Bachelorarbeit, 2016
85 Seiten, Note: 1,7
1 GRUNDLAGEN
1.1 AKTUALITÄT UND MOTIVATION
1.2 METHODIK
1.3 DIFFERENZIERUNG
1.4 WORTBILDUNG, WORTSTAMM UND VORKOMMEN
2 GESCHICHTLICHE HINTERGRÜNDE
2.1 VERWENDUNG VOR DEM ERSTEN WELTKRIEG
2.1.1 ERSTES VORKOMMEN
2.1.2 DIE ZEIT UM 1848
2.1.3 DER DEUTSCH-FRANZÖSISCHE KRIEG UND DAS KAISERREICH
2.2 DER ERSTE WELTKRIEG UND DIE „LÜGENPRESSE“ DER FEINDE
2.3 WEIMARER REPUBLIK, NS-ZEIT UND DER ZWEITE WELTKRIEG
2.3.1 DER BEGRIFF „LÜGENPRESSE“ IM KOMMUNISTISCHEN UND SOZIALISTISCHEN SPEKTRUM
2.3.2 DER NATIONALSOZIALISMUS UND DIE „JÜDISCHE LÜGENPRESSE“
2.4 NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG
2.4.1 DIE 68-ER GENERATION
2.4.2 NUTZUNG DES BEGRIFFS DER RECHTEN SZENE UM DAS JAHR 2000
2.4.3 DIE ENTWICKLUNGEN HIN ZUM UNWORT DES JAHRES 2014
3 ANALYSE UND AUSBLICK
3.1 UNTERSCHIEDE UND GEMEINSAMKEITEN IN GESCHICHTLICHER UND AKTUELLER VERWENDUNG
3.2 BETRACHTUNG DES BEGRIFFS ANHAND VON MILIEUS
3.3 MÖGLICHE ERKLÄRUNGEN FÜR DIE “LÜGENPRESSE” ALS WIEDERKEHRENDES ELEMENT
3.4 AUSBLICK AUF MÖGLICHE KÜNFTIGE ENTWICKLUNGEN
Die Arbeit untersucht die historische Herkunft, die inhaltliche Verwendung und die Bedeutung des Begriffs „Lügenpresse“ über die Jahrhunderte hinweg, um zu ergründen, warum dieser Vorwurf ein wiederkehrendes Element in gesellschaftspolitischen Debatten ist.
2.1.2 Die Zeit um 1848
Die in diesem Absatz diskutierte Nutzung des Begriffs „Lügenpresse“ und seiner Synonyme bezieht sich auf die Ereignisse, die zur Märzrevolution von 1848 führten, bis hin zur Gründung des deutschen Kaiserreichs. Die auch als deutsche Revolution bezeichnete Zeit von 1848 bis 1849, bot für beide Seiten Gelegenheit, den Begriff der Lügenpresse ausgiebig zu Nutzen. Grund hierfür war die Aufhebung der Pressezensur und das Erstreiten von Wahlen. Im Zuge dessen wurde versucht, die mit nun mehr Freiheiten ausgestattete Presse anderweitig zu schwächen. Dies wurde vor allem durch Abwertung, in diesem Fall der Begriffe „Lügenpresse“ und „Schandpresse“ versucht. In diesem Zusammenhang ist auch die Äußerung der Wiener Zeitung vom 3. Juni 1848 zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt war die Eröffnung der Frankfurter Nationalversammlung am 18. Mai bereits geschehen.
Im Folgenden forderte der Slawenkongress vom 2. - 12. Juni 1848 die Abschaffung des Donaustaates Österreich. Dies wurde jedoch von Gewalttaten radikaler Tschechen und der Reaktion des Fürsten Windischgrätz überschattet. In der Bewertung darauf sprach die „Wiener Zeitung“ davon, dass nichts von blutigen Auftritten bekannt sei. Die Lügenpresse würde von 80 Individuen erzählen, welche das Intervenieren des Fürsten Windischgrätz bestätigen könnten. Die Wiener Zeitung unterstellt allerdings, dass diese Individuen zum Zeitpunkt des Geschehens nicht vor Ort gewesen wären. Unter einem anderen Synonym versuchen der österreichischen Monarchie nahe Zeitungen, auch im folgenden andere Blätter zu diffamieren. Beliebt war dabei die Redewendung der „Schandpresse“.
1 GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel motiviert die Themenwahl und legt die methodische Vorgehensweise zur Untersuchung des Begriffs „Lügenpresse“ dar.
2 GESCHICHTLICHE HINTERGRÜNDE: Eine chronologische Untersuchung des Begriffs von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart unter Einbeziehung verschiedener politischer Milieus.
3 ANALYSE UND AUSBLICK: Synthese der Erkenntnisse über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Verwendung des Begriffs sowie ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Lügenpresse, Pressefreiheit, Medienkritik, Propaganda, Geschichte, Journalismus, PEGIDA, AfD, 68er-Bewegung, Nationalsozialismus, Unwort des Jahres, Politische Kommunikation, Diskursanalyse, Zensur, Demokratie
Die Arbeit beleuchtet das historische Phänomen des Vorwurfs der „Lügenpresse“ und untersucht dessen Wandlung sowie Bedeutung über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Neben der Etymologie stehen insbesondere die politische Instrumentalisierung des Begriffs in Krisenzeiten und dessen Verwendung durch verschiedene gesellschaftliche Lager im Fokus.
Ziel ist es, Antworten darauf zu finden, warum „Lügenpresse“ ein wiederkehrender Kampfbegriff ist und welche Parallelen zwischen früherer und heutiger Nutzung existieren.
Es wird eine qualitative Analyse von Zeitungsarchiven, Literaturquellen und aktuellen Medienberichten durchgeführt, um eine chronologische Darstellung der Begriffsgeschichte zu gewährleisten.
Der Hauptteil analysiert die Verwendung des Begriffs in verschiedenen Epochen: vor den Weltkriegen, während der Zeit des Nationalsozialismus, bei den 68er-Protesten und im Kontext der aktuellen PEGIDA- und AfD-Bewegungen.
Zu den zentralen Begriffen gehören „Lügenpresse“, „Medienkritik“, „Propaganda“, „Instrumentalisierung“ und der gesellschaftliche „Vertrauensverlust“.
Der Begriff wurde von den Nationalsozialisten systematisch zur pauschalen Diffamierung politischer Gegner und ausländischer Medien genutzt, um das Vertrauen in diese zu untergraben und die eigene Propaganda zu stützen.
Der Autor sieht in der heutigen Nutzung, etwa bei PEGIDA oder der AfD, eine Fortführung historischer Muster der Instrumentalisierung, wobei der Begriff oft als „Totschlagargument“ fungiert, um sich einer differenzierten Medienkritik zu entziehen.
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