Diplomarbeit, 2006
70 Seiten, Note: 1,3
1 Vom Deutschen
Deutsch: Inszenierungen zwischen Ursprung und Zukunft
„Es gibt keine deutsche Mode.“
Ziel der Arbeit
Begriff: Mythos
Problemfeld: Deutscher Mythos
2 Das Nibelungenlied
Warum das Nibelungenlied?
Hintergrund und Bearbeitungen des Original-Stoff
Der Kern des Mythos
Die Wiederbelebung der Nibelungen
Das Nationalepos: der Deutsche Mythos
Die Rekonstruktion der Nibelungen
Drei Phasen der Nibelungen-Rezeption
3 Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen
„Der Hügel, das ist unser Olymp.“
Das Schmieden des Rings
Der Mythos der künstlerischen Tat
Ein nationales Denkmal
Wotan
Siegfried
Brünnhilde
4 Fritz Lang: Die Nibelungen
„Dem Deutschen Volke zu eigen“
Dolchstoß
Verlebendigung des Mythos
Heilige Räume
Hagen
Siegfried
Kriemhild
5 Deutsche Mode ...?
Deutsch?
Mythos: Marke
Marke: Deutsch!
Müller vs. Schleef – 1 : 0
Die Arbeit untersucht, wie das kulturpolitische Konstrukt des deutschen Mythos der Nibelungen im Zeitraum von 1876 bis 1924 in Drama und Bekleidung transformiert und rezipiert wurde, insbesondere durch die Werke von Richard Wagner und Fritz Lang.
Der Kern des Mythos
Beim Nibelungenlied handelt es sich um Literatur zwischen Dichtung und Wahrheit, die eine formale Nähe zu antiken mythischen Stoffen aufweist: „Die Schönheit einer Frau führt zum Tod vieler Helden: das ist der Gedanke, den der Dichter des »Nibelungenliedes« programmatisch an den Beginn seines Werkes gestellt hat. […] – es ist die Programm-Formel der Troja-Geschichte […]“15 Zwar nimmt Joachim Heinzle an, dass antike Erzählformeln zum Zweck literarischer Anerkennung im Nibelungenlied verwandt wurden16 – doch beginnt hier das Missverständnis, dass die Einen im Mythos Literatur erkannten, Andere das Lied zum Deutschen Mythos17 (v)erklärten.18
Selbst wenn darauf hingewiesen wird, dass der Autor des Nibelungenlieds zwar „mythische Impressionen einplante, um das jeweilige Handlungssegment ins Symbolische zu erheben“,19 dies aber keineswegs bedeute, es sei den „Befürwortern mythologischer Erklärungsmodelle […] gelungen, über Vermutungen […]hinauszukommen und eine funktionale Bedeutung von mythologischen Motiven für den Textzusammenhang […]nachzuweisen“,20 so sollten darüber die zahlreichen Fälle der Rezeptionsgeschichte nicht vergessen werden, die selbst unter wissenschaftlichem Vorzeichen eine mythische Realität des Nibelungenlieds ohne weiteres akzeptierten.21
1 Vom Deutschen: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, wie Deutschland seine Identität durch mythische Narrationen konstruiert und welche Rolle Mode dabei spielt.
2 Das Nibelungenlied: Das Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund des Nibelungenlieds und wie es zur Grundlage für nationale Mythenbildung wurde.
3 Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen: Hier wird analysiert, wie Wagner durch sein Gesamtkunstwerk den Nibelungen-Stoff für seine politische und ästhetische Vision nutzte.
4 Fritz Lang: Die Nibelungen: Das Kapitel untersucht die filmische Umsetzung des Nibelungen-Stoffs durch Lang und wie diese das Bild des deutschen Helden prägte.
5 Deutsche Mode ...?: Der abschließende Teil reflektiert kritisch über das heutige Verständnis von „Deutscher Mode“ und die fortwährende Nutzung mythischer Symbole.
Nibelungenlied, Richard Wagner, Fritz Lang, Deutscher Mythos, Identität, Nationalepos, Bekleidung, Mode, NS-Zeit, Rezeption, Kulturpolitik, Symbolik, Heldendichtung, Identitätsstiftung, Ästhetik.
Die Arbeit untersucht die Konstruktion des deutschen Mythos anhand des Nibelungenlieds und dessen Transformation in Literatur, Musikdrama (Wagner) und Film (Fritz Lang) sowie in der Mode.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Verschränkung von Mythenbildung, Nationalbewusstsein, ästhetischer Selbstdarstellung und deren Spiegelung in der Gestaltung von Bekleidung.
Das Ziel ist es zu ergründen, ob und wie die Kleidung in Wagners Opern und Langs Filmen als Bedeutungsträger für ein „Deutsches Wesen“ fungierte und wie diese Traditionen in die Gegenwart wirken.
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die ikonographische, historisch-kontextuelle und medienanalytische Methoden verbindet.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Rezeption des Nibelungenlieds in den drei Phasen (Kriemhild, Siegfried, Hagen) und untersucht die spezifische Kostümbildung bei Wagner und Lang.
Wesentliche Begriffe sind Nibelungenlied, Mythos, Nationalepos, Identität, Mode, Inszenierung und Ästhetik.
Wagner suchte gezielt nach einer originären, „deutschen“ Ästhetik, die sich von den klassischen antiken Vorbildern absetzte, was zu intensiven künstlerischen Auseinandersetzungen mit seinem Kostümbildner Doepler führte.
Langs Filme nutzten die Kleidung und Architektur als Mittel der Stilisierung, die das Individuum in eine monumentale, fast archaische Formensprache einbettet, um ein übermenschliches deutsches Ideal zu vermitteln.
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