Bachelorarbeit, 2015
77 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
3 Anlagestruktur in Deutschland
4 Anlegermentalität in Deutschland
5 Moderne Portfoliotheorie
5.1 Grundannahmen
5.2 Portfoliostruktur nach der modernen Portfoliotheorie
6 Behavioral Finance
6.1 Grundannahmen
6.2 Anomalien
6.2.1 Informationswahrnehmung
6.2.1.1 Selektive Wahrnehmung
6.1.1.2 Home Bias
6.1.1.3 Adaption von Autoritätenmeinungen
6.2.2 Informationsverarbeitung
6.2.2.1 Verlustaversion
6.2.2.2 Mental Accounting
6.2.2.3 Konservativismus
6.2.3 Entscheidungsfindung
6.2.3.1 Ambiguitätsaversion
6.2.3.2 Regret Aversion
7 Maßnahmen zur Interessensteigerung
Fazit
Diese Bachelor-Thesis untersucht Maßnahmen zur Steigerung der Aktienquote bei deutschen Privatanlegern. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit psychologische Faktoren und Anomalien der Behavioral Finance die Anlegerentscheidungen beeinflussen und im Vergleich zur modernen Portfoliotheorie die Zurückhaltung gegenüber Aktienanlagen erklären können.
6.2.1.1 Selektive Wahrnehmung
Das Gehirn ist häufig auf der Suche nach Mustern und Zusammenhängen. Dieses selektive Verhalten führt dazu, dass bei einem umfangreichen Informationsangebot überwiegend Daten wahrgenommen werden, die den eigenen Vorstellungen entsprechen. Das Hirn gleicht jeden Stimulus mit den vorhandenen Schemata ab und versucht die Informationen in Schubladen einzuordnen. Trifft eine neue Information auf das Gehirn, muss ein neues Schema angelegt und der gesamte Informationsverarbeitungsprozess von Beginn an durchlaufen werden, was einen großen Kraftaufwand verursacht. Gegensätzliche Informationen werden daher ignoriert oder weniger stark wahrgenommen. Erfahrungen helfen dem Menschen unbewusst bei der Entscheidungsfindung. Daher messen Anleger dem Eintritt von Ereignissen eine höhere Wahrscheinlichkeit zu, wenn sie einen persönlichen Bezug zu dieser Situation haben. Im Umkehrschluss können fehlende Erfahrungen die Anlageentscheidung dahingehend beeinflussen, dass bestimmte Anlagen dauerhaft präferiert werden und andere generell unberücksichtigt bleiben. Wer selektiv wahrnimmt, sieht dem Höhlengleichnis entsprechend, nur Ausschnitte des Geschehens, trifft auf dieser Basis aber vorschnelle, endgültige Schlüsse.
Ein bekanntes Beispiel, um diese Hypothese zu unterstreichen, stellt das Gorilla Experiment von Simons und Chabris aus dem Jahr 1999 dar. Den Probanden wurde eine Filmsequenz von wenigen Minuten gezeigt. In dem Video waren zwei Basketballteams zu sehen. Dabei war die eine Mannschaft schwarz und die andere weiß gekleidet. Die Studenten dienten als Beobachter und wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Aufgabe der einen Gruppe bestand darin, die Ballwechsel des weißen Teams zu zählen. Die andere Gruppe sollte die Pässe des schwarzen Teams erfassen. Währenddessen bewegten sich beide Basketballmannschaften durcheinander.
1 Einleitung: Hinführung zum Thema, Darstellung der Relevanz von Aktien zur Altersvorsorge vor dem Hintergrund der expansiven Geldpolitik und der Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und tatsächlichen Anlagerisiken.
3 Anlagestruktur in Deutschland: Analyse des Status quo der deutschen Anlagestruktur, die durch eine starke Bankenlastigkeit und eine vergleichsweise geringe Aktienquote gekennzeichnet ist.
4 Anlegermentalität in Deutschland: Untersuchung der spezifisch deutschen Anlegermentalität, die durch ein hohes Sicherheitsbedürfnis und eine ausgeprägte Risikoaversion geprägt ist.
5 Moderne Portfoliotheorie: Erläuterung der klassischen Theorie nach Harry Markowitz, ihrer Annahmen (z.B. Homo Oeconomicus) und der Konstruktion eines effizienten Portfolios zur Optimierung von Risiko und Rendite.
6 Behavioral Finance: Einführung in die verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie, die den Menschen als realen Homo Sapiens betrachtet und durch psychologische Anomalien wie Biases systematische Abweichungen vom rationalen Ideal erklärt.
7 Maßnahmen zur Interessensteigerung: Erarbeitung von Lösungsansätzen zur Förderung der Aktienkultur, inklusive der Rolle von Beratung, staatlichen Rahmenbedingungen und der Bewusstmachung von Verhaltensmustern.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Plädoyer für ein Umdenken in Richtung einer aktienbasierten Vermögensbildung, gestützt durch die Erkenntnisse der Behavioral Finance.
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Die Arbeit untersucht, warum deutsche Privatanleger trotz des Niedrigzinsumfelds zögerlich beim Investment in Aktien sind, und identifiziert psychologische sowie strukturelle Hemmnisse.
Die zentralen Themen umfassen die deutsche Anlegermentalität, die klassische moderne Portfoliotheorie sowie die verhaltensorientierten Erklärungsansätze der Behavioral Finance.
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretisch rationalem Anlegerverhalten und der tatsächlichen Praxis zu erklären und konkrete Maßnahmen abzuleiten, um das Interesse an Aktieninvestments zu steigern.
Es erfolgt eine fundierte Literatur- und Theorieanalyse sowie eine fallbeispielbasierte Berechnung zur Portfoliokonstruktion auf Basis der Markowitz-Theorie zur Verdeutlichung von Risiko-Rendite-Zusammenhängen.
Der Hauptteil analysiert ausführlich die Grundannahmen der Portfoliotheorie, stellt diese der Behavioral Finance gegenüber und untersucht spezifische Anomalien wie die Verlustaversion oder den Home Bias.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Behavioral Finance, Risikoaversion, Anlegermentalität, Diversifikation und Altersvorsorge geprägt.
Die Arbeit unterscheidet zwischen Bauch-, Herz- und Kopfmenschen, um zu zeigen, dass unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen zu verschiedenen irrationalen Verhaltensweisen und spezifischen Vorlieben bei der Geldanlage führen.
Es dient als anschauliches Beispiel für die "selektive Wahrnehmung", die dazu führt, dass Anleger wichtige Informationen ausblenden, wenn diese nicht ihrem vorgefertigten Schema entsprechen.
Die Arbeit argumentiert, dass politische Rahmenbedingungen, wie etwa eine Lockerung der Besteuerung von Aktiengewinnen oder die Förderung betrieblicher Altersvorsorge, essenziell sind, um die Einstiegshürden für Anleger zu senken.
Durch eine Verschiebung von provisionsbasierter Beratung hin zu einer honorarbasierten Anlageberatung, eine verbesserte Aufklärung über die Risiken der Nicht-Investition und die Nutzung digitaler Instrumente wie Musterdepots oder Fondssparpläne.
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