Ausarbeitung, 2005
13 Seiten
1. Die Wiedergeburt der Komödie aus dem Geiste des Chat Noir
2. Überbrettl-Topoi im Musiktheater von Richard Strauss
Die vorliegende wissenschaftliche Untersuchung beleuchtet die wechselseitigen Einflüsse und künstlerischen Bezüge zwischen dem Berliner „Überbrettl“ – dem ersten deutschen Kabarett – und dem kompositorischen Schaffen von Richard Strauss, insbesondere im Hinblick auf die Ästhetik des Musiktheaters und die Etablierung des modernen Satire-Stils.
Überbrettl-Topoi im Musiktheater von Richard Strauss
Wolzogen zählte Richard Strauss zu seinen „persönlichen Freunden“, aber den Wunschkandidaten für die musikalische Leitung seines „Überbrettl“ anzufragen, scheute sich der Baron, „schon wegen der hohen Ansprüche, die (er) an die Kunst des Singens stellte“. Auf seiner Suche nach einen Hauskomponisten und musikalischen Leiter schrieb Ernst von Wolzogen schließlich einen Wettbewerb aus, an dem sich auch Alexander von Zemlinsky beteiligte, der mit Wolzogen bereits seit dem Jahr 1896 bekannt war. Die gestellte Aufgabe lautete, Otto Julius Bierbaums biedermeierliches Tanzgedicht „Der lustige Ehemann“ als Lied für ein künftiges deutsches Kabarett zu komponieren.
Als Sieger aus dem Wettbewerb gingen freilich weder Alexander Zemlinskys noch Viktor Holländers Vertonung, sondern die von Oscar Straus hervor. Und so entschied sich Wolzogen für Straus mit einem „s“ am Namensende als „Überbrettl“-Kompositeur“. Als Vermittler dieses Engagements fungierte der Journalist des „Berliner Generalanzeigers“ Oskar Geller, der als Pantomimiker des „Überbrettl“ und als Librettist von Alexander Zemlinskys Mimodram „Ein Lichtstrahl“ in die Theatergeschichte einging. Geller - mit dem Künstlernamen Spontelli - hatte Straus gebeten, ihm eine Rolle auf den Leib zu komponieren, aber Straus hatte dieses ihm im Bohéme-Café „Westminster“ unter den Linden unterbreitete Angebot Gellers nicht ernst genommen, bis eine Rohrpostkarte Ernst von Wolzogens ihn aufforderte, ihm die für Herrn Spontelli komponierte Pantomime vorzuspielen.
1. Die Wiedergeburt der Komödie aus dem Geiste des Chat Noir: Dieses Kapitel führt in die Gründung des Berliner „Überbrettls“ durch Ernst von Wolzogen ein und beleuchtet die ideologischen Wurzeln sowie die personellen Netzwerke, die zur Etablierung des deutschen Kabaretts führten.
2. Überbrettl-Topoi im Musiktheater von Richard Strauss: Der Hauptteil analysiert die tiefgreifenden Einflüsse des Kabaretts auf die Opern von Richard Strauss, insbesondere die Verwendung von Pantomimik, erotischen Symboliken und die satirische Persiflage gesellschaftlicher Konventionen.
Überbrettl, Ernst von Wolzogen, Richard Strauss, Deutsches Kabarett, Musiktheater, Otto Julius Bierbaum, Pantomime, Feuersnot, Josephs Legende, Jahrhundertwende, Satire, Berliner Kulturgeschichte, Opernästhetik, Komische Oper, Nietzsche-Rezeption
Die Untersuchung behandelt die historischen und ästhetischen Verbindungen zwischen dem ersten deutschen Kabarett („Überbrettl“) und dem Musiktheater von Richard Strauss.
Im Zentrum stehen die künstlerische Zusammenarbeit zwischen Wolzogen und Strauss, die Bedeutung von Lyrikvertonungen sowie die Transformation kabarettistischer Stilmittel in das Operngenre.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das „Überbrettl“ als ästhetisches Modell die musikalische Moderne beeinflusste und wie Strauss dieses „Kabarett-Geist“ in seine Bühnenwerke integrierte.
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärquellen, insbesondere Korrespondenzen, Tagebuchaufzeichnungen und Libretto-Analysen, um die künstlerischen Wechselwirkungen historisch-kritisch aufzuarbeiten.
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Untersuchung einzelner Strauss-Werke wie „Feuersnot“ und „Josephs Legende“ im Kontext der Überbrettl-Ästhetik.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Überbrettl, Musiktheater, Satire, Pantomime und Strauss-Rezeption geprägt.
Die Zensur wird als wesentliches Hindernis für die Aufführungspraxis von Werken wie „Feuersnot“ und „Josephs Legende“ beschrieben, was die gesellschaftliche Spannung jener Zeit verdeutlicht.
Der Autor verwendet diesen Begriff, um Strauss’ mutige, erotisch aufgeladene und gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit der Moral seiner Zeit, insbesondere in „Feuersnot“, zu charakterisieren.
Es wird als ein Werk interpretiert, das die Pantomimen-Tradition des „Überbrettls“ auf die große Opernbühne übertrug und damit in Form und Gehalt eine neue Ebene der Musikdramatik erreichte.
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