Magisterarbeit, 2004
101 Seiten, Note: 1,3
1. EINLEITUNG
2. ARBEIT UND LEBEN
3. GRUNDLEGENDE ERZÄHLTECHNISCHE MITTEL
3.1 DAS PARADIGMATISCHE ERZÄHLEN AM BEISPIEL VON PFÖRTLS REISE
3.2 PERSPEKTIVWECHSEL, PARODIE, KOMIK UND IRONIE
3.3 DAS PRINZIP DER MONTAGE
3.4 FIKTION ODER AUTHENTIZITÄT ODER FIKTIVE AUTHENTIZITÄT
3.5 DIE HERSTELLUNG VON „ZUSAMMENHANG“
4. DIE DURCH DIE ARBEITSZEIT DIALEKTISCH DEFINIERTE FREIZEIT
4.1 GRENZEN DER INDIVIDUELLEN ERFAHRUNGSBILDUNG
4.2 ÜBERTRAGUNG DES PRODUKTIONSRHYTHMUS AUF DIE FREIZEIT
4.3 MEHR SCHEIN ALS SEIN – DIE TOTALVERWEIGERUNG DES CHEFFAHRERS LÖWE
4.4 DIE ENTFREMDUNG VOM EIGENEN KÖRPER BEIM CHEMIKER DRALLE
4.5 AUSWIRKUNGEN AUF DAS BEZIEHUNGSLEBEN
4.5.1 Nichts fließt bei der Jugend
4.5.2 Resignation im Familienleben
4.6 DIE FLUCHT IN DEN KONSUM
5. DER DISKURS ÜBER DIE ENTFREMDUNG
5.1 ENTFREMDUNG VOM NATURZUSTAND BEI ROUSSEAU
5.2 WIEDERERLANGUNG DER GANZHEITLICHKEIT DURCH HÖHERE KUNST BEI SCHILLER
5.3 DIE UNTERSCHEIDUNG ZWISCHEN LEBENDIGER UND TOTER ARBEIT BEI MARX
5.4 DAS BESONDERE IM WÜRGEGRIFF DES ALLGEMEINEN BEI ADORNO
5.5 WERTIGKEIT DER PHILOSOPHISCHEN THEORIEN
6. DER SYSTEMABHÄNGIGE DENKER
6.1 WORAN LEIDET PHILIPP DALQUEN?
6.2 THEORIE VERSUS PRAXIS
6.3 KEINE GRENZEN FÜR DIE UNENDLICHE ANSTRENGUNG
7. DAS STÖRPOTENTIAL DER FREIZEIT - DIE UNGLÜCKE NEHMEN ZU
8. DAS AUF ARBEIT PROGRAMMIERTE INDIVIDUUM
8.1 DAS WUNDER DES VERSCHWUNDENEN STEINS
8.2 KURZURLAUB ALS SCHNELLREPARATUR AM BEISPIEL DER FRAU MÜCKERT
8.3 JEDER NACH SEINEN FÄHIGKEITEN, KEINEM NACH SEINEN BEDÜRFNISSEN
8.4 RACHE - SCHLAG UND GEGENSCHLAG
8.4.1 Verlust der Selbstkontrolle bedeutet Zeitverlust
8.4.2 Die Rache für verlorene Zeit und ungelebtes Leben
8.4.3 Die rationalisierte Liebesbeziehung
8.4.4 Der unsympathische Held
9. MUTZLAFFS OSTERN
9.1 DIE WOHNVERHÄLTNISSE
9.2 EINSAME AUSGLEICHSBEWEGUNGEN
9.3 POESIE UND KREATIVITÄT
9.4 AUF DER SUCHE NACH DER POESIE
9.5 DAS VERSAGEN DER KULTURINDUSTRIE BEI DER BEFRIEDIGUNG MENSCHLICHER SEHNSÜCHTE
9.6 MUTZLAFFS GEGENOSTERN
10. WEITERFÜHRENDE ZUSAMMENFASSUNG
10.1 DIE WIDERSTÄNDIGEN GEFÜHLE ALS ZEUGNIS EINES FALSCHEN LEBENS
10.2 HUMOR UND AUFKLÄRUNG BEI KLUGE
10.3 DIE THEMATISCHEN BASISEINHEITEN DES ZUSAMMENHANGS
10.3.1 Die Ostertage 1971 als Grundbaustein des zusammenhängenden Denkens
10.3.2 Lernprozesse mit tödlichem Ausgang
10.3.3 Lebensläufe
10.3.4 Schlachtbeschreibung
10.3.5 Neue Geschichten
10.3.6 Chronik der Gefühle
10.3.7 Die Lücke, die der Teufel lässt
Die vorliegende Arbeit untersucht die von Alexander Kluge verwendeten Erzähltechniken vorrangig am Beispiel der Erzählung Die Ostertage 1971 und fragt nach den Gründen ihrer Anwendung, wobei das zentrale Forschungsinteresse auf dem Verhältnis von Arbeit und Freizeit als Ausdruck von Sinn- und Lebenszusammenhängen in der Moderne liegt.
3.1 Das Paradigmatische Erzählen am Beispiel von Pförtls Reise
Das Geschichtenerzählen ist für Kluge ein Mittel, seine theoretischen Gedanken zu veranschaulichen: „Kluge personalisiert eine abstrakte Erkenntnis, um sie einem Publikum aus ’Nicht-Theoretikern’ zu vermitteln“. Dahinter steht ein konkreter Erzählansatz, wie Bosse mit einem Zitat aus Öffentlichkeit und Erfahrung belegt:
„Es ist durchaus denkbar, daß sich Theorie und vermittelte Erfahrung überhaupt nur dann auf Nicht-Theoretiker übertragen lassen, wenn sie sich durch eine Person, und zwar durch deren Verhalten, Gesten, persönliche Integrität ausdrückt. Vermittelte Erfahrung muß unmittelbar nachgeahmt und nicht nur als Gedanke und Ergebnis angenommen werden können.“
1. EINLEITUNG: Einführung in Kluges erzählerisches Gesamtwerk und die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Konstitution von Realität und der Rolle von Gefühlen.
2. ARBEIT UND LEBEN: Untersuchung der fallstudienartigen Parallelgeschichten in Die Ostertage 1971 und die Demontage konventioneller Vorstellungen von Freizeit.
3. GRUNDLEGENDE ERZÄHLTECHNISCHE MITTEL: Analyse der ästhetischen Verfahren, insbesondere der Montage, der Fiktion und der Herstellung von Zusammenhang bei Kluge.
4. DIE DURCH DIE ARBEITSZEIT DIALEKTISCH DEFINIERTE FREIZEIT: Darstellung, wie der industrielle Produktionsrhythmus die Freizeitgestaltung dominiert und zu Entfremdung führt.
5. DER DISKURS ÜBER DIE ENTFREMDUNG: Theoretische Einordnung der Entfremdungsthematik durch Rückgriff auf Rousseau, Schiller, Marx und Adorno.
6. DER SYSTEMABHÄNGIGE DENKER: Analyse des Protagonisten Philipp Dalquen und dessen gescheiterten Versuchs, sich durch Theorie vom Produktionsalltag zu emanzipieren.
7. DAS STÖRPOTENTIAL DER FREIZEIT - DIE UNGLÜCKE NEHMEN ZU: Untersuchung der These, dass eine nicht organisierte Freizeit als Störung des Produktionssystems wahrgenommen wird und zu Unglücksfällen führt.
8. DAS AUF ARBEIT PROGRAMMIERTE INDIVIDUUM: Analyse von Fallbeispielen, die das Individuum als durch Arbeit determiniertes Subjekt zeigen, inklusive einer Auseinandersetzung mit Rachemotiven.
9. MUTZLAFFS OSTERN: Zusammenfassende Analyse der Figur Mutzlaff und seiner Versuche, Poesie und Sinn in einer durch Technik dominierten Welt zu finden.
10. WEITERFÜHRENDE ZUSAMMENFASSUNG: Abschließende Synthese über die widerständige Kraft der Gefühle und die gesellschaftskritische Funktion der offenen Textformen Kluges.
Alexander Kluge, Die Ostertage 1971, Arbeit, Freizeit, Entfremdung, Montage, Literaturwissenschaft, Kritische Theorie, Produktionsrhythmus, Sinnstiftung, Erzähltechnik, Kulturindustrie, Subjektivität, Gesellschaftsanalyse, Systemabhängigkeit.
Die Arbeit untersucht das erzählerische Werk von Alexander Kluge, insbesondere den Komplex "Die Ostertage 1971", und beleuchtet die strukturellen Wechselwirkungen zwischen Arbeitswelt, Freizeitgestaltung und individueller Sinnsuche.
Die zentralen Themen umfassen die Entfremdung des Menschen durch industrielle Arbeit, das Versagen der Kulturindustrie bei der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und die ästhetischen Mittel, mit denen Kluge diese gesellschaftlichen Prozesse darstellt.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, mit welchen erzähltechnischen Mitteln Kluge den "Zusammenhang" in einer modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft darstellt und wie seine Figuren mit dem Sinnentzug umgehen.
Es wird eine Kombination aus detaillierter Textanalyse der Erzählungen und einer Interpretation unter Einbeziehung philosophischer und soziologischer Theorien (insbesondere der Kritischen Theorie) angewandt.
Im Hauptteil werden die einzelnen Erzählungen analysiert, wobei der Fokus auf dem "Störpotential" der Freizeit, den gescheiterten Versuchen der Lebensgestaltung durch Charaktere wie Döllsdorf oder Dalquen und der Rolle der Montage als ästhetisches Prinzip liegt.
Zentral sind Begriffe wie Arbeitsteilung, entfremdete Arbeit, Montageprinzip, Subjekt-Objekt-Verhältnis und das "Kristallgitter" als Strukturmodell für das Erzählen.
Dieser Erzählkomplex vereint laut der Autorin viele wesentliche erzähltechnische Besonderheiten Kluges und bietet ein breites Spektrum an Protagonisten, die in ihrem Verhältnis zur Arbeits- und Freizeitwelt exemplarisch analysiert werden können.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Poetische in der Arbeitswelt zwar verdrängt wird, aber als "Untergrundarmee der Gefühle" dennoch existiert und durch Kluges Erzählweise als Möglichkeit zur kritischen Erkenntnis wieder sichtbar gemacht werden kann.
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