Bachelorarbeit, 2020
29 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Eine Naturgeschichte der menschlichen Moral
2.1 Kooperation
2.2 Zweitpersonale Moral
2.3 Objektive Moral
3. Gerechtigkeit bei Tomasello
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Menschenaffen
3.3 Frühmenschen
3.4 Moderner Mensch
4. Empirische Untersuchungen
4.1 Stützende Ergebnisse
4.1.1 Ultimatumspiel
4.2 Gegensätzliche Ergebnisse
4.2.1 Frans de Waal
4.2.2 Hunde und Wölfe
5. Schluss
Diese Arbeit untersucht die evolutionäre Entwicklung des Gerechtigkeitsempfindens bei Menschen und anderen Hominiden auf Basis der Theorie von Michael Tomasello. Das zentrale Ziel ist es, die Hypothese zu erörtern, dass ein ausgeprägter Sinn für Fairness nicht angeboren ist, sondern erst durch komplexe Formen der kooperativen Zusammenarbeit und kultureller Normenbildung beim modernen Menschen entstand, im Gegensatz zu bloßen reziproken Mustern bei Menschenaffen.
3.2 Menschenaffen
Wie bereits oben beschrieben, findet sich der Ausgangspunkt der Moral bei Menschenaffen. Diese besitzen schon eine „Zutat“ zur kooperativen Moral, nämlich das Mitgefühl. Allerdings fehlt ihnen noch ein Sinn für Gerechtigkeit. Das heißt allerdings nicht, dass Hominiden ihre Nahrung und Ressourcen nicht in manchen Situationen untereinander aufteilen. Das ist durchaus möglich und geschieht, jedoch liegt dem Aufteilen kein Sinn für Gerechtigkeit zugrunde, sondern eine „emotionale Reziprozität“. Bei der emotionalen Reziprozität, die von De Waal beschrieben wurde, helfen sich die Individuen und teilen Ressourcen auf der Basis eine langfristige emotionale Bindung herzustellen, die gegenseitige Hilfe absichert. Diese Beziehung hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, weil bei der Gerechtigkeit die Interessen der Partner in ein Gleichgewicht gebracht werden und darüber reflektiert wird, was man selbst und andere verdienen. Bei der Reziprozität der Menschenaffen, gibt es keinen Sinn für Verdienstlichkeit und damit keinen wechselseitigen Respekt. Die Motive sind egoistisch und auf Konkurrenz gepolt. Man sucht deshalb bei der Kooperation nicht Individuen, die besonders fair und gerecht sind, sondern jene, die stark sind und bei Kämpfen eine höhere Gewinnchance aufweisen.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Arbeit von Michael Tomasello vor, welche die evolutionäre Entwicklung der Moral und des Gerechtigkeitsempfindens beleuchtet.
2. Eine Naturgeschichte der menschlichen Moral: Hier werden die drei moralischen Entwicklungsphasen – Kooperation, zweitpersonale Moral und objektive Moral – theoretisch definiert.
3. Gerechtigkeit bei Tomasello: In diesem Kapitel wird das Konzept der Gerechtigkeit im Hinblick auf Menschenaffen, Frühmenschen und den modernen Menschen spezifiziert.
4. Empirische Untersuchungen: Dieser Teil präsentiert Studien, die Tomasellos Thesen sowohl stützen als auch durch Gegenpositionen von Forschern wie Frans de Waal kritisch hinterfragen.
5. Schluss: Die Zusammenfassung resümiert die wesentlichen Erkenntnisse zur evolutionären Entstehung der Fairnessmoral und dem Wissensstand über tierisches Verhalten.
Gerechtigkeitsempfinden, Michael Tomasello, evolutionäre Anthropologie, Kooperation, zweitpersonale Moral, objektive Moral, Fairness, Primatenforschung, kollektive Intentionalität, soziale Normen, Reziprozität, Ultimatumspiel, Frühmenschen, Moralentwicklung, Verdienstlichkeit
Die Arbeit analysiert die evolutionäre Entstehung und Entwicklung des menschlichen Gerechtigkeitsempfindens unter Rückgriff auf die theoretischen Ausführungen des Verhaltensforschers Michael Tomasello.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen prosozialem Verhalten bei Primaten (wie Mitgefühl und Reziprozität) und dem spezifisch menschlichen, auf Normen basierenden Sinn für Fairness und Gerechtigkeit.
Das Ziel ist die theoretische Darlegung, warum ein echter Gerechtigkeitssinn erst durch die gemeinsame, regelgeleitete Kooperation des Menschen entstand, während bei anderen Hominiden lediglich konkurrenzorientierte Kooperationsformen vorherrschen.
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die Tomasellos Konzepte mit empirischen Ergebnissen aus verschiedenen Verhaltensstudien vergleicht und in einen wissenschaftlichen Diskurs einbettet.
Der Hauptteil erarbeitet die drei Stufen der Moralentwicklung (Kooperation, zweitpersonale und objektive Moral) und untersucht durch experimentelle Daten (z.B. Ultimatumspiel), ob diese auf Tiere übertragbar sind oder menschliche Spezifika darstellen.
Wesentliche Begriffe sind Gerechtigkeitsempfinden, Kooperation, Fairness, Moralentwicklung, kollektive Intentionalität, soziale Normen und evolutionäre Anthropologie.
Während Menschenaffen über Mitgefühl und emotionale Reziprozität verfügen, fehlt ihnen der Sinn für Fairness und Verdienstlichkeit. Nur der Mensch kann durch eine "Vogelperspektive" die Äquivalenz aller Akteure erkennen und Normen als objektiv verpflichtend anerkennen.
De Waal argumentiert, dass auch bei Tieren Ansätze von Fairness und moralischem Verhalten nachweisbar sind, und widerspricht damit Tomasellos strikter Trennung, welche das menschliche Verhalten als einzigartig in Bezug auf objektive Gerechtigkeit darstellt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

