Diplomarbeit, 2005
104 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1 Behinderung
2.1.1 WHO-Definition
2.1.2 Sozialrechtliche Definition
2.2 Geistige Behinderung
2.3 Psychische Gesundheit
2.4 Psychische Auffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung
2.4.1 Prävalenz
2.4.2 Ätiologie
2.4.3 Vulnerabilitäts-Stress-Modell
3. Diagnostik
3.1 Psychiatrische Untersuchung
3.2 Besonderheiten der psychiatrischen Diagnostik bei Menschen mit geistiger Behinderung
3.2.1 Verstehende Diagnostik
4. Spezielle Auffälligkeiten
4.1 Schizophrenie bzw. Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis
4.1.1 Definition
4.1.2 Symptome und Diagnostik
4.1.3 Schizophrenie und geistige Behinderung
4.2 Affektive Psychosen
4.2.1 Definition
4.2.2 Ätiologie
4.2.3 Diagnose
4.2.4 Affektive Psychosen und geistige Behinderung
4.3 Demenz
4.3.1 Definition
4.3.2 Symptome und Diagnostik
4.3.3 Demenz und geistige Behinderung
5. Psychopharmaka
5.1 Grundlagen
5.2 Einteilung der Psychopharmaka
5.2.1 Neuroleptika
5.2.2 Tranquilizer
5.2.3 Antidepressiva
5.3 Umgang mit Psychopharmaka
5.4 Psychopharmaka bei Menschen mit geistiger Behinderung
5.4.1 Grundlagen
5.4.2 Besonderheiten
5.4.3 Multidimensionaler Ansatz
5.4.4 Rechtliche Aspekte
6. Fallbeispiel
7. Sozialpädagogische Konzepte
7.1 Einleitung
7.1.1 Strukturorientierter und sozialökologischer Ansatz
7.1.2 Prozess- und kommunikationsorientierter systemischer Ansatz
7.1.3 Konstruktivistischer systemischer Ansatz
7.2 Sozialpädagogische Interventionen
7.3 Lebensweltorientierung
7.3.1 Theoretische Grundlagen
7.3.2 Lebensweltorientierte Behindertenarbeit
7.3.3 Biographiearbeit mit geistig behinderten Menschen
7.4 Empowerment
7.4.1 Dialogisches Prinzip
8. Schlussbetrachtung
Die Diplomarbeit untersucht die komplexe Thematik psychischer Auffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung. Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen und Erscheinungsformen dieser Auffälligkeiten zu entwickeln, um adäquate sozialpädagogische Handlungsweisen abzuleiten, statt Verhaltensweisen vorschnell als pathologisch oder rein störend zu etikettieren.
3.4 Psychische Auffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung
Psychische Störungen treten als Symptome im Bereich der Emotionen, des Denkens und Wahrnehmens, des Verhaltens sowie des körperlichen Erlebens und Empfindens mit folgenden Charakteristika auf:
Symptome und Beschwerden, die einen oder mehrere psychische Funktionsbereiche vorübergehend oder längerfristig einschränken, z.B. das Denken, das Fühlen, das Wollen, die Motivation, die Wahrnehmung, die Sprache, die Motorik.
Entwicklung und Selbstverwirklichung stagnieren, die Betroffenen verharren in Abhängigkeit und Unselbständigkeit („erlernte Bedürfnislosigkeit“, THEUNISSEN)
Ängstliche Vermeidung (Rückzug) von Menschen und Umwelt.
Kein konstruktiver Umgang mit negativen und leidvollen Erfahrungen.
Keine besonders starken Widerstandskräfte (Coping-Ressourcen) gegenüber Belastungen und Stress besitzen.
Erhöhte konstitutionelle Vulnerabilität und fehlende bzw. mangelnde bereichsspezifische Kompetenzen sowie fehlende extrinsische und intrinsische Belohnungen für aktives Handeln (vgl. MÜHL et al. 1996, S. 31).
Auffällige Verhaltensweisen bei Menschen mit geistiger Behinderung erscheinen oftmals unerklärlich. Als Ausdruck einer tiefer liegenden psychischen Störungen sind sie psychiatrisch zu behandeln; pädagogisch sind sie zu beeinflussen, wenn sie als schwerwiegende, aber „einfache“ Verhaltensprobleme verstanden werden (vgl. PETRY/BRADL 1999, S. 15).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die komplexe Problematik der psychischen Auffälligkeiten bei Menschen mit geistiger Behinderung ein und stellt die Relevanz einer interdisziplinären Herangehensweise dar.
2. Begriffsbestimmung: Hier werden zentrale Begriffe wie Behinderung, geistige Behinderung und psychische Gesundheit definiert und das Vulnerabilitäts-Stress-Modell erläutert.
3. Diagnostik: Dieses Kapitel behandelt die psychiatrische Untersuchung und die spezifischen Herausforderungen bei der Diagnosestellung bei Menschen mit geistiger Behinderung.
4. Spezielle Auffälligkeiten: Es werden wichtige psychiatrische Störungsbilder, insbesondere Schizophrenie, affektive Psychosen und Demenz, unter Berücksichtigung ihrer Besonderheiten bei geistiger Behinderung skizziert.
5. Psychopharmaka: Das Kapitel bietet einen Überblick über Grundlagen, Wirkungsweisen und Risiken von Psychopharmaka sowie deren speziellen Einsatz bei Menschen mit geistiger Behinderung.
6. Fallbeispiel: Anhand einer kasuistischen Darstellung wird der Umgang mit Psychopharmaka bei einer Bewohnerin über einen langen Zeitraum hinweg dokumentiert und reflektiert.
7. Sozialpädagogische Konzepte: Hier werden systemtheoretische Ansätze, Lebensweltorientierung und Empowerment als tragfähige Konzepte für die Arbeit mit diesem Personenkreis vorgestellt.
8. Schlussbetrachtung: Dieses abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer reflektierten, bedarfsgerechten und interdisziplinären Unterstützung.
Geistige Behinderung, Psychische Auffälligkeiten, Psychopharmaka, Diagnostik, Lebensweltorientierung, Empowerment, Verhaltensstörungen, Psychiatrie, Sonderpädagogik, Sozialpädagogische Konzepte, Vulnerabilitäts-Stress-Modell, Fallbeispiel, Doppeldiagnose, Psychiatrische Untersuchung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik von Menschen mit geistiger Behinderung, die zusätzlich psychische Auffälligkeiten zeigen, und wie sozialpädagogische und psychiatrische Ansätze hier hilfreich ineinandergreifen können.
Die zentralen Felder sind die begriffliche Einordnung von Auffälligkeiten, die psychiatrische Diagnostik, der Einsatz von Psychopharmaka in diesem Kontext sowie die Anwendung sozialpädagogischer Konzepte.
Das Ziel ist es, für die komplexe Situation von Menschen mit Doppeldiagnosen (geistige Behinderung und psychische Störung) eine reflektierte pädagogische Haltung zu entwickeln, die über rein medikamentöse Ansätze hinausgeht.
Neben der theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse nutzt die Arbeit eine kasuistische Fallstudie, um den Einsatz von Medikamenten über Jahre hinweg zu dokumentieren und kritisch zu hinterfragen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung von Störungsbildern, die medikamentöse Behandlung unter Berücksichtigung von Risiken sowie die praktische Reflexion durch ein Fallbeispiel und die Darstellung sozialpädagogischer Interventionskonzepte.
Besonders prägend sind die Begriffe Lebensweltorientierung, Empowerment, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Verhaltensauffälligkeiten und eine kritische Auseinandersetzung mit der Medikalisierung von Verhalten.
Es dient als Erklärungsmodell, um die Ätiologie psychischer Auffälligkeiten nicht nur biologisch, sondern im Wechselspiel zwischen Individuum, Umweltfaktoren und Stressbelastungen zu verstehen.
Sie illustriert die Bedeutung einer kontrollierten, schrittweisen Vorgehensweise und zeigt, wie durch die Dämpfung verringert werden konnte, die Persönlichkeit und Fähigkeiten der Bewohnerin wieder deutlicher hervortraten.
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