Magisterarbeit, 2000
108 Seiten, Note: 1,0
0. Einleitung: TNG als Gegenstand medienwissenschaftlicher Forschung
1. Methodik und Begriffsklärung
1.1. Eingrenzen des Korpus
1.2. Methodik
1.3. Konservativismus
2. Ideologische Grundlagen konservativer Kulturkritik in TNG
2.0. Vorbemerkung
2.1. Grenzen der dargestellten Welt - Enge in der Unendlichkeit
2.2. TNG als futuristische Utopie - Basispostulate des 'offiziellen' Diskurses
2.2.0 Vorbemerkung
2.2.2. Die Entgrenzung des Wachstums - Technologischer Diskurs
2.2.3. Zurück aus der Zukunft - Humanistisch-liberalistischer Diskurs
2.3. Vormoderne als Grundlage futuristischer Utopie?
2.3.1. Kritik am offiziellen Diskurs von TNG
2.3.2. Einschätzung des offiziellen Diskurses von TNG
Erster Exkurs: "Lesen sie Shakespeare, Mr. Data!" - Bildung und Kultur, Historiographie und Biographie in der Föderation
Zweiter Exkurs: "Ich bestimme, was vernünftig ist!" - Individualität, Selbstbestimmung, Demokratie und Freiheit in TNG
3. Das Fremde im Innern - Abweichungen von der biologischen Norm und ihre Korrelation zu der Stellung des Individuums im Machtgefüge von TNG
3.1. Geordi LaForge – Paradigma der ethnischen Emanzipation?
3.2. Worf – Speziezismus und Liminalität
3.3. Gender in TNG
3.3.1 Der Preis der Emanzipation
3.3.2. Deanna Troi und Beverly Crusher - weibliche Archetypen?
4. Das Fremde im Außenraum - Begegnungen an der Grenze
Dritter Exkurs: Die Grenze als Raum der Bewährung
4.1. Paradise Lost: Der Zwang zum Fortschritt
4.2. "Im Begreifen, wie ähnlich einem Gott!" - telos und Evolution im Kontakt mit dem Fremden
4.3. Genetische Disposition und kulturelle Abwärtskompatibilität
4.4 Geschlechterrollen und Homosexualität im Kontakt mit dem Fremden
4.4.1. Sexuelle Orientierung in TNG
4.4.2. Amazonen und 'Die perfekte Braut'
4.5. Differenz, différance und eine ideologische Bedrohung - Die Borg
4.5.0. Vorbemerkung: différance als ideologische Technik
4.5.1. Aufbau der Differenz
4.5.2. Gemeinsamkeiten radikaler Differenz: Die Produktion von différance
4.5.3. Die Borg als postmoderne Bedrohung
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die These, dass die Fernsehserie „Star Trek: The Next Generation“ (TNG) im Gegensatz zu ihrem Ruf als liberale und subversive Utopie in Wahrheit ein Paradigma konservativer Kulturkritik darstellt. Die Forschungsfrage hinterfragt dabei, inwiefern die Serie trotz ihrer futuristischen Fassung auf einem reaktionären, machtorientierten Diskurs basiert, der gesellschaftliche Machtstrukturen zementiert und andere Kulturen als primitiv ausgrenzt.
3.1. Geordi LaForge – Paradigma der ethnischen Emanzipation?
In TNG ist das Ziel einer 'farbenblinden' Gesellschaft (vgl. Bernardi, 1998, 114) verwirklicht worden. In den 178 Folgen von TNG wird nicht ein einziges Mal eine rassistische Bemerkung über Geordi gemacht, nicht einmal eine solche die sich auf seine Hautfarbe bezieht. Dies ist umso bemerkenswerter, als auch aliens, denen die Menschen noch fremd sind, die offensichtlich unterschiedliche Hautfärbung nicht ansprechen.
Am nahesten kommt TNG der Thematisierung von Rassismus innerhalb der Föderation noch in der Folge WEM GEHÖRT DATA?, als Picard erkennt, daß es zu einer futuristischen Form der Sklaverei führen würde, wenn man Data keine Menschenrechte zugesteht. Aber selbst hier wird keine direkte Verbindung mit der ehemals rassistisch legitimierten Sklaverei in den Südstaaten der USA hergestellt, es wird lediglich darauf verwiesen, daß es Sklaverei in der Geschichte der Menschheit gegeben habe. – TNG gibt sich im Großen und Ganzen überaus viel Mühe, den Rezipienten vergessen zu lassen, daß es so etwas wie eine Rassenfrage gibt.
Dem entspricht, daß Geordis Verhalten im Gegensatz zu Datas unmarked ist. Jedweder Rassismus ihm gegenüber würde sich schon deshalb ad absurdum führen, weil der einzige erkennbare Unterschied zwischen ihm und den weißen Mannschaftsmitgliedern seine Hautfarbe ist. Nichts weist darauf hin, daß er eine andere geschichtliche Vergangenheit als z.B. Picard und Riker hat. TNG enthält dem Rezipienten sogar die Information vor, woher Geordi ursprünglich stammt. Während wir erfahren, daß Picard Franzose ist und in Frankreich studiert hat, Riker in Alaska aufwuchs, Troi von Betazet stammt, Beverly Crusher aus Schottland und Worf bei russischen Adoptiveltern aufwuchs, bleibt Geordis Herkunft im Dunkeln. Es gibt keinen Hinweis darauf, ob er aus Afrika stammt, Afroamerikaner oder im karibischen Raum aufgewachsen ist. – Damit erweist sich Geordi als der Charakter in TNG, der in Bezug auf kulturelle Marker am ehesten einem imaginären kulturellen Durchschnitt der Föderation entspricht.
0. Einleitung: TNG als Gegenstand medienwissenschaftlicher Forschung: Die Einleitung beleuchtet die vernachlässigte medienwissenschaftliche Analyse von Populärkultur und stellt die These auf, dass TNG entgegen seines Rufes konservative, hegemoniale Strukturen stützt.
1. Methodik und Begriffsklärung: Dieses Kapitel erläutert den strukturalistischen Ansatz der Analyse und definiert „Konservativismus“ als Strategie zur hegemonialen Absicherung.
2. Ideologische Grundlagen konservativer Kulturkritik in TNG: Hier wird der offizielle utopische Diskurs der Serie kritisch hinterfragt und als ein auf 19.-jahrhundertlichen philosophischen Setzungen basierendes Weltbild entlarvt.
3. Das Fremde im Innern - Abweichungen von der biologischen Norm und ihre Korrelation zu der Stellung des Individuums im Machtgefüge von TNG: Diese Untersuchung zeigt, wie Abweichungen von der weißen, männlichen Norm zur Marginalisierung von Charakteren führen.
4. Das Fremde im Außenraum - Begegnungen an der Grenze: Das Kapitel analysiert, wie Kontakte zu fremden Spezies zur Bekräftigung der eigenen Überlegenheit und zur Produktion von „Différance“ genutzt werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass TNG ein neokolonialistischer Text ist, der imperiale Ideologien unter dem Deckmantel von Freiheit und Fortschritt naturalisiert.
Star Trek, TNG, konservative Kulturkritik, Hegemonie, Ideologiekritik, Föderation, Frontier-Mythos, Rassismus, Geschlechterrollen, Emanzipation, Machtstrukturen, Postmoderne, Populärkultur, Differenz, Assimilation.
Die Arbeit untersucht TNG aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive und hinterfragt den Ruf der Serie als „liberale Utopie“, indem sie ihre zugrunde liegenden konservativen und reaktionären Ideologien analysiert.
Die Schwerpunkte liegen auf der Darstellung von Machtverhältnissen, dem Umgang mit dem „Anderen“ (ethnisch oder geschlechtlich), dem technologischen Fortschrittsglauben und der Rolle von Bildung und Kultur in der Föderation.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie TNG trotz eines emanzipatorischen Selbstbildes konservative und teils neokolonialistische Denkmuster seiner Entstehungszeit reproduziert und stabilisiert.
Der Autor verwendet eine strukturale Textanalyse in Verbindung mit ideologiekritischen Ansätzen, stark angelehnt an die politische Philosophie von Antonio Gramsci und Konzepte der Postmoderne.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des „Fremden im Innern“ (Diversität an Bord der Enterprise) und des „Fremden im Außenraum“ (Fremdkontakte und die Funktion der Grenze als „Frontier“).
Wichtige Begriffe sind „Hegemonie“, „Différance“, „Frontier-Mythos“, „Perfektibilität“ und der „konservative Diskurs“.
Der Autor argumentiert, dass die Serie ihre Welt ausschließlich aus der Perspektive einer privilegierten, technokratischen Elite zeigt, in der Individualität und Karriere einer militaristisch geprägten Hierarchie untergeordnet sind.
Die Borg werden als radikale „postmoderne Bedrohung“ analysiert, die den Ideologie-Rahmen der Föderation sprengt, da ihre Kultur auf einem völlig anderen, nicht-individuellen Wertesystem basiert.
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