Diplomarbeit, 2005
93 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Das Ehrenamt in seinen Anfängen
1.1 Die christliche Liebestätigkeit
1.2 Die öffentliche Armenfürsorge
1.3 Frauen und Ehrenamt im 19. Jahrhundert
2 Die Entwicklung vom Ehrenamt zum Beruf der Sozialen Arbeit
2.1 Von der Liebestätigkeit zum Professionsanspruch
2.2 Qualifizierung und Professionalisierung der Fürsorge
2.3 Ehrenamt und Soziale Arbeit im Wandel der Zeit
3 Aktuelle Situation des „neuen“ Ehrenamtes
3.1 Begriffsbestimmung und seine Vielfalt
3.2 Statistische Daten zum Ehrenamt
3.2.1 Umfang, Art und Geschlechterverhältnis ehrenamtlicher Tätigkeit
3.2.2 Motivation, Lebensphasen und Honorierung Ehrenamtlicher
3.3 Ehrenamt als sozialstaatlicher Hoffnungsträger
3.3.1 Förderung der Ehrenamtskultur
4 Professionelle Soziale Arbeit
4.1 Profession und Professionalisierung
4.2 Gegenstand und Selbstverständnis
4.2.1 Gesellschaftlicher Auftrag
4.2.2 AdressatInnen, AkteurInnen, Träger und Institutionen
4.2.3 Methoden, Prinzipien und Handlungsformen
5 Gesellschaftlicher Blickwinkel auf die Soziale Arbeit
5.1 Soziale Arbeit als weibliches Professionalisierungsprojekt
5.1.1 Das Erbe von weiblicher Persönlichkeit und Kompetenz
5.1.2 Soziale Arbeit als „Jedermannstätigkeit“
5.2 Allzuständigkeit und ExpertInnenmacht professioneller Sozialer Arbeit
6 Gegenüberstellung von professioneller und ehrenamtlicher Sozialer Arbeit
6.1 Kompetenzen Ehrenamtlicher und Professioneller
6.1.1 Das „Helfersyndrom“
6.2 Soziale Tätigkeitsformen Ehrenamtlicher
6.3 Soziale Ehrenämter als Ersatz oder Ergänzung zur professionellen Sozialen Arbeit
7 Entwicklungsmöglichkeiten und Ausblick
7.1 Profilstärkung von professioneller Sozialer Arbeit
7.1.1 Berufliche Identität und Verantwortung
7.1.2 Standardisierung und Moral
7.1.3 Mythen des Könnens
7.2 Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation
7.2.1 Motivationen aufnehmen und Erwartungen umsetzen
7.2.2 Kompetenzanforderungen an Professionelle
7.2.3 Organisatorische- und institutionelle Rahmenbedingungen
7.3 Politische Rahmenbedingungen
7.4 Anregungen zur ehrenamtlichen Bereitschaft
8 Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen professioneller Sozialer Arbeit und ehrenamtlichem Engagement. Das zentrale Ziel ist es, zu klären, ob Ehrenamtlichkeit eine sinnvolle Ergänzung darstellt oder als Ersatz für professionelle soziale Leistungen fungiert, wobei insbesondere die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kooperation analysiert werden.
6.1.1 Das „Helfersyndrom“
Die Ausgangslage für den Beruf der Sozialen Arbeit ist das Helfen. Damit wurde anfänglich die Soziale Arbeit keinesfalls mit der Erwerbsarbeit oder einer Dienstleistung verglichen, sondern zu einer besonderen Berufung. Diese wiederum war die Begründung für ehrenamtliche Fürsorgearbeit. Jedoch sieht man die Soziale Arbeit heute nicht mehr als reine Hilfe an, sonst würden Hilfebedürftige noch hilfloser gemacht werden. Das spezielle an der professionellen Sozialen Arbeit ist, dass sie die ungünstigen Lebensbedingungen verändert, Hilfe gibt um die Problemlagen zu bearbeiten, und dass sie gleichzeitig diese Problemlagen selbst definiert. Viele Ehrenamtliche unterliegen dem „Helfersyndrom“. Der/Die Helfende braucht die Kontaktaufnahme mit einem bedürftigen Schützling und das Gefühl, dass ihn/sie Andere brauchen wird zu einem Suchtmittel, auf das er/sie nicht mehr verzichten kann.
Die Erwartung nach Wertschätzung und Dank von Bezugspersonen für die ehrenamtliche Tätigkeit stellt ebenfalls eine Gefahr dar. Somit kann es passieren, dass Helfende die Hilflosigkeit und Bedürftigkeit der AdressatInnen unbewusst zur Kompensierung der eigenen Problemlagen nutzen, um ihr graues Leben farbiger werden zu lassen. Auf diese Weise würde sich Soziale Arbeit nur am Defizit der/des AdressatInnen orientieren und ihn/sie abhängig von fremder Hilfe machen, statt vorwiegend ressourcenorientiert zu arbeiten (vgl. Erler 1994, S. 33 f.).
Natürlich betreffen diese kritischen Aspekte auch Professionelle. Jedoch besteht ein wesentlicher Unterschied darin, dass die Dienstleistung sehr klar definiert ist und dass das professionelle Handeln anhand von methodischen und fachlichen Kompetenzen auch reflektiert wird und nicht die ganze Person einnimmt. Einen direkten Leistungsauftrag haben Ehrenamtliche nicht und damit können auch soziale Probleme eher weniger geplant „behandelt“ werden, ohne dass es zu einer weiteren Konsequenz für Ehrenamtliche kommt.
1 Das Ehrenamt in seinen Anfängen: Historischer Abriss über die Ursprünge des Ehrenamts in der christlichen Tradition und der öffentlichen Armenfürsorge bis hin zum 19. Jahrhundert.
2 Die Entwicklung vom Ehrenamt zum Beruf der Sozialen Arbeit: Darstellung des Transformationsprozesses von der ehrenamtlichen Liebestätigkeit hin zu einer fachlich qualifizierten, beruflichen Sozialen Arbeit.
3 Aktuelle Situation des „neuen“ Ehrenamtes: Analyse des gegenwärtigen Strukturwandels des Ehrenamtes, der Begriffsbestimmungen sowie der Motivationen und statistischen Gegebenheiten.
4 Professionelle Soziale Arbeit: Erörterung der professionellen Grundlagen, des gesellschaftlichen Auftrags sowie der Methoden und des Selbstverständnisses der Sozialen Arbeit.
5 Gesellschaftlicher Blickwinkel auf die Soziale Arbeit: Kritische Auseinandersetzung mit der historischen Verknüpfung von Geschlecht, Professionalität und dem Image der Sozialen Arbeit als „Jedermannstätigkeit“.
6 Gegenüberstellung von professioneller und ehrenamtlicher Sozialer Arbeit: Vergleich der Kompetenzprofile und Analyse der Konkurrenz- sowie Ergänzungspotenziale beider Akteursgruppen.
7 Entwicklungsmöglichkeiten und Ausblick: Diskussion von Strategien zur Profilstärkung und Voraussetzungen für eine erfolgreiche, kooperative Zusammenarbeit.
8 Schlussbemerkung: Resümee über die Notwendigkeit partnerschaftlicher Zusammenarbeit und Forderungen an eine zukunftsorientierte, ethisch fundierte Soziale Arbeit.
Ehrenamt, Soziale Arbeit, Professionalisierung, Kooperation, Helfersyndrom, Sozialstaat, Empowerment, Freiwilligenengagement, Bürgergesellschaft, Gemeinwesenarbeit, Fachlichkeit, Kompetenzanforderungen, Soziale Dienste, Subsidiarität, Berufsethik.
Die Arbeit untersucht die Beziehung zwischen ehrenamtlichem Engagement und professioneller Sozialer Arbeit, um zu klären, inwieweit das Ehrenamt eine Ressource oder eine Konkurrenz für professionelle Dienste darstellt.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung, die Begriffsbestimmung des modernen Ehrenamtes, die Professionalisierungsgeschichte der Sozialen Arbeit, die Rollen von Geschlechterspezifika sowie Voraussetzungen für eine gelingende Zusammenarbeit.
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Ehrenamtlichkeit für die professionelle Soziale Arbeit einen Ersatz darstellt oder eine positive Ergänzung beinhalten kann.
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Diskursanalyse, um sozialwissenschaftliche Publikationen, historische Befunde und empirische Studien zum Ehrenamt kritisch zu betrachten und in Bezug zur professionellen Sozialen Arbeit zu setzen.
Im Hauptteil werden neben der geschichtlichen Herleitung das „neue“ Ehrenamt analysiert, das Berufsbild der Sozialen Arbeit (inklusive Doppelmandat und methodischer Grundlagen) untersucht und beide Bereiche intensiv gegenübergestellt.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ehrenamt, Soziale Arbeit, Professionalisierung, Kooperation, Helfersyndrom, Empowerment und Bürgergesellschaft charakterisieren.
Die Autorin sieht darin eine Gefahr, da Helfende die Bedürftigkeit anderer unbewusst zur Kompensierung eigener Probleme nutzen könnten, was einer ressourcenorientierten und professionellen Arbeitsweise entgegensteht.
Die Autorin konstatiert, dass die Politik das Ehrenamt zunehmend als „Allzweckwaffe“ und kostengünstigen Ersatz zur Entlastung öffentlicher Haushalte betrachtet, warnt jedoch eindringlich vor einer Instrumentalisierung auf Kosten professioneller Standards.
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