Magisterarbeit, 2006
106 Seiten, Note: 1,6
Einleitung
1. Deutsche Außenpolitik und der Nahostkonflikt
1.1 Konflikt und Intifada
1.1.1 Der Nahostkonflikt
1.1.2 Sondertypen
1.2 Deutsche Nahostpolitik
1.2.1 Die „eindeutige Israel-Option“
1.2.2 „Politik der Ausgewogenheit“
2. Rollentheorie, Außenpolitik und Inhaltsanalyse
2.1 Grundlagen der Rollentheorie
2.2 Rollentheorie in der außenpolitischen Analyse
2.2.1 Ursprung
2.2.2 Rollentheorie und Außenpolitik
2.2.3 Rollenkonzeptionen
2.3 Qualitative Inhaltsanalyse
2.3.1 Grundlagen
2.3.2 Ablaufmodell
2.3.3 Kategorien
3. Deutschlands außenpolitische Eliten und die Erste Intifada (1987-1993)
3.1 Kontinuität trotz Systemumbruch
3.2 Das Wesen des Konfliktmanagements
3.2.1 Definition
3.2.2 Vermittlungsformen
3.3 Bundesrepublikanische und gesamtdeutsche Nahostpolitik zwischen der Passiv-Aktiv-Position und Aktiv-Aktiv-Position
3.3.1 Bulletin der Bundesregierung (1987-1993)
3.3.2 Plenarprotokolle des Bundestages (1987-1993)
3.3.2.1 Bundesrepublikanische Rhetorik während des Ost-West-Konflikts
3.3.2.2 Gesamtdeutsche Rhetorik nach dem Ost-West-Konflikt
3.4 Analyse: Wohlwollende Vernachlässigung?
4. Deutschlands außenpolitische Eliten und die Zweite Intifada
4.1 Deutsche Nahostpolitik zwischen der Passiv-Aktiv-Position und Aktiv-Aktiv Position
4.1.1 Bulletin der Bundesregierung (2000-2005)
4.1.2 Plenarprotokolle des Bundestags (2000-2005)
4.1.2.1 Vor dem 11. September 2001
4.1.2.2 Die Nachwehen des 11. Septembers
4.1.2.3 Von der „Roadmap“ zu den palästinensischen Präsidentenwahlen
4.2 Analyse: Primus inter pares?
5. Bewertung: „Alte“ vs. „neue“ deutsche Nahostpolitik?
Schlussbetrachtung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Rolle und das Selbstbild der deutschen außenpolitischen Eliten im Hinblick auf den Nahostkonflikt während der Ersten und Zweiten Intifada zu untersuchen. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie sich diese Eliten gegenüber dem Konflikt positionieren, in welcher Rolle sie sich bei der Schlichtung bzw. dem Konfliktmanagement sehen und ob über diesen Zeitraum hinweg von einer Kontinuität oder einem Wandel deutscher Nahostpolitik gesprochen werden kann.
1.1.1 Der Nahostkonflikt
Der Nahostkonflikt ist mit reichlich belletristischer und auch wissenschaftlicher Literatur bedacht worden und nicht selten diente dies eher der Untermauerung der subjektiven politischen Meinung des Autors, denn einer objektiven Analyse. Es ist der vorliegenden Arbeit daher überaus dienlich, auf Konflikte im Allgemeinen und ihre Typologisierungen einzugehen, um eine möglichst ausgewogene Sicht auf den Nahostkonflikt und die Intifada im Speziellen zu erhalten. Nicht selten sind bei dem Versuch den Begriff „Konflikt“ zu definieren, selbst Konflikte entbrannt.
Sein lateinischer Ursprung „confligere“ kann mit den Begriffen „zusammenschlagen, aneinander geraten, erbittert kämpfen“ übersetzt werden. Gemeinsam ist allen Konflikten im weitesten Sinne, „dass ihnen Widersprüche oder spannungserzeugende Beziehungen zwischen den Elementen sozialer (und personeller) Systeme zugrunde liegen“ (STRASSER 1998). Der soziale Konflikt hingegen ist „ein sozialer Tatbestand, bei dem mindestens zwei Parteien (Einzelpersonen, Gruppen, Staaten) beteiligt sind, die unterschiedliche, vom Ausgangspunkt her unvereinbare Ziele verfolgen oder das gleiche Ziel anstreben, das aber nur eine Partei erreichen kann und/oder unterschiedliche, vom Ausgangspunkt her unvereinbare Mittel zur Erreichung eines bestimmten Zieles anwenden wollen“ (WASMUHT 1994). Aufbauend darauf lässt sich der Konfliktbegriff an vier verschiedenen Analyseebenen ausrichten: Das Individuum mit a) intrapersonalen Konflikten; die Gesellschaft mit b) interpersonellen Konflikten und c) innergesellschaftlichen Konflikten, und das internationale System mit d) internationalen Konflikten (BONACKER/IMBUSCH 2005). Wenn gleich auch innergesellschaftliche Konflikte in der israelischen und palästinensischen Gesellschaft das Bild des Nahostkonflikts bestimmen, soll der Fokus im weiteren Verlauf auf d) der internationalen Ebene liegen. Eine weitere wichtige Differenzierung des Konfliktbegriffs besteht in der Unterscheidung von bestimmten Typen von Konflikten. Von großer Bedeutung ist hier die Unterscheidung von Coser zwischen echten und unechten Konflikten. Bei echten Konflikten ist der Konflikt das Mittel zur Erreichung eines bestimmten Ziels, wobei bei unechten Konflikten der Konflikt als Selbstzweck gilt (vgl. COSER 1965). Seine Definition dazu lautet:
1. Deutsche Außenpolitik und der Nahostkonflikt: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen des Nahostkonflikts sowie in die historische Entwicklung der deutschen Nahostpolitik ein, wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen verschiedenen diplomatischen Optionen beleuchtet wird.
2. Rollentheorie, Außenpolitik und Inhaltsanalyse: Hier werden die theoretischen Rahmenbedingungen der Rollentheorie für die außenpolitische Analyse dargelegt und die qualitative Inhaltsanalyse als methodisches Instrument zur Untersuchung der Primärdaten definiert.
3. Deutschlands außenpolitische Eliten und die Erste Intifada (1987-1993): Das Kapitel analysiert die Rhetorik und das kommunizierte Selbstbild der Eliten während der Ersten Intifada und stellt dabei fest, dass trotz Systemumbruchs eine starke Kontinuität in der außenpolitischen Haltung bestand.
4. Deutschlands außenpolitische Eliten und die Zweite Intifada: Die Untersuchung wird auf den Zeitraum der Zweiten Intifada ausgeweitet, wobei die veränderten internationalen Rahmenbedingungen und die zunehmende Bedeutung der Roadmap für die politische Positionierung analysiert werden.
5. Bewertung: „Alte“ vs. „neue“ deutsche Nahostpolitik?: Das abschließende Kapitel bewertet die Ergebnisse beider Analysezeiträume und diskutiert, inwieweit von einem tatsächlichen Wandel oder lediglich von einer kontinuierlichen Entwicklung in der deutschen Außenpolitik gesprochen werden kann.
Nahostkonflikt, Deutsche Außenpolitik, Rollentheorie, Erste Intifada, Zweite Intifada, Konfliktmanagement, Qualitative Inhaltsanalyse, Passiv-Aktiv-Position, Aktiv-Aktiv-Position, Nahost-Quartett, Roadmap, Israel, Palästina, Außenpolitische Eliten, Politische Kommunikation
Die Arbeit untersucht das außenpolitische Rollenverständnis und die Kommunikationsstrategien deutscher Eliten im Kontext des Nahostkonflikts während der Ersten und Zweiten Intifada.
Im Zentrum stehen die Konzepte des Konfliktmanagements, das Selbstverständnis der Bundesregierung und des Bundestages sowie das Spannungsverhältnis zwischen moralischen Verpflichtungen gegenüber Israel und politischen Interessen in der Region.
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich deutsche außenpolitische Eliten gegenüber dem Nahostkonflikt positionieren, welche spezifischen Rollen sie für sich definieren und ob sich diese Selbstbilder zwischen den beiden Intifada-Zeiträumen signifikant verändert haben.
Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse auf Basis von Primärquellen wie dem „Bulletin der Bundesregierung“ und den „Plenarprotokollen des Deutschen Bundestages“ angewandt, um Rollenkonzeptionen induktiv herauszuarbeiten.
Der Hauptteil analysiert detailliert die außenpolitischen Reden und Verlautbarungen der Jahre 1987-1993 sowie 2000-2005 und ordnet diese den Kategorien der Passiv-Aktiv-Position (PAP) oder Aktiv-Aktiv-Position (AAP) zu.
Die zentralen Begriffe umfassen Nahostpolitik, Konfliktmanagement, Rollentheorie, diplomatische Kommunikation und das außenpolitische Selbstbild Deutschlands.
Die Arbeit zeigt, dass die Anschläge den Regelungsbedarf erhöhten und Deutschland stärker dazu zwangen, sich im Rahmen des Nahost-Quartetts zu positionieren, wobei die Grundzüge der eher abwartenden diplomatischen Haltung dennoch erhalten blieben.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass trotz eines gestiegenen Debattenvolumens und einer Konvergenz der Positionen nach der Roadmap kein grundlegender Bruch in der Selbstdarstellung der deutschen Außenpolitik stattgefunden hat; die Kontinuität der „alten“ Politik überwiegt.
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