Magisterarbeit, 2002
90 Seiten, Note: 2,6
Einleitung
Teil I: Theoretische Grundannahmen/Thesen zum Wandel der Arbeit
1. Der Arbeitsbegriff im historischen Wandel
1.1. Antike: Arbeit als Gegenwelt zur Gesellschaft
1.2. Mittelalter und Bürgerzeit: Arbeitsgesellschaft als Ordnungsgesellschaft
1.3. Reformation: Entwicklung der neuzeitlichen Arbeitsethik
1.4. Moderne und Industriezeitalter: Die Arbeitsgesellschaft polarisiert Produktion und Reproduktion
1.5. Von der Industrie zu Dienstleistungen, Information und Kommunikation
1.6. Zusammenfassung
2. Aspekte von „Arbeit“ in der Gegenwart
2.1. Bedeutung der Erwerbsarbeit als Existenzsicherung
2.2. Identitäts- und Sinnstiftung durch Arbeit
2.3. Arbeit als wert-volle, als Status bestimmende Tätigkeit
2.4. Arbeitszeit in der Unterscheidung zu Freizeit
3. Neue Anforderungen an die Arbeitswelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts
3.1. Gesellschaft
3.2. Wirtschaft
3.3. Unternehmen
3.4. Arbeitnehmer
4. Zukunftsprognosen
4.1. Arbeitszeitmodelle in der Postmoderne
4.2. Alternativen zur Erwerbsarbeit
4.3. Exkurs: Der Nonprofit-Bereich als „Dritter Sektor“
5. Zwischenergebnis
Teil II: Beobachtungen aus der Lebens- und Arbeitswelt
6. Berufswahl in der Praxis
6.1. Grundlegende Überlegungen zur Sozialisation für und durch den Beruf
6.2. Zur Ausbildung von Berufswahlkompetenzen in der Primärsozialisation
6.3. Beobachtungen aus der Berufswahlpraxis von Jugendlichen
6.4. Erwartungen an die Berufsanfänger
7. Die Vorstellungen der Jugendlichen selbst
7.1. Generelle Beobachtungen zu den Sinnvorstellungen von Jugendlichen
7.2. Umfrage-Ergebnisse zu den Erwartungen von Jugendlichen
7.2.1. Ansprüche an den Beruf
7.2.2. Zukunftskonzepte/Lebenslauferwartungen
7.2.3. Wertorientierungen
8. Gegenüberstellungen Umfrage-Ergebnisse – Thesen zum Wandel der Arbeit
8.1. Werden die in Teil I aufgestellten Thesen in der Praxis berücksichtigt?
8.2. In welchen Bereichen gibt es Korrektur- und Handlungsbedarf?
8.3. Fazit
Die Arbeit untersucht den Wandel des Arbeitsmarktes und seine Auswirkungen auf die Lebensplanung heutiger Jugendlicher. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Jugendliche die veränderten Bedingungen des Arbeitsmarktes bewerten, welche mentalen Anpassungen notwendig sind und wie diese in den Prozess der Identitätsfindung und Berufswahl integriert werden können.
1.1. Antike: Arbeit als Gegenwelt zur Gesellschaft
In der griechischen Polis und im antiken Rom definierte sich Freiheit vornehmlich durch das Freisein von Arbeit. Arbeit gehörte nach Aristoteles zum Bereich des Notwendigen. Darin unterschied sich Arbeit vom praktischen Handeln, das über bloße Nützlichkeit hinausging. „Gesellschaft (...) wurde als Gegenwelt zur Arbeit definiert und durch die Kunst des öffentlichen Austausches, der Muße und des politischen Handelns ausgefüllt.“4 Daher wurde von jedem, der nicht körperlich arbeiten musste, ein qualitativer Beitrag für das Gemeinleben in politischen Ämtern gefordert.
Der Arbeitsbegriff umfasste in der Antike nur die körperliche Arbeit; geistige Tätigkeit wurde als gesellschaftliches Privileg angesehen. Schwere körperliche Arbeiten wurden nur von Sklaven verrichtet, handwerkliche Arbeit vom Mittelstand; dagegen war der begüterten Schicht, den Philosophen und Staatsmännern die Muße als Privileg der Reichen vorbehalten. Sie definierte den Stand derer, die nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten mussten, sondern sich befreit von der Last des täglichen Broterwerbs anderen Dingen wie der Kontemplation, der Diskussion und Spielen widmen konnten. Muße bezeichnete das „tätige Nichtstun“, also eine spezifische Form der schöpferischen Verwendung von freier Zeit. Sie galt als Möglichkeit und zugleich Bedingung der Selbstfindung und der Selbstverwirklichung.
Mit dem Arbeitsbegriff der Antike war also keine Wertschätzung verbunden, dem Arbeitenden war sogar im Gegenteil ein höherer gesellschaftlicher Rang verwehrt. „Schloss damals Arbeit die Menschen von der Gesellschaft aus, so ist Arbeit heute zum fast alternativlosen Wert und Integrationskern moderner Gesellschaften geworden.“5
1. Der Arbeitsbegriff im historischen Wandel: Analysiert die Entwicklung von der Antike bis zum Industriezeitalter, um den Arbeitsbegriff als sozio-kulturell geprägte Kategorie zu verdeutlichen.
2. Aspekte von „Arbeit“ in der Gegenwart: Beleuchtet die moderne Bedeutung von Erwerbsarbeit hinsichtlich Identitätsstiftung, Statuszuweisung und der Dichotomie von Arbeit und Freizeit.
3. Neue Anforderungen an die Arbeitswelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Beschreibt technologische und strukturelle Veränderungen sowie die resultierenden neuen Qualifikationsanforderungen an Individuen und Organisationen.
4. Zukunftsprognosen: Diskutiert alternative Arbeitszeitmodelle und die Notwendigkeit, den Arbeitsbegriff in Richtung einer pluralen Tätigkeitsgesellschaft zu erweitern.
6. Berufswahl in der Praxis: Untersucht die Rolle von Elternhaus, Schule und Berufsberatung im Prozess der Sozialisation für den Beruf.
7. Die Vorstellungen der Jugendlichen selbst: Fasst Umfrageergebnisse zu Werten, Sinnvorstellungen und Zukunftsplanungen junger Menschen zusammen.
8. Gegenüberstellungen Umfrage-Ergebnisse – Thesen zum Wandel der Arbeit: Reflektiert den Handlungsbedarf für Bildungseinrichtungen, um Jugendliche auf die veränderte Arbeitswelt vorzubereiten.
Arbeitssoziologie, Wandel der Arbeit, Jugend, Berufswahl, Identitätsfindung, Tätigkeitsgesellschaft, Erwerbsarbeit, Sozialisation, Arbeitsmarkt, Selbstbestimmung, Lebensentwurf, Bildungsanspruch, Wertorientierung, Postmoderne, Berufsberatung.
Die Arbeit analysiert den Wandel der Arbeitswelt und untersucht, welche Konsequenzen dieser Wandel für die Lebensplanung und Berufswahl heutiger Jugendlicher hat.
Die zentralen Themen sind der historische Wandel des Arbeitsbegriffs, die psychologische Bedeutung von Arbeit für die Identitätsbildung sowie die strukturellen Anforderungen an Bildung und Schule im 21. Jahrhundert.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche auf die veränderte Arbeitsmarktlage reagieren und wie sie bei der Entwicklung notwendiger Kompetenzen für eine neue, pluralistische Tätigkeitsgesellschaft unterstützt werden können.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur sowie auf die Auswertung umfangreicher empirischer Umfragedaten zu den Werten und Zukunftshoffnungen junger Menschen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundannahmen zum Wandel der Arbeit und einen empirischen Teil, der das Berufswahlverhalten von Jugendlichen und die Diskrepanz zwischen ihren Vorstellungen und der realen Arbeitsmarktsituation untersucht.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Identitätsstiftung durch Arbeit, Bastelbiografie, Berufswahlkompetenz und die Unterscheidung zwischen Wunsch- und Realkonzepten.
Die Autorin kritisiert, dass Schulen häufig isoliert von der gesellschaftlichen Realität agieren und eher formale Qualifikationen vermitteln, statt die notwendige allgemeine Berufskompetenz und Selbstbestimmungsfähigkeit zu fördern.
Es wird gefordert, dass Bildungseinrichtungen junge Menschen dazu befähigen, Arbeit als einen Teilbereich einer pluralen Lebenswelt zu verstehen, statt sich einseitig auf eine zunehmend unsichere Erwerbskarriere zu fixieren.
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