Examensarbeit, 2005
78 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichte
3. Die Figuren
3.1. Schach
3.2. Frau von Carayon
3.3. Victoire
3.4. Bülow
4. Deutung der Erzählung im Hinblick auf den Verweisungscharakter der Person des Schach von Wuthenow
4.1. Im Salon – Erste Charakteristik Schachs
4.2. Die Weihe der Kraft – Schach und das Luthertum
4.3. Sala Tarone – Schach in der politisch – gesellschaftlichen Polyperspektive
4.4. Der „schöne Schach“ – Das Motiv der Schönheit als Verweis auf den Verfall
4.5. Zwischen Privaten und Politik: Die Dreieckbeziehung und Schachs Ehescheu
4.6. Der ästhetische Mönch – Die Form ohne Inhalt
4.7. Dekadenz, Inhaltslosigkeit und Verwirrung der Begriffe – Das Leben begriffen als Spiel
4.8. Verwirrung und Verführung
4.9. Liebe als Gesellschaftsnorm
4.10. Fassade der Formen und der innere Verfall
4.11. Angst vor der Lächerlichkeit als Todesurteil
4.12. Gehorsam als Selbstbetrug
4.13. Die „falsche Ehre“ – ein Spiegel der Gesellschaft
4.14. Der Selbstmord des Individuums als Symbol des Untergangs eines Staates
4.15. Reflexionen von Bülow und Victoire
4.15.1. Bülow – Die politische Perspektive
4.15.2. Victoire – Die weiblich menschliche Perspektive
5. Fazit
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Figur des Schach von Wuthenow als Symbol für das Preußentum fungiert und wie Fontane in seiner Erzählung das Politische mit dem Privaten verknüpft, um den Zerfall eines Systems darzustellen.
3.1. Schach
Fontane kannte den historischen Vorfall der Verführung des Fräulein Crayen durch den Major von Schack. Er las sich aus diversen Memoiren eine umfassende Kenntnis über sein Leben und Handeln an. Gräfin von Schwerin beschreibt ihn als einen „leichtsinnigen, frivolen, liebenswürdigen Schwerenöter, der eleganteste unter den Gensdarmesoffizieren“42. Er war auch ein rücksichtsloser Spieler, der keine Miene verzog, als einer seiner Schuldner sich vor Verzweiflung erschoss. Von Nostitz verurteilt die Offizierskaste dieser Zeit: „sie haben Schulden, Schulden, Schulden“, führen ein „sybaritisches Leben“ in „lärmenden, üppigen Vereinen“.43
Fontan´sche Darstellung der Figur passt sich der Gliederung der Novelle ein. Sie beschreibt nur die letzten Tage vor dem Krieg, nur das Nötigste findet Einzug in die Erzählung. So lässt der Autor alle Schärfe, alles Abstoßende an Schacks Charakter aus. Seine Eleganz, Schönheit, das Äußere behält er bei, gestaltet sein Inneres aber umso komplizierter und widersprüchlicher. Die meisten wahren Ereignisse aus Schacks Leben werden nicht übernommen. Fontane rafft und kürzt, so dass nur das Allernotwendigste dargestellt wird: der Vorabend des Untergangs von Preußen und der Untergang Schachs, das persönlich gesellschaftliche Versagen erhoben zum symbolischen Versagen des Politischen.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie Schachs Figur auf das Preußentum verweist und welche Rolle die Symbolik in der Erzählung spielt.
2. Entstehungsgeschichte: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund und Fontanes kritische Haltung gegenüber preußischen Konventionen bei der Stoffbearbeitung.
3. Die Figuren: Hier werden die zentralen Charaktere Schach, Frau von Carayon, Victoire und Bülow sowie ihre Bedeutung als soziale Typen innerhalb der Novelle analysiert.
4. Deutung der Erzählung im Hinblick auf den Verweisungscharakter der Person des Schach von Wuthenow: Das Hauptkapitel untersucht die Erzählung in zahlreichen Aspekten, von der Bedeutung des Salons und der Rolle des Luthertums bis hin zur Analyse der Dreiecksbeziehung und des Selbstmords als politisches Symbol.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert, dass die Erzählung durch die Verwebung von politischer Kritik und privater Tragödie ein komplexes Gesamtbild ergibt.
Theodor Fontane, Schach von Wuthenow, Preußentum, Gesellschaftskritik, Moral, Ehre, Symbolik, Verweisungscharakter, Schuld und Sühne, Individuum, Staat, Literaturanalyse, Novelle, Geschichte, Identität
Die Arbeit analysiert Theodor Fontanes Erzählung „Schach von Wuthenow“ im Hinblick darauf, wie die Hauptfigur Schach als Repräsentant und Symbol für den Zustand und den Untergang des preußischen Staates interpretiert werden kann.
Im Zentrum stehen die Kritik an preußischen Gesellschaftsnormen, der Verlust an innerer Substanz zugunsten äußerer Formen, die falsche Ehre sowie die psychologische Komponente in der Beziehung zwischen den Hauptfiguren.
Ziel ist es, den „Verweisungscharakter“ der Figur Schach zu ergründen und aufzuzeigen, wie Fontane politische und gesellschaftliche Zustände in ein privates Schicksal übersetzt.
Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Interpretationsansätze der Forschungsliteratur (wie die von Lukács oder Wandrey) gegenüberstellt und durch eine eigene polyperspektivische Untersuchung der Figurenkonstellation ergänzt.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Facetten der Novelle, darunter die gesellschaftliche Rolle des Salons, das Verhältnis von Religion (Luthertum) und Schein, die psychologische Dynamik der Dreiecksbeziehung und die Bedeutung von Schachs Selbstmord.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie preußische Identität, Gesellschaftskritik, symbolische Repräsentation, Schein vs. Sein und den Zusammenbruch überalteter Ideale charakterisiert.
Bülow sieht Schachs Tod als rein politisches Symbol für das Scheitern des preußischen Offiziers- und Staatssystems, während Victoire eine menschlich-psychologische Perspektive einnimmt und Verständnis für die individuelle Tragik und seine Ängste aufbringt.
Das Luther-Stück dient als Präludium und Parallelerzählung, die den Kontrast zwischen dem ursprünglichen, kraftvollen Glauben und dem in Preußen erstarrten, rein formalen Luthertum verdeutlicht, was wiederum Schachs eigenes Scheitern an der Form spiegelt.
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