Examensarbeit, 2000
88 Seiten, Note: sehr gut
0. Einleitung
1. Kinder unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit
1.1 Mehrsprachigkeit - Begriffsklärung
1.2 Modelle zum Erst- und Zweitspracherwerb
1.2.1 Spracherwerbsansätze
1.2.2 Der Kognitive Spracherwerbsansatz und die Entwicklung des Wortschatzes
1.2.3 Formen von Mehrsprachigkeit
1.2.4 Interdependenzhypothese
1.2.5 Psychosoziale Faktoren gelungener Mehrsprachigkeit
1.3 Relevanz der Beachtung von Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität
1.3.1 Exkurs: Kulturimperialismus, Kultureller Relativismus und Kultureller Interpopulismus
1.4 Statistische Informationen
1.5 Fazit Mehrsprachigkeit
2. Offener Unterricht
2.1 Begriffsklärung
2.2 Bausteine der Methode
2.2.1 Gesprächskreise
2.2.2 Wochenplanarbeit
2.2.3 Freie Arbeit
2.3 Ziele der Methode
2.3.1 Entdeckendes Lernen und die Erziehung zur Eigenverantwortung
2.3.2 Beachtung der kindlichen Persönlichkeit und Einbeziehung der Lern- und Lebenswelten
2.4 Die Aufgaben der Lehrkraft
2.4.1 Planen von Lernsituationen und Zulassen von eigenen Lösungswegen
2.4.2 Analysierende Begleitung - Zur Frage der Diagnostik
2.5 Der Klassenraum
2.6 Fazit Offener Unterricht
3. Schulpolitische Rahmenbedingungen
3.1 Richtlinien der Grundschulen
3.2 Vorgaben des Lehrplans
3.3 Die Beschulung von Kindern unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit
3.4 Fazit schulpolitische Rahmenbedingungen
4. Offener Unterricht in Klassen mit Kindern unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit
4.1 Der Gesprächskreis mit mehrsprachigen SchülerInnen
4.2 Die Wochenplanarbeit mit mehrsprachigen SchülerInnen
4.3 Die Freie Arbeit mit mehrsprachigen SchülerInnen
4.4 Vorüberlegungen der Lehrkraft - persönliche Grundeinstellung und Möglichkeiten
5. Offener Unterricht mit Kindern unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit anhand der fiktiven Grundschulklasse X
5.1 Vorstellung der Klasse
5.1.1 Klassenstruktur
5.1.2 Vorstellung der mehrsprachigen Kinder
5.2 Das Thema "Familie" im offenen Sachunterricht
5.2.1 Einführung des Projektthemas "Familie"
5.2.2 Das Thema "Familie" im offenen Sachunterricht der Klasse X
5.3 Relevanz der Muttersprache für den Unterricht
5.3.1 Mögliche muttersprachliche Lernhilfen
5.3.2 Einsatz muttersprachlicher Lernhilfen im Offenen Unterricht der Klasse X
5.4 Förderung der Bedeutungsentwicklung im Offenen Unterricht
5.5 Sprachliche Handlungsfähigkeit
5.6 Kulturelle Aspekte im Unterricht - Nutzung der Mehrkulturalität
5.6.1 Wir feiern das Opferfest (Kurban Bayrami)
6. Fazit, Beantwortung der Fragestellung und Ausblick der vorgelegten Arbeit
Die Arbeit untersucht, inwieweit offener Unterricht als Methode geeignet ist, um Kinder unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit optimal zu fördern, ihre individuellen Kompetenzen zu nutzen und eine gleichberechtigte Teilhabe im schulischen Kontext zu gewährleisten, ohne sie auf ein defizitäres Bild zu reduzieren.
1.2.1 Spracherwerbsansätze
Der behavioristische Spracherwerbsansatz, auch Empirismus, vertreten durch z.B. Skinner und Thorndike, geht von der Grundannahme aus, dass für den Spracherwerb keine angeborenen Fähigkeiten des Menschen notwendig sind, sondern Sprache, wie jedes andere Verhalten auch, erlernt ist. Das lernende Kind imitiert dabei das Sprachverhalten seiner erwachsenen Bezugsperson, dieses Verhalten wird positiv, durch Belohnung, verstärkt oder unterbunden, und gibt dem Kind so die Möglichkeit, seine eigenen Laute immer mehr an das Lautsystem der Umwelt anzugleichen (vgl. Oksaar 1977, 142). Der Behaviorismus war in der Spracherwerbsforschung etwa bis Mitte der 60er Jahre dominant, wurde dann durch den Nativismus ersetzt und spielt heute keine Rolle mehr.
Der wohl bekannteste Vertreter des Nativismus' ist Noam Chomsky. Chomsky geht davon aus, dass der Mensch ein angeborenes, rein sprachliches Wissen besitzt, aus dem sich die Sprache entwickelt. Dieses sprachliche Wissen und die Entwicklung der Sprache sind ausschließlich sprachlich und somit unabhängig von der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten des Menschen. Chomskys Theorie der 60er und 70er Jahre zufolge geht ein Kind, welches seine Muttersprache erlernt, ähnlich vor wie ein Linguist, der eine unbekannte Sprache untersucht. Hierbei bezieht er sich ausschließlich auf den Erwerb der Grammatik einer Sprache. Angeboren sind dem Kind dabei ein Hypothesenbildungsverfahren, sprachliche Universalien und ein Hypothesenprüfverfahren, welches Chomsky "Language Acquisition Device" (LAD) nennt. Anhand dieser prüft das Kind den "Corpus", d.h. das Angebot der Muttersprache in seiner Umgebung nach Regelhaftigkeiten, bildet Hypothesen, prüft diese und bildet ggf. neue.
0. Einleitung: Die Autorin begründet ihre Motivation für die Arbeit aus ihrer persönlichen Betroffenheit als angehende Sonderschullehrerin und stellt die These auf, dass offener Unterricht besonders zur Förderung mehrsprachiger Kinder geeignet ist.
1. Kinder unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen der Mehrsprachigkeit, Erst- und Zweitspracherwerb sowie die Bedeutung von Kultur für die kindliche Entwicklung ein.
2. Offener Unterricht: Hier werden Definitionen, Bausteine wie Gesprächskreis und Freie Arbeit sowie die spezifischen Aufgaben der Lehrkraft innerhalb dieser methodischen Ausrichtung erläutert.
3. Schulpolitische Rahmenbedingungen: Eine Analyse, ob die gesetzlichen Richtlinien und Lehrpläne den Spielraum für offenen Unterricht lassen und wie diese mit der Förderung mehrsprachiger Kinder vereinbar sind.
4. Offener Unterricht in Klassen mit Kindern unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit: Die Autorin verbindet hier die zuvor erarbeiteten Kategorien und untersucht die praktische Anwendbarkeit der offenen Methode auf die Zielgruppe.
5. Offener Unterricht mit Kindern unter der Bedingung von Mehrsprachigkeit anhand der fiktiven Grundschulklasse X: Illustriert die theoretischen Überlegungen an einem konkreten Beispiel, inklusive der Einführung eines Projektthemas und des Umgangs mit Mehrkulturalität.
6. Fazit, Beantwortung der Fragestellung und Ausblick der vorgelegten Arbeit: Die Autorin resümiert ihre Ergebnisse, bestätigt die Eignung des offenen Unterrichts und regt weitere Forschung in der Praxis an.
Offener Unterricht, Mehrsprachigkeit, Sprachförderung, Zweitspracherwerb, Interkulturelle Pädagogik, Grundschule, Muttersprache, Identitätsbildung, Lernumwelt, Differenzierung, Sprachbehinderung, Lernziele, Selbstständigkeit, Projektunterricht, Kulturelle Vielfalt.
Die Arbeit untersucht die Eignung des Offenen Unterrichts als Lehrmethode für die gezielte Förderung von mehrsprachigen Kindern in Grundschulklassen.
Die Arbeit verknüpft die Bereiche Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität mit den didaktischen Konzepten des Offenen Unterrichts, um Bildungschancen für Kinder mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen zu verbessern.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Offener Unterricht eine bessere Beschulung mehrsprachiger Kinder ermöglicht, indem er deren Bedürfnisse und Kompetenzen stärker in den Vordergrund rückt.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die durch eine Literaturanalyse sowie die Illustration an einer fiktiven Beispielklasse fundiert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Mehrsprachigkeit, die Analyse offener Unterrichtsformen, die schulpolitische Einordnung und die praktische Übertragung auf eine fiktive Grundschulklasse.
Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem Offener Unterricht, Mehrsprachigkeit, Sprachförderung, Interkulturelle Pädagogik und Identitätsbildung.
Die Autorin argumentiert, dass die Anerkennung der Muttersprache entscheidend für das Selbstkonzept des Kindes ist und eine wichtige Basis für den erfolgreichen Erwerb der Zweitsprache sowie die kognitive Gesamtentwicklung bildet.
Die Lehrkraft sollte laut der Arbeit eine offene, wertschätzende Haltung einnehmen, kulturelle Unterschiede als Bereicherung begreifen und Lernumgebungen schaffen, in denen sich alle Kinder mit ihren Identitäten wiederfinden können.
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