Examensarbeit, 2005
103 Seiten, Note: 2,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
0. Die Arbeit fängt noch gar nicht an oder: Einleitende Worte
1. Ich setze mich gern zwischen Stühle Kästner als Schriftsteller für Kinder und Erwachsene
2. Keiner blickt dir hinter das Gesicht Kästner im Wandel der Zeit: Rezeptions – und Forschungsgeschichte
3. Die Zeit fährt Auto, doch kein Mensch kann lenken Zeitgeschichtlicher Kontext und seine Folgen
3.1. Die gescheiterte Weimarer Republik
3.2. Weltwirtschaftskrise 1929 und die Auswirkungen auf Deutschland
3.3. ‚Neue Sachlichkeit’
4. Weil man doch bloß über Dinge schreiben kann, die man kennt und gesehen hat Die Romane und ihre Gattung
4.1. Emil – Das Kinderbuch
4.2. Was ist neu an Kästners Kinderbuch?
4.3. Fabian – Roman der Moderne
4.4. Sonderform Satire bei Fabian
5. In Berlin geht es anders zu Emil und Fabian in Berlin
5.1. Orientierung und Desorientierung
5.2. Reduktion und Expansion
5.3. Tempo der Großstadt
5.4. Lichter der Großstadt
5.5. Resümee
6. Parole Emil! Die Protagonisten im sozialen Gefüge
6.1. Solidarisierung und Einzelkämpfertum
6.2. Kommunikation und Isolation
6.3. Mädchen und Frau
6.4. Resümee
7. Und dabei schlief er ein Von der Kraft der Symbolik und Metaphorik
7.1. Traumgeschehen
7.2. Metaphorik
7.2.1. Glas
7.2.2. Abgrund
8. So ein richtiger Kerl, aus dem später mal was werden wird Gestaltung der Figuren: Fabian ist Emil
8.1. Herkunft
8.1.1. Familienkonstellation
8.1.2. Mutterrolle
8.2. Verhaltensmuster und Wertevorstellungen
8.2.1. Emil, der Musterknabe
8.2.2. Fabian, der Melancholiker
8.3. Moral und Ideal
9. Lernt schwimmen!
10. Nur die Kinder sind für Ideale reif
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenswelten und Lebensentwürfe der Protagonisten aus Erich Kästners Romanen "Emil und die Detektive" und "Fabian - die Geschichte eines Moralisten", um die Frage zu klären, inwieweit die beiden Figuren miteinander korrespondieren und ob "Fabian" als der erwachsene "Emil" betrachtet werden kann.
5.1. Orientierung und Desorientierung
Die einsträngige und chronologisch linear erzählte Handlungsführung in Emil und die Detektive präsentiert die Aufklärung eines Kriminalfalls : Der Dieb soll mit Hilfe der sich mit Emil solidarisierenden Kinder gefasst werden und somit Emils Ordnung der Welt wieder hergestellt werden. In der großen fremden Stadt ist Emil zunächst auf sich alleine gestellt und sieht sie aus den Augen eines Touristen, der sich verlaufen hat. Dem Leser wird ein Ausschnitt der Stadt Berlin aus Emils Wahrnehmungsperspektive während seiner Straßenbahnfahrt beschrieben:
Diese Autos! Sie drängten sich hastig an der Straßenbahn vorbei; hupten, quiekten, streckten rote Zeiger links und rechts heraus, bogen um die Ecke; andere Autos schoben sich nach. So ein Krach! Und die vielen Menschen auf den Fußsteigen! Und von allen Seiten Straßenbahnen, Fuhrwerke, zweistöckige Autobusse! Zeitungsverkäufer an allen Ecken. Wunderbare Schaufenster mit Blumen, Früchten, Büchern, goldenen Uhren, Kleidern und seidener Wäsche. Und hohe, hohe Häuser. Das also war Berlin. Emil hätte sich gerne alles in größter Ruhe betrachtet. Aber er hatte keine Zeit dazu.
0. Die Arbeit fängt noch gar nicht an oder: Einleitende Worte: Einführung in Kästners Selbstverständnis als schriftstellernder Pädagoge und Vermittler zwischen einfachen Leuten und Intellektuellen.
1. Ich setze mich gern zwischen Stühle Kästner als Schriftsteller für Kinder und Erwachsene: Übersicht über die verschiedenen Schaffensperioden Kästners und seine Vielseitigkeit in verschiedenen literarischen Genres.
2. Keiner blickt dir hinter das Gesicht Kästner im Wandel der Zeit: Rezeptions – und Forschungsgeschichte: Analyse der wechselhaften Rezeption des Kästnerschen Werks von den 30er Jahren bis zur neueren Forschung.
3. Die Zeit fährt Auto, doch kein Mensch kann lenken Zeitgeschichtlicher Kontext und seine Folgen: Darstellung der Krisenjahre der Weimarer Republik, der Weltwirtschaftskrise und der ästhetischen Bewegung der ‚Neuen Sachlichkeit’.
4. Weil man doch bloß über Dinge schreiben kann, die man kennt und gesehen hat Die Romane und ihre Gattung: Einordnung von "Emil und die Detektive" als realistisches Kinderbuch und "Fabian" als Roman der Moderne.
5. In Berlin geht es anders zu Emil und Fabian in Berlin: Kontrastierung der Großstadterfahrung: Emils zielgerichtete Bewegung durch Berlin versus Fabians zielloses Treiben und Entfremdung.
6. Parole Emil! Die Protagonisten im sozialen Gefüge: Vergleich der Solidarität in der Detektivgruppe mit der Isolation des Einzelgängers Fabian sowie die Rolle der Frauenfiguren.
7. Und dabei schlief er ein Von der Kraft der Symbolik und Metaphorik: Untersuchung von Träumen, der Glasmetaphorik und der Bedeutung des Abgrunds als Indikatoren für den psychischen Zustand der Protagonisten.
8. So ein richtiger Kerl, aus dem später mal was werden wird Gestaltung der Figuren: Fabian ist Emil: Analyse der Herkunft, Familienkonstellationen, Erziehung und moralischen Wertevorstellungen beider Hauptfiguren.
9. Lernt schwimmen!: Deutung des Scheiterns Fabians und der bewältigenden Entwicklung Emils im Kontext von Erziehung und Anpassung.
10. Nur die Kinder sind für Ideale reif: Fazit über die Unvereinbarkeit kindlicher Ideale mit der korrupten Welt der Erwachsenen und die daraus resultierende Deformierung.
Erich Kästner, Emil und die Detektive, Fabian, Weimarer Republik, Neue Sachlichkeit, Großstadt, Kindheit, Erwachsenwerden, Moral, Pädagogik, soziale Isolation, Solidarität, Symbolik, Metaphorik, Zeitroman.
Die Arbeit vergleicht Erich Kästners berühmtes Kinderbuch "Emil und die Detektive" mit dem Roman "Fabian" und untersucht, wie sich die Lebenswelten und Wertvorstellungen der beiden Protagonisten in der Großstadt Berlin der späten Weimarer Republik unterscheiden.
Im Zentrum stehen die gesellschaftlichen Krisen der 1920er Jahre, die literarische Darstellung der Großstadt als Erfahrungsraum, die unterschiedlichen moralischen Entwicklungswege vom Kind zum Erwachsenen sowie die soziologische Einordnung von Kästners Figuren.
Das Hauptziel ist es zu klären, ob "Fabian" als eine Art "erwachsener Emil" verstanden werden kann und warum beide Figuren, trotz ähnlicher kleinbürgerlicher Herkunft, so grundlegend verschiedene Schicksale in der modernen Welt erleiden.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den zeitgeschichtlichen Kontext (Sozialgeschichte) mit textimmanenter Interpretation verknüpft und zusätzlich soziologische Theorien, etwa von David Riesman oder Karl Mannheim, zur Interpretation der Figuren heranzieht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Großstadtwahrnehmung, die Untersuchung der sozialen Gefüge, den Vergleich der Familienhintergründe und Mutterrollen sowie die Bedeutung von Symbolik wie Glas und Abgrund.
Wichtige Begriffe sind "Neue Sachlichkeit", "soziale Integration versus Isolation", "Moralist", "Kleinbürgertum" und die "Deformierung" des Menschen im Prozess des Erwachsenwerdens.
Es bedeutet, dass Kästner der Kindheit eine moralische Integrität zuschreibt, die durch den Reifungsprozess und die gesellschaftlichen Bedingungen des Erwachsenseins in der modernen Welt notwendigerweise verloren geht, was zum Scheitern der Figur Fabian führt.
Während Berlin für Emil ein abenteuerlicher Raum ist, in dem er durch Solidarität Ordnung wiederherstellen kann, erlebt Fabian die Stadt als einen "Moloch", der ihn durch Reizüberflutung und moralischen Verfall handlungsunfähig macht.
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