Essay, 2006
22 Seiten
Wagner und Goethe
Wagners Faust-Ouvertüre
Wagner im Zeichen Goethes
Wagners „Faust“-Rezeption
Die Theaterdirektoren
Goethe als Vorbild
Exkurs: Max Reinhardt zur Frage der Musik in „Faust“
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefgreifende und ambivalente Auseinandersetzung Richard Wagners mit dem Werk und der Persönlichkeit Johann Wolfgang von Goethes, insbesondere im Hinblick auf dessen „Faust“. Dabei wird analysiert, wie Wagner Goethes Konzepte in seine eigene Kunsttheorie integrierte, sie kritisch hinterfragte und als Maßstab für die Entwicklung seines eigenen Musikdramas nutzte.
Wagner und Goethe
Goethe, der von 1791-1817 als Theaterleiter in Weimar selbst auch als „Operndirektor" fungierte, hatte ein gespaltenes Verhältnis zur Musik. Er schätzte Cherubini und Mozart als Opernkomponisten, verkannte aber Schubert und Beethoven, die seine Gedichte vertont hatten. Müßig zu fragen, was Goethe über Wagner gesagt hätte, aber mit Sicherheit kann man ihn nicht zu den Propheten Wagners zählen. Eine Oper war für Goethe dann gut, wenn sich das Libretto auch ohne Musik geben ließ und ihm dann als Stück gefiel.
Wagners „Ring" bestand immerhin diese Probe, als erstmals im Jahre 1971 die (gekürzte) „Ring"-Dichtung in den Münchner Kammerspielen als politisches Drama ohne Musik gegeben wurde: anfangs belustigt, ließen sich Publikum und Darsteller zusehends vom Text tragen und fühlten sich offensichtlich wohl dabei.
Wagner und Goethe: Dieses Kapitel beleuchtet das grundlegend gespaltene Verhältnis Goethes zur Musik und vergleicht es mit Wagners eigenen Erfahrungen und seiner lebenslangen, intensiven Lektüre von Goethes Werken.
Wagners Faust-Ouvertüre: Hier wird die Genese der Faust-Ouvertüre beschrieben, von den ersten Entwürfen in Paris über den Briefwechsel mit Liszt bis hin zur finalen Überarbeitung und Uraufführung in Zürich.
Wagner im Zeichen Goethes: Dieser Abschnitt zeigt auf, wie Wagner Goethes Erlebnisse und Sentenzen in sein Leben und Schaffen integrierte und wie er Goethe als Idealist anstatt als Vertreter des Realismus interpretierte.
Wagners „Faust“-Rezeption: Der Text analysiert Wagners kritische Haltung gegenüber opernhaften Bearbeitungen des „Faust“ und verortet das Werk als Scheidepunkt zwischen mittelalterlichem Roman und dem dramatischen Stoff der Zukunft.
Die Theaterdirektoren: Das Kapitel vergleicht die Ansätze Wagners und Goethes als Theatermacher, insbesondere im Hinblick auf Inszenierungspraxis und die Rolle des Musiktheaters.
Goethe als Vorbild: Hier wird untersucht, inwieweit Goethe für Wagner als Vorbild in der Festspieltheorie fungierte und wie theoretische Konzepte zur optischen und akustischen Illusion bereits bei Goethe angelegt waren.
Exkurs: Max Reinhardt zur Frage der Musik in „Faust“: Ein Exkurs über Max Reinhardts Bemühungen, für seine „Faust“-Inszenierung eine musikalische Untermalung zu finden, die den Geist des Werkes trifft, unter anderem unter Verwendung der Musik von Berlioz.
Richard Wagner, Johann Wolfgang von Goethe, Faust, Musikdrama, Gesamtkunstwerk, Festspielhaus, Theaterdirektor, Musikästhetik, Franz Liszt, Max Reinhardt, Hector Berlioz, Regietheater, Theatergeschichte, Literaturrezeption, Dramentheorie.
Die Arbeit untersucht die komplexe intellektuelle und künstlerische Beziehung Richard Wagners zu Johann Wolfgang von Goethe, wobei der Schwerpunkt auf der Rezeption des „Faust“ und der Entwicklung des Musikdramas liegt.
Zentrale Themen sind die gegenseitige Beeinflussung von Dichtung und Musik, die Entwicklung der Festspielidee, die Problematik der theatralischen Illusion sowie die Kritik an zeitgenössischen Opernbearbeitungen.
Ziel ist es, Wagners Goethe-Rezeption nicht nur als literarische Vorliebe, sondern als produktive Auseinandersetzung darzustellen, die Wagners eigene ästhetische Theorie maßgeblich mitgeformt hat.
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die primär auf der Auswertung von Briefen, Schriften, Tagebüchern und theoretischen Aufsätzen Wagners und Goethes basiert.
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte der Faust-Ouvertüre, die theoretischen Parallelen zwischen den Theaterkonzepten von Goethe und Wagner sowie Wagners scharfe Kritik an Gounods Faust-Vertonung.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Wagner, Goethe, Faust, Gesamtkunstwerk und Musikdrama beschreiben.
Wagner betrachtete den „Faust“ zeitlebens als das „schönste Buch“ in deutscher Sprache, setzte sich aber gleichzeitig kritisch mit der Figur Fausts auseinander, den er als „phantastischen Gelehrten“ und Philistervorbild sah.
Wagner sah in Goethes theoretischen Forderungen, etwa dass der Musikus nicht sichtbar sein sollte, eine Vorwegnahme seines eigenen Wunsches nach einem unsichtbaren Orchester und Theaterraum.
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