Diplomarbeit, 2006
79 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
2 Die Nahrungsmittelhilfe der Europäischen Union
2.1 Definitionen
2.2 Entstehung und heutige Rechtsgrundlage
2.3 Mittelherkunft und -verwendung
2.3.1 Direkte Nahrungsmittelhilfe
2.3.2 Indirekte Vergabe
2.4 Zwischenfazit
3 Forderungen an eine kohärente EU-Politik
3.1 Definitionen
3.2 Rechtliche Verankerung des Kohärenzgebotes und Gründe für den Kohärenzanspruch
3.3 Gründe für Inkohärenz
3.4 Bisherige Reformbemühungen und Zwischenfazit
4 Analyse der Nahrungsmittelhilfe der EU
4.1 Wirksamkeitsanalyse
4.1.1 Die Wirkungen der Nahrungsmittelhilfe im Empfängerland
4.1.1.1 Der Disincentive-Effekt des Preismechanismus
4.1.1.2 Der Output-Effekt der Nahrungsmittelhilfe
4.1.1.3 Zwischenfazit
4.1.2 Vergleich der Bereitstellungskosten nach Ursprungsmarkt
4.1.3 Zwischenfazit
4.2 Analyse auf Kohärenz
4.2.1 Gemeinsame Fischereipolitik
4.2.2 Gemeinsame Agrarpolitik
4.2.3 Gemeinsame Handelspolitik
4.3 Reformvorschläge
5 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, ob die Nahrungsmittelhilfe (NMH) der Europäischen Union ein wirksames Instrument zur Beseitigung von Unterernährung und Hunger darstellt und inwieweit die europäische Entwicklungspolitik mit anderen Politikbereichen der EU kohärent ist, um Reformansätze für eine effizientere und wirkungsvollere Hilfe zu identifizieren.
4.1.1.1 Der Disincentive-Effekt des Preismechanismus
Der "Disincentive", der von einer NMH ausgeht, ist nicht gleichzusetzen mit einem Rückgang in der Produktion von Nahrungsmitteln oder einem Rückgang der Agrarproduktion, sondern bedeutet zunächst einmal nichts anderes als eine "Veränderung der Rahmendaten für die Nahrungsmittelproduktion", aus der ein Rückgang der Nahrungsmittelproduktion folgen kann. Zunächst kann diese Veränderung nur in den Fällen erfolgen, in denen es sich bei der NMH um additionale NMH handelt: Additional bedeutet, dass die NMH nicht einfach nur einen Ersatz für kommerzielle Importe darstellt. In einem solchen Fall würde es sich um substitutive NMH handeln und es gäbe keine Auswirkungen auf die Angebotsmenge im Inlandsmarkt und somit keine Auswirkungen auf den Inlandspreis.
Die EU-Kommission vergibt NMH ausschließlich als Projekt- beziehungsweise als Nothilfe. Anders als bei der Programmhilfe, die nicht zweckgebunden an die Regierung des Empfängerlandes vergeben wird und daher kommerzielle Importe ersetzen kann, ist zweckgebundene NMH, zum Beispiel in Form der FFW-Projekte, immer additional. Daher ist die NMH der EU in der Lage, einen "Disincentive" und damit möglicherweise einen Rückgang der Nahrungsmittelproduktion im Empfängerland auszulösen. Marktreaktionen sind neben der substitutiven NMH auch dann ausgeschlossen, wenn die NMH ausschließlich an solche Empfänger verteilt wird, die bisher aufgrund ihrer Mittelausstattung nicht als Marktteilnehmer aufgetreten sind und es infolgedessen durch NMH zu keinen Preisveränderungen kommen kann.
1 Einleitung: Vorstellung der Millennium-Entwicklungsziele und der zentralen Forschungsfrage nach der Wirksamkeit und Kohärenz der EU-Nahrungsmittelhilfe.
2 Die Nahrungsmittelhilfe der Europäischen Union: Definition, historische Entwicklung sowie Darstellung der heutigen Ausgestaltung und Kanäle der EU-Nahrungsmittelhilfe.
3 Forderungen an eine kohärente EU-Politik: Definition des Kohärenzbegriffs im Entwicklungskontext, dessen rechtliche Verankerung sowie Analyse der Ursachen für auftretende Inkohärenzen.
4 Analyse der Nahrungsmittelhilfe der EU: Detaillierte Wirksamkeitsanalyse, Effizienzvergleich der Bereitstellungskosten sowie Prüfung der Kohärenz mit Fischerei-, Agrar- und Handelspolitik.
5 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse mit Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Wirksamkeit der EU-Politik.
Nahrungsmittelhilfe, Europäische Union, Politikkohärenz, Entwicklungspolitik, Millennium-Entwicklungsziele, Ernährungssicherheit, Gemeinsame Agrarpolitik, Gemeinsame Fischereipolitik, Handelspolitik, Disincentive-Effekt, Effizienzanalyse, Nahrungsmittelproduktion, Welternährungsprogramm, Entwicklungszusammenarbeit, Armutsbekämpfung
Die Arbeit untersucht die Nahrungsmittelhilfe der Europäischen Union als Instrument der Entwicklungspolitik und analysiert, ob diese wirksam zur Bekämpfung von Hunger beiträgt und mit anderen EU-Politikbereichen kohärent ist.
Die Schwerpunkte liegen auf der Wirksamkeit der Nahrungsmittelhilfe, der Effizienz der Beschaffungsmärkte sowie der Kohärenzprüfung im Kontext der Agrar-, Fischerei- und Handelspolitik der EU.
Das Ziel ist es, die Strategie der EU-Nahrungsmittelhilfe kritisch zu hinterfragen, Inkohärenzen in der EU-Politik aufzudecken und fundierte Reformvorschläge zur Verbesserung der globalen Ernährungssicherheit zu formulieren.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus qualitativer Analyse der politischen Rahmenbedingungen, theoretischen Modellen zu Markteffekten und einer quantitativen Untersuchung der Bereitstellungseffizienz mittels OECD-Daten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Wirksamkeitsanalyse der Hilfsmaßnahmen im Empfängerland sowie eine umfassende Untersuchung der Politikkohärenz hinsichtlich der negativen Auswirkungen durch Agrar-, Fischerei- und Handelsabkommen.
Wesentliche Begriffe sind Nahrungsmittelhilfe, Politikkohärenz, Millennium-Entwicklungsziele, Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) und Ernährungssicherheit.
Sie wird als inkohärent betrachtet, da die EU durch zu hohe Fangquoten und Fischereiabkommen in Drittländern die Lebensgrundlagen lokaler Fischer gefährdet, anstatt die entwicklungspolitischen Ziele der Ernährungssicherung zu unterstützen.
Diese Ländergruppen sind besonders anfällig für negative Effekte durch eine vollständige Liberalisierung der Agrarmärkte, weshalb für sie spezifische Hilfestellungen und Ausgleichsstrategien im Rahmen der EU-Politik notwendig sind.
Die Studie empfiehlt eine Abkehr von der Lieferbindung, eine verstärkte Beschaffung auf lokalen oder regionalen Märkten sowie die Bevorzugung des Welternährungsprogramms (WFP) gegenüber NGOs als effizienteren Vergabekanal.
Es verpflichtet die EU dazu, sämtliche außen- und innenpolitischen Maßnahmen so zu gestalten, dass sie die Ziele der Entwicklungspolitik fördern und nicht konterkarieren – ein Anspruch, der in der Praxis häufig an nationalen Interessen scheitert.
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