Magisterarbeit, 2005
116 Seiten, Note: 1,3
I. Deutsche Päpste
II. Traditionsbezüge in der deutschen Literaturkritik
1. Historischer Rückblick anhand ausgewählter Beispiele
1.1. Lessing: Negation als pädagogische Funktion
1.2. Goethe: Verächter der Kritik
1.3. Drittes Reich: Propaganda statt Kritik
1.4. DDR: Schreiben mit gelähmter Hand
1.5. Heute: Multimediale Inszenierung
2. Der Platz der Literaturkritik im medialen Zeitalter eine systemtheoretische Betrachtung
3. Der deutsch-deutsche Literaturstreit und die Frage nach der Autorität des Autors
3.1. Der „Fall“ Christa Wolf oder: Die Verantwortung eines Schriftstellers
3.2. Autorenkonzepte
III. Der Aufstieg des Marcel Reich-Ranicki
1. Prägungen und Grunderfahrungen
2. Sein Einstieg in die Literaturkritik der BRD
3. Die „Macht“ eines Kritikers
3.1. Grass: Kalkulierender Artist mit monumentalen Missgeschicken
3.2. Böll: Die Galionsfigur
3.3. Bachmann: Opfer feministischer Vorurteile
4. Das Showtalent Reich-Ranicki
IV. „Tod eines Kritikers“ und der deutsche Literaturskandal
1. Das Streitobjekt
2. Verlauf der Kontroverse
3. Der Roman als Angriff auf die Person Reich-Ranicki
3.1. Vorgeschichte Walser- Reich-Ranicki
3.2. „Ein großes Stück Postmoderne“
4. Der Roman unter dem Antisemitismus-Verdikt
4.1. Vorgeschichte eines Antisemitismusverdachts
4.2. „Tod eines Kritikers“ als Spielmodell der Komödie
5. Resümee
V. Das Ende der Papstära?
Die vorliegende Arbeit untersucht das Selbstverständnis der deutschen Literaturkritik der letzten zwei Jahrzehnte. Im Zentrum steht dabei die Frage, warum Martin Walsers Roman „Tod eines Kritikers“ einen derart heftigen Literaturskandal auslöste und inwiefern Marcel Reich-Ranicki, als prägende Medienfigur, eine zentrale Rolle in der Funktionsweise und dem Selbstverständnis der deutschen Literaturkritik einnimmt.
II. Traditionsbezüge in der deutschen Literaturkritik
Kritik an Literatur gab es bereits in der Antike. Dazu kann zum Beispiel die „skeptische Hinterfragung der großen Erzählungen des Mythos durch eine programmatisch vom Logos geleitete, ostentativ rationalistische und wissenschaftliche Philosophie“ der Kritik an Texten im Allgemeinen zugeordnet werden. Weiterhin gab es Textstellen in klassischen griechischen und römischen Dichtungen, die „urteilend auf kanonisierte Werke und Autoren“ Bezug genommen haben oder es wurde in Metatexten der Vorteil des einen gegenüber dem anderen Werk besprochen. In der Spätantike und dem Mittelalter „avancierte [die Literaturkritik] zu einem Instrumentarium der philologischen Sicherung, der sprachlichen und sachlichen Kommentierung und Auslegung des überlieferten Kanons und des Wissens über dessen Autoren.“
Erst im 17. Jahrhundert kann von dem Kritikertum wie es heute verstanden wird gesprochen werden, als mehr und mehr Dichter sich in die Literatur einbrachten und es galt, ihre Texte für die Leserschaft, zum Beispiel im Hinblick auf ihren Stil, ihre Ästhetik oder ihre Moral, von einander unterscheidbar zu machen. Der Dichter war immer der ältere Bruder des Kritikers, von dem sich dieser emanzipieren musste, zu dem, was heute unter einem Kritiker verstanden wird: „[J]ene Instanz, die zwischen Autor und Publikum vermittelt und die erst aufkommen konnte, seit es eine literarische Öffentlichkeit gibt, die an die Entstehung des Buchmarkts gebunden ist.“
I. Deutsche Päpste: Einführung in das Selbstverständnis des Literaturkritikers als moralische Instanz am Beispiel von Marcel Reich-Ranicki und dem aufkommenden Walser-Skandal.
II. Traditionsbezüge in der deutschen Literaturkritik: Historische Entwicklung der Kritik sowie eine systemtheoretische Einordnung ihrer Funktionen und des Literaturstreits nach der deutschen Wiedervereinigung.
III. Der Aufstieg des Marcel Reich-Ranicki: Detaillierte Analyse des Werdegangs, der methodischen Ansätze und der mediale Macht des einflussreichsten Kritikers der BRD.
IV. „Tod eines Kritikers“ und der deutsche Literaturskandal: Untersuchung des Walser-Skandals unter Berücksichtigung von Vorwürfen des Antisemitismus und der medialen Dynamiken.
V. Das Ende der Papstära?: Reflexion über den Wandel des Kritikerberufs im Zeitalter neuer Medien und das Schwinden des klassischen Literaturpapsttums.
Literaturkritik, Marcel Reich-Ranicki, Martin Walser, Tod eines Kritikers, Literaturskandal, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Antisemitismus, Literaturstreit, Mediengesellschaft, Autorenkonzepte, Rezension, Feuilleton, Literaturwissenschaft, Machtausübung.
Die Arbeit analysiert das Selbstverständnis der deutschen Literaturkritik anhand ihrer historischen Entwicklung und ihrer Rolle im modernen Mediensystem, fokussiert auf die kontroverse Figur Marcel Reich-Ranicki und den Literaturskandal um Martin Walsers „Tod eines Kritikers“.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Literaturkritik (von Lessing bis zur DDR), der Anwendung der Systemtheorie nach Niklas Luhmann sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der medialen Macht und den Bewertungsmethoden von Literaturkritikern.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Mechanismen zu schaffen, warum und wie Literaturkritik gesellschaftliche Skandale produziert und inwiefern der Kritiker dabei sowohl Anwalt der Literatur als auch eine machtvolle Instanz ist.
Die Arbeit kombiniert historische Recherche mit systemtheoretischen Ansätzen von Niklas Luhmann, um das Kommunikationssystem der Literaturkritik und die Rolle des Kritikers als Beobachter zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Traditionslinien, die Untersuchung von Marcel Reich-Ranickis Kritikpraxis (anhand von Beispielen wie Grass, Böll und Bachmann) sowie eine detaillierte Aufarbeitung des Walser-Skandals.
Literaturkritik, Marcel Reich-Ranicki, Martin Walser, Literaturskandal, Systemtheorie, Mediengesellschaft, Antisemitismus, Literaturstreit, Autorenkonzepte.
Sie weist darauf hin, dass im „Fall Walser“ eine mediale Eigendynamik entstand, bei der der Text weniger als literarisches Werk, sondern primär als moralischer „Test“ betrachtet wurde, was den literarischen Diskurs zugunsten politischer Vorverurteilung verengte.
Sie postuliert, dass die Zeit des klassischen, allein dominierenden „Literaturpapstes“ durch die Pluralisierung der Medien und eine veränderte Rezeption vorbei ist, auch wenn einzelne Persönlichkeiten wie Reich-Ranicki in den Medien weiterhin präsent blieben.
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