Magisterarbeit, 2006
113 Seiten, Note: 2,0
1. EINLEITUNG
1.1. Fragestellung
1.2. Vorgehensweise
2. DIE REALITÄT DER MASSENMEDIEN
2.1. Vorbemerkung
2.2. System und Umwelt
2.3. Das System der Massenmedien
2.4. Die Nachricht im System der Massenmedien
2.4.1. Die Struktur von Nachrichten
2.4.2. The unmarked space
2.4.3. Die Narrationstheorie in den Nachrichten
2.5. Realität im System der Massenmedien
3. UNTERSUCHUNGEN ZUR FRAGESTELLUNG
3.1. Vorbemerkung
3.2. Betrachteter Zeitraum
3.3. Art der Betrachtung
3.4. Gliederungskonzept
4. DER III. IRAK-KRIEG BEI ARD tagesschau & RTL Aktuell
4.1. Vorbemerkung
4.2. ARD tagesschau
4.2.1. Die Präsentation des Irak-Kriegs bei ARD tagesschau
4.3. Bilder des ‚echten’ Krieges?
4.4. Töne des Krieges
4.5. Worte des Krieges
4.5.1. Bilder & Worte
4.6. RTL Aktuell
4.6.1. Die Präsentation des Irak-Kriegs bei RTL Aktuell
4.7. Bilder des ‚echten’ Krieges?
4.8. Töne des Krieges
4.9. Worte des Krieges
4.9.1. Bilder & Worte
5. GEGENÜBERSTELLUNG VON ARD tagesschau & RTL Aktuell
5.1. Vorbemerkung
5.2. Übereinstimmungen
5.2.1. Angriff auf Journalistenhotel
5.2.2. Gefangene US-Soldaten
5.2.3. Der Fall Bagdads
5.3. Unterschiede
5.3.1. Die UNO
5.3.2 ‚Saving Private Lynch’
5.3.3. Der Fall Ali Abbas
6. ZUSAMMENFASSUNG
6.1. Vorbemerkung
6.2. Resultate
6.3. Konstruktion von Realität bei ARD tagesschau & RTL Aktuell?
6.4. Perspektiven
6.5. Fazit
Die Arbeit untersucht, auf welche Weise das Fernsehen den III. Irak-Krieg konstruiert und ob es möglich ist, anhand der Nachrichtensendungen ARD tagesschau und RTL Aktuell zu belegen, dass Medien eine eigene Realität erzeugen, anstatt das Kriegsgeschehen objektiv abzubilden.
1. EINLEITUNG
Chris Cramer sieht die Berichterstattung des III. Irak-Krieges als Demonstration der neuen Möglichkeiten des Fernsehens reale Geschehnisse in „Echtzeit“ wiederzugeben um so dem Zuschauer den Eindruck zu vermitteln, er könne das Kriegsgeschehen im Irak nicht nur live beobachten, sondern auch die wirkliche Welt und folglich den echten Krieg „miterleben“. Zugleich reflektiert sein Statement das grundlegende Paradoxon von Fernsehen und Realität. Denn das, „[w]as wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien”. Wie soll es also möglich sein, dass das Fernsehen, das ansich eine Realität konstruiert, nun eine wirkliche Welt in die Welt transportiert ohne sie zu konstruieren?
Das Paradoxon des Fernsehens besteht darin, dass reale Geschehnisse reflektiert werden, diese aber durch die Selektion von Informationen und Bildern eine bestimmte Perspektive auf die Welt erzeugen. Als die Amerikaner am 09. April 2003 Bagdad eroberten und als Beweis für die Einnahme der Stadt die Fernsehnachrichten den Fall der Saddam Statue übermittelten, wurde eine Gruppe euphorisch schreiender Iraker auf dem Paradise Platz im Zentrum Bagdads gezeigt, die den Fall der Saddam Statue als Befreiung bejubelten. Bilder des Kampfes um Bagdad wurden allerdings nicht übermittelt, da der Eindruck vermittelt werden sollte, dass die Iraker auf ihre Befreiung durch die USA widerstandslos gewartet hätten. Während die Nachrichten kolportierten, dass tausende Iraker die US-Soldaten erfreut willkommen hießen und bei dem Sturz der Saddam Statue amerikanische Hilfe in Anspruch nahmen, waren de facto nur einige hundert Menschen auf dem Platz zu sehen, von denen nicht klar war, ob sie Saddam-Anhänger waren oder nicht.
1. EINLEITUNG: Einführung in das Paradoxon von Fernsehen und Realität sowie Vorstellung der zentralen Fragestellung und Vorgehensweise.
2. DIE REALITÄT DER MASSENMEDIEN: Theoretische Grundlegung anhand von Niklas Luhmanns Systemtheorie und der Narrationstheorie von Knut Hickethier zur Konstruktion von Realität durch Nachrichten.
3. UNTERSUCHUNGEN ZUR FRAGESTELLUNG: Definition des Untersuchungsrahmens, des betrachteten Zeitraums und des Gliederungskonzepts für den empirischen Teil der Arbeit.
4. DER III. IRAK-KRIEG BEI ARD tagesschau & RTL Aktuell: Detaillierte Analyse der jeweiligen Sendeformate, ihrer Narrationstechniken und der inhaltlichen Präsentation des Krieges in Bild, Ton und Sprache.
5. GEGENÜBERSTELLUNG VON ARD tagesschau & RTL Aktuell: Komparative Untersuchung ausgewählter Fallbeispiele zur Aufdeckung von Übereinstimmungen und Unterschieden in der Realitätskonstruktion.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenführende Betrachtung der Analyseergebnisse und Reflexion über die mediale Konstruktion des III. Irak-Krieges.
Irak-Krieg, Fernsehnachrichten, ARD tagesschau, RTL Aktuell, Konstruktion von Realität, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Narrationstheorie, Kriegsberichterstattung, Medienanalyse, Informationsvergabe, Bildsprache, Echtzeit, Reality-TV.
Die Arbeit analysiert, ob und wie das Massenmedium Fernsehen eine eigene Realität des III. Irak-Krieges konstruiert und inwieweit diese Konstruktion von der objektiven Realität abweicht.
Die zentralen Felder sind die systemtheoretische Nachrichtenanalyse, die Narrationstheorie in der Fernsehberichterstattung sowie der empirische Vergleich von zwei deutschen Hauptnachrichtensendungen während eines Krieges.
Die Forschungsfrage lautet, wie eine Unterscheidung zwischen „wirklicher Welt“ und „Reality-TV“ möglich ist, wenn das Fernsehen einerseits die Welt präsentiert, aber andererseits durch die Selektion von Informationen eine eigene Realität konstruiert.
Es wird eine inhaltsanalytische Gegenüberstellung der Nachrichtensendungen ARD tagesschau und RTL Aktuell auf Basis der Systemtheorie nach Luhmann und der Narrationstheorie nach Hickethier durchgeführt.
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Präsentationsweisen von ARD tagesschau und RTL Aktuell anhand von Fallbeispielen, wie z.B. dem Angriff auf das Journalistenhotel, der Gefangennahme von US-Soldaten und dem Fall der Saddam-Statue.
Kriegsberichterstattung, Systemtheorie, Medienrealität, Nachrichtenstruktur und Realitätskonstruktion.
Die Arbeit zeigt, dass Korrespondenten durch die Personalisierung der Berichterstattung (oft als embedded journalists) zur Dramaturgie und zum Effekt des „Dabei-Seins“ beitragen, obwohl sie den Krieg oft nur aus sicherer Distanz dokumentieren.
Während die ARD tagesschau tendenziell an ihrem festen Konzept festhält und eher distanziert berichtet, nutzt RTL Aktuell dynamischere Sendeformate (z.B. den „War Room“) und verstärkt die Personalisierung durch Einzelschicksale, um eine höhere Betroffenheit beim Zuschauer zu erzeugen.
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