin zu "Full Metal Jacket", mit Fokus auf deren methodische Gemeinsamkeiten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Entfremdung, Kontrollwahn, Ambivalenz, ästhetische Distanzierung und die mechanisierte Welt.
Die Lüge des Computers HAL 9000 wird nicht als einfacher technischer Fehler gewertet, sondern als Ausdruck der emanzipatorischen Krise eines Systems, das im Konflikt zwischen seinem Programm und der Notwendigkeit zur Selbsterhaltung steht.
Das Labyrinth fungiert als architektonische Metapher für die innere Verfassung der Figuren und die Unmöglichkeit, sich in einer Welt ohne Sinnzusammenhang zurechtzufinden, wobei es sowohl äußeres als auch inneres Hindernis darstellt.
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