Bachelorarbeit, 2015
33 Seiten, Note: 1,0
1. Vorwort
2. Die Ästhetik des Bösen und das Abjekte – Eine theoretische Basis
2.1 Peter-André Alts Studie zur Ästhetik des Bösen
2.2 Julia Kristeva und der Begriff des Abjekten
2.3 Conclusio
3. Analyse der Darstellung von Gewalt und Horror in Estrella distante
3.1 Die Rezeption des Horrors der Pinochet-Diktatur und des Nationalsozialismus
3.2 Carlos Wieder/Alberto Ruiz-Tagle: Die Inkarnation des mal absoluto
3.2.1 Die Darstellung der Persönlichkeit Wieders/Ruiz-Tagles
3.2.2 Die Kunstdarbietungen des Protagonisten: el arte nuevo
3.2.3 Exkurs: Wieder in Bezug auf den Titel Estrella distante
4. Schlussbetrachtung
Diese Hausarbeit untersucht, wie Roberto Bolaño in seiner Novelle Estrella distante das Böse ästhetisiert, indem er historische Gewalt (Nationalsozialismus und Pinochet-Diktatur) mit künstlerischer Inszenierung verschmilzt. Im Zentrum steht die Analyse des Protagonisten Carlos Wieder als Inkarnation des absolut Bösen und seine Rolle als ausführende Kraft einer ästhetisierten Gewalt, die beim Rezipienten sowohl Faszination als auch Entsetzen hervorruft.
3.2.1 Die Darstellung der Persönlichkeit Wieders/Ruiz-Tagles
Bereits während des ersten Kapitels der Novelle wird dem Rezipienten folgendes offensichtlich: Alberto Ruiz-Tagle/Carlos Wieder stellt einen speziellen Akteur im Handlungsgeschehen dar und nimmt in der Erzählung eine gesonderte Position ein. Er repräsentiert eine Figur mit eigener Identität, die sich gewissermaßen als ungreifbar und undefinierbar deklarieren lässt. Diese Einschätzung der Persönlichkeit des Protagonisten wird insbesondere dadurch gefördert, dass der Leser Carlos Wieder in erster Linie über seine Taten sowie anhand der Beschreibung seines Erscheinungsbildes durch weitere Figuren der Novelle kennen lernt. In Anbetracht dessen wird im ersten Kapitel von Arturo B. folgendes über Ruiz-Tagle geäußert:
„La verdad era que no parecía autodidacta. Quiero decir: exteriormente no parecía un autodidacta. Éstos, en Chile, a principios de los setenta, en la ciudad de Concepción, no vestían de la manera en que se vestía Ruiz-Tagle. Los autodidactas eran pobres.” (ED (1996):14)
Parecía und insbesondere exteriormente evozieren bei dieser Beschreibung die Ungreifbarkeit der Person. Die Aussage, dass Wieder nicht wie ein Autodidakt wirkt, wird direkt mit dem Begriff äußerlich -welcher zudem in der Novelle kursiv abgebildet ist und folglich direkte Aufmerksamkeit des Rezipienten erlangt- eingeschränkt, was die Undefinierbarkeit der Figur impliziert. Auch die Beschreibung „Ruiz-Tagle era elegante“ (ED (1996): 14) sowie die von Bibiano O’Ryan als zu kalt empfundene Gesichtszüge tragen zur Ungreifbarkeit seiner Identität und folglich auch zur Distanzierung bei. Eben diese Distanz, welche der Rezipient der Novelle hinsichtlich des Protagonisten empfindet, wird aufgrund der Beschreibung von Ruiz-Tagles Wohnung intensiviert. Bibiano deklariert die Räumlichkeiten von Wieder als „desnuda y sangrante“ (ED (1996): 18), obwohl es für die Blutrünstigkeit der Wohnung keine offensichtliche Indizien gibt (vgl. ED (1996): 18f). Des Weiteren konstatiert Bibiano eine unnennbare Präsenz in Ruiz-Tagles Domizil und fügt hinzu, dass ihm dieses als präpariert (vgl. ED (1996): 17) erscheint. Auch hier evoziert die kursive Schreibweise des Adjektivs die Verstärkung dessen Bedeutungsgehalts.
1. Vorwort: Der Autor führt in Roberto Bolaños Verständnis des Schreibens als Annäherung an den bodenlosen Abgrund ein und umreißt die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Die Ästhetik des Bösen und das Abjekte – Eine theoretische Basis: Dieses Kapitel etabliert durch die Theorien von Peter-André Alt und Julia Kristeva das notwendige Fundament, um die Ästhetisierung des Bösen sowie das Konzept des Abjekten literarisch zu analysieren.
3. Analyse der Darstellung von Gewalt und Horror in Estrella distante: Der Hauptteil untersucht die Verschränkung von historischem Horror, insbesondere der Pinochet-Diktatur, mit der Figur Carlos Wieder und seinen künstlerischen Darbietungen.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Analyse und unterstreicht die komplexe ästhetische Modellierung des Bösen, die den Leser unmittelbar mit dem "abismo sin fondo" konfrontiert.
Ästhetik des Bösen, Estrella distante, Roberto Bolaño, Abjektion, Carlos Wieder, Gewalt, Horror, Pinochet-Diktatur, Nationalsozialismus, arte nuevo, Literaturwissenschaft, Identität, Macht, memoria, Doppelgänger.
Die Arbeit analysiert die literarische Ästhetisierung des Bösen in Roberto Bolaños Novelle Estrella distante, wobei ein besonderer Fokus auf der Verschmelzung von historischer Gewalt und künstlerischem Schaffen liegt.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung durch die Begriffe Ästhetik des Bösen (Alt) und das Abjekte (Kristeva) sowie deren Anwendung auf das Werk Bolaños.
Das Ziel ist es, die Art und Weise zu untersuchen, wie Bolaño durch die Figur des Carlos Wieder und dessen Taten das Böse ästhetisiert und beim Leser ein Gefühl des absoluten Horrors evoziert.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text anhand theoretischer Konzepte interpretiert und durch herangezogene Sekundärliteratur zur aktuellen Forschung stützt.
Der Hauptteil widmet sich der Rezeption des historischen Horrors (Diktatur/Nationalsozialismus) und analysiert detailliert die Persönlichkeit sowie die Kunstdarbietungen des Protagonisten Carlos Wieder.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Ästhetik des Bösen", "Abjektion", "Carlos Wieder", "Gewalt" und "Kunst" charakterisiert.
Wieder fungiert als Repräsentant des Bösen, der durch seine Kunstdarbietungen – wie Luftpoesie und Foto-Installationen – Gewalt in eine ästhetische Form überführt, die für den Rezipienten gleichermaßen faszinierend wie abstoßend wirkt.
Der Exkurs verdeutlicht, dass der Titel den Protagonisten als fernen, geheimnisvollen "Stern" charakterisiert, was seine Unerreichbarkeit und seine exzentrische, distanzierte Position innerhalb der Erzählung unterstreicht.
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