Diplomarbeit, 2005
104 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung: die Risikogesellschaft
2. These
3. Methode
4. Risiko
4.1 Leitdifferenz von Risiko
4.2 Riskanter Konflikt: Entscheider vs. Betroffener
4.3 Risiko: ein paradoxes Instrument
4.4 Sicherheit: die sichere Illusion
4.5 Entscheidungsdruck und Sicherheit
4.6 Selbstreferenz des Risikos
5. Ansätze in der Risikoforschung: R= W x S ?
5.1 Formal-normativer Ansatz
5.2 Psychologisch-kognitiver Ansatz
5.3 Kulturell-soziologischer Ansatz
5.4 Risiko als soziales Konstrukt
6. Risikojournalismus als System
6.1 Grundlagen der Systemtheorie
6.1.1 Exkurs: Beck vs. Luhmann
6.1.2 Autopoietische Systeme
6.1.3 Umwelt und Sinngrenzen
6.1.4 Kommunikation
6.1.5 Strukturelle Kopplung
6.1.6 Interdependenzen, Irritationen, Interpenetrationen
6.2 Funktionen von Journalismus und Risikojournalismus
6.2.1 Binärer Code
6.2.2 Primärfunktion und Leistungen
6.2.3 Kritik an den Funktionen
6.3 Struktur von (Risiko)-Journalismus
6.3.1 Organisationen
6.3.2 Programme
6.3.3 Rollen
6.4 Zwischenresümee
7. Risiko und Moral
8. Risiko und Angst
9. Risiko und Politik
10. Risiko und Protestbewegungen
11. Neue soziale Bewegungen
12. Risiko und Wissenschaft
13. Risiko und Wirtschaft
13.1 Risikotransformator Bank
13.2 Informationen sind Geld
13.3 Riskante Abhängigkeit: Journalismus und Wirtschaft
13.4 Marktchancen von Risikojournalismus
14. Individualisierung in der Risikogesellschaft
14.1 Folgen von Individualisierung
14.2 Inklusion
14.3 Chancen von Individualisierung
15. Individualisierung, Lebensplanung, Arbeit
15.1 Riskante Freiheiten
15.2 Risikojournalismus: neue Aufgaben
16. Familie in der Risikogesellschaft
16.1 Funktionen und Leistungen
16.2 Riskante Rollen: Kampf der Geschlechter
17. Zwischenresümee
18. Gewalt in der Risikogesellschaft
18.1 Formen von Gewalt
18.1.1 Reflexive Gewalt
18.1.2 Expressive Gewalt
18.1.3 Instrumentelle und regressive Gewalt
18.2 Risikojournalismus und Gewalt
19. Zersplitterte Gesellschaft? Risiko und Virtualisierung
20. Fazit
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem System Journalismus und der modernen Risikogesellschaft. Das primäre Ziel ist es, ein systemtheoretisches Modell des "Risikojournalismus" zu entwickeln, das sich als notwendiges Subsystem ausdifferenziert, um die spezifischen Anforderungen der Risikokommunikation in einer komplexen Welt zu erfüllen.
13.1 Leitdifferenz von Risiko
Risiko wird fälschlicherweise oft mit Gefahr gleichgesetzt. Dabei ist gerade die Unterscheidung von Risiko und Gefahr eine maßgebliche Leitdifferenz in der Risikoforschung. Diese Unterscheidung ist beobachterabhängig. Je nach Perspektive wird ein Vorgang oder eine Entscheidung zu einem Risiko oder einer Gefahr.
„Entweder wird der etwaige Schaden als Folge der Entscheidung gesehen, also auf die Entscheidung zugerechnet. Dann sprechen wir von Risiko, und zwar vom Risiko der Entscheidung. Oder der etwaige Schaden wird als extern veranlasst gesehen, also auf die Umwelt zugerechnet. Dann sprechen wir von Gefahr“ (Luhmann 1991: 30 ff.). Aus dieser Leitdifferenz ergibt sich ein hohes soziales Konfliktpotenzial, da je nach Perspektive eine Entscheidung gleichzeitig als Risiko und als Gefahr wahrgenommen wird. Das bedeutet, dass Risiko nicht mehr nur eine Eigenschaft der Technik ist, sondern sich an alle gesellschaftlichen Bereiche und deren Handlungspotenziale koppelt. Nicht mehr das Risiko einer technisch-bedingten Katastrophe, eines vorauszusetzenden Umweltereignisses, die stetige Ablösung alter durch neuer Risiken in der technischen Entwicklung stellen das Gefahrenpotenzial einer Zivilisation dar, sondern Risiken werden „dem Handeln des Menschen zugeschrieben und müssen verantwortet werden“ (Bechmann 1993: 20).
1. Einleitung: die Risikogesellschaft: Beschreibt den Wandel der modernen Gesellschaft hin zu einer Risikogesellschaft, in der Entscheidungen zunehmend komplexer und deren Folgen unkalkulierbarer werden.
4. Risiko: Analysiert die theoretische Leitdifferenz zwischen Risiko und Gefahr sowie die soziologische Bedeutung des Risikobegriffs als soziales Konstrukt.
6. Risikojournalismus als System: Entwirft den Risikojournalismus als ein autopoietisches Subsystem, das sich zur Bewältigung spezieller Risikokommunikationsanforderungen vom klassischen Journalismus abgrenzt.
13. Risiko und Wirtschaft: Beleuchtet die Interdependenzen zwischen dem Wirtschaftssystem und dem Journalismus, insbesondere die Problematik ökonomischer Abhängigkeiten und die Rolle der Banken.
14. Individualisierung in der Risikogesellschaft: Erläutert die Folgen des Individualisierungsschubs und wie dieser die traditionellen Lebensformen und Identitätsbildungen verändert.
18. Gewalt in der Risikogesellschaft: Untersucht Gewalt als soziales Risiko und Resultat von Desintegrationsprozessen sowie die Rolle des Risikojournalismus bei deren Thematisierung.
20. Fazit: Fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen für die künftige journalistische Praxis im Umgang mit Risikoinformationen.
Risikogesellschaft, Risikojournalismus, Systemtheorie, soziale Risiken, Kommunikation, Individualisierung, Gewalt, Entscheidungsdruck, Interdependenz, Modernisierung, Risikokommunikation, Journalismusforschung, gesellschaftliche Konstruktion, Risiko und Gefahr.
Die Diplomarbeit untersucht, wie der Journalismus als System auf die wachsenden, komplexen Risiken der modernen Gesellschaft reagiert und wie sich ein eigenständiger Risikojournalismus als Teilsystem ausdifferenzieren kann.
Zentrale Themen sind die systemtheoretische Analyse von Risiken, die Kommunikation von Risikothemen, der Einfluss von Individualisierungsprozessen sowie die Interdependenzen zwischen Medien, Politik, Wirtschaft und sozialen Strukturen.
Das primäre Ziel ist die theoretische Modellierung des "Risikojournalismus" als ein autopoietisches Subsystem, das spezifische Funktionen (Warnung, Prognose, Orientierung) zur gesellschaftlichen Verarbeitung von Risiken erfüllt.
Die Arbeit nutzt die funktional-strukturelle Systemtheorie, insbesondere aufbauend auf Niklas Luhmann und Talcott Parsons, um komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge und die Rolle des Journalismus zu analysieren.
Der Hauptteil analysiert Grundlagen des Risikobegriffs, vergleicht Ansätze der Risikoforschung, definiert das System Risikojournalismus und untersucht dessen Verhältnis zu Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Familie und Gewalt.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Risikogesellschaft, systemtheoretische Differenzierung, Risikokommunikation, soziale Konstruktion von Risiken und die Interdependenz zwischen journalistischen Programmen und gesellschaftlichen Problemlagen.
Während der klassische Journalismus primär nach dem Code Information/Nicht-Information und dem Aktualitätskriterium arbeitet, fokussiert der Risikojournalismus auf zukünftige Entwicklungen, Risikowahrscheinlichkeiten und eine antizipatorische Beobachtung von Systemgefährdungen.
Die Unterscheidung zwischen "Risiko" (Schaden wird dem eigenen Handeln zugerechnet) und "Gefahr" (Schaden wird externen Faktoren zugerechnet) dient als zentrale theoretische Grundlage, um journalistisches Handeln in der Risikogesellschaft zu begründen.
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