Bachelorarbeit, 2020
52 Seiten, Note: 2,2
1. Einleitung
2. Die Sicht der Konfliktparteien
2.1 Der Konflikt aus türkischer Sicht
2.2 Der Konflikt aus kurdischer Sicht
3. Die Kurden – Ein kurzer Überblick
4. Nationalismus und Nationbuilding in der Türkei und die Auswirkungen Auf den Kurdenkonflikt
5. Die Entwicklung des Kurdenkonflikts in der Türkei
5.1 Die Entstehung des Kurdenkonflikts während der Endphase des Osmanischen Reiches und der Gründung der Türkischen Republik
5.2 Der Einsatz der türkischen Linken für die Rechte der Kurden und die Entstehung der Kurdischen Arbeiterparte PKK
5.3 Der bewaffnete Kampf zwischen der PKK und dem türkischen Staat in den 1980er und 1990er Jahren
6. Die aktuelle Situation seit der Regierungsübernahme der AKP unter Erdogan
7. Mögliche Lösungsansätze
Die Arbeit untersucht den Kurdenkonflikt in der Türkei als zentrales Nebenprodukt des türkischen Nationbuilding-Prozesses. Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Ideologie eines homogenen Nationalstaates seit der Republikgründung zur Unterdrückung kurdischer Identität führte und den Konflikt bis in die Gegenwart maßgeblich bestimmt.
4. Nationalismus und Nationbuilding in der Türkei und die Auswirkungen auf den Kurdenkonflikt
Nach Ernest Gellner ist „Nationalismus ist keineswegs das Erwachen von Nationen zu Selbstbewusstsein: man erfindet Nationen, wo es vorher keine gab.“14 Dies trifft insbesondere auf die Türkei zu. In ihrem Vorgängerstaat, dem Osmanischen Reich, sahen sich die Einwohner, von christlichen und jüdischen Minderheiten abgesehen, in erster Linie als Muslime. Die ethnische Zugehörigkeit spielte unter den Muslimen kaum eine Rolle. Der Islam war das Bindeglied, welches das Reich zusammenhielt. Dies manifestierte sich in der Person des Sultans, der gleichzeitig als Kalif der oberste religiöse Führer war. Wenngleich es auch mehrfach zu Aufständen gegen die Herrschaft einzelner Sultane kam, wurde die Autorität von Sultanat und Kalifat an sich von kaum jemandem infrage gestellt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden im Osmanischen Reich unter Intellektuellen die ersten politischen Organisationen. Aus den verschiedenen Organisationen sollten die 1889 entstandenen Jungtürken (Jön Türkler) und die aus ihnen hervorgegangene Partei Komitee für Einheit und Fortschritt (İttiḥâd ve Teraḳḳî Cemʿiyeti) zur mächtigsten Organisation in der Osmanischen Zeit aufsteigen. Als deren Hauptideologe gilt der Soziologe und Schriftsteller Ziya Gökalp (23.03.1875 oder 1876 - 25.10.1924), dessen Anschauungen später weitgehend von dem ersten türkischen Präsidenten Mustafa Kemal (Atatürk) übernommen wurden. Anders als bei den meisten europäischen Nationalisten bildete den Kern den Nationalismus bei Ziya Gökalp nicht die Rasse, sondern die türkische Kultur: „[...] education and feeling and not racial origin determine the nationality of man.“15 Damit war der türkische Nationalismus, besonders zu Beginn, offen für Person anderer Ethnien. Anders als es der Name Jungtürken vermuten lässt, waren in dieser Organisation in den ersten Jahren neben Türken auch Kurden, Armenier und weitere Ethnien vertreten. „Als Teil der jungtürkischen Opposition galt ihr Augenmerk hauptsächlich der Beseitigung der Autokratie des Sultans und der Verbesserung der Verhältnisse zwischen Armeniern und Kurden.“16 Die Jungtürken vertraten zunächst meist liberale Ansichten und vereinte zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben ihren eigenen Mitgliedern auch verschiedene weitere Gruppierungen im Kampf gegen die autoritäre Herrschaft von Sultan Abdülhamid II.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Kurdenkonflikt als bedeutendstes innen- und außenpolitisches Problem der Türkei und formuliert die Hypothese, dass er ein Nebenprodukt des türkischen Nationbuilding ist.
2. Die Sicht der Konfliktparteien: Dieses Kapitel stellt die gegensätzlichen Positionen von türkischer und kurdischer Seite dar, wobei insbesondere das türkische Streben nach territorialer Einheit und die kurdische Forderung nach kultureller Anerkennung und Autonomie beleuchtet werden.
3. Die Kurden – Ein kurzer Überblick: Hier erfolgt eine historische Einordnung der Kurden als Kulturvolk und eine Beschreibung ihrer Siedlungsgebiete im Nahen Osten sowie ihrer sprachlichen und religiösen Vielfalt.
4. Nationalismus und Nationbuilding in der Türkei und die Auswirkungen Auf den Kurdenkonflikt: Das Kapitel analysiert, wie die kemalistische Ideologie und das Konzept der „reinen Nation“ das staatliche Handeln prägten und Minderheiten gezielt an den Rand drängten.
5. Die Entwicklung des Kurdenkonflikts in der Türkei: Die historische Aufarbeitung umfasst die Phase der Staatsgründung, das Erstarken linker Bewegungen und die Entstehung der PKK als bewaffnete Widerstandsgruppe.
6. Die aktuelle Situation seit der Regierungsübernahme der AKP unter Erdogan: Es wird die Ambivalenz der AKP-Politik betrachtet, die einerseits anfängliche Öffnungsschritte vollzog, später jedoch in eine harte Sicherheits- und Repressionspolitik zurückfiel.
7. Mögliche Lösungsansätze: Das Kapitel evaluiert drei grundsätzliche Optionen für den Konflikt und schlussfolgert, dass nur politische Zugeständnisse und ein Dialog eine realistische Basis für einen dauerhaften Frieden bilden können.
Kurdenkonflikt, Türkei, Nationbuilding, Kemalismus, PKK, Identität, Autonomie, Assimilation, Menschenrechte, Minderheitenpolitik, Geschichte, Nationalismus, Friedensprozess, HDP, Staatsideologie.
Die Arbeit analysiert den Kurdenkonflikt in der Türkei als langfristige Folge des türkischen Staatsaufbaus und der damit verbundenen nationalistischen Ideologie.
Die zentralen Themen sind der Prozess des türkischen Nationbuilding, die Unterdrückung kurdischer Identität, die Rolle der PKK und die politisch-gesellschaftliche Entwicklung unter der AKP-Regierung.
Das primäre Ziel ist es, den Ursprung des heutigen Kurdenkonflikts in den historischen Prozessen der Staatsgründung zu verorten und aufzuzeigen, warum bisherige militärische Lösungsversuche scheiterten.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Fachliteratur, offiziellen Dokumenten und statistischen Daten basiert.
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte des Konflikts, die Entwicklung der kurdischen Selbstverwaltung und Widerstandsbewegungen, die Repressionsmaßnahmen des Staates sowie aktuelle Lösungsansätze.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kurdenkonflikt, Nationalismus, Assimilation, Nationbuilding, PKK und politische Rechte definiert.
Das Vorgehen des türkischen Staates in Dersim 1937/38 wird als tiefer Wendepunkt angesehen, der das kollektive Trauma und das Misstrauen der Kurden gegenüber dem türkischen Staat bis heute maßgeblich prägt.
Die Arbeit beschreibt die Entstehung der PKK als Reaktion auf staatliche Unterdrückung und beleuchtet deren Wandel von der Forderung nach einem eigenen Staat hin zur Forderung nach Autonomie innerhalb der Staatsgrenzen.
Das Bildungssystem fungiert der Arbeit zufolge als Instrument zur Verbreitung der staatlichen Ideologie und zur Zwangsassimilation, indem es kurdische Identität verleugnet und den „türkischen Nationalismus“ vermittelt.
Die HDP wird als prokurdische Partei beschrieben, die sich für eine friedliche politische Lösung und die Stärkung der Rechte der Kurden einsetzt, dabei jedoch ständiger staatlicher Repression und Diskreditierung ausgesetzt ist.
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