Seminararbeit, 2018
35 Seiten, Note: 5,5 (Schweiz)
1. Der Dersim- Genozid und Mustafa Kemal Atatürk
2. Einleitung
3. Ideologie von Osmanen und von der Türkischen Republik
4. Die Geschichte von Wir und die Anderen
4. Nuri Dersimi und das Verhalten des Völkerbunds
5. Was passierte in Dersim
6. Wer war verantwortlich für den Dersim-Genozid?
6.1 Aussagen von der ersten Generation:
6.2 Historische Dokumente der damaligen Regierung
6.3 Das Tunceli Kanunu
6.4 Der Dersim-Genozid
7. Stockholm Syndrom oder Strategie für die Sicherung ihre Existenz:
7.1. Historische Maske für Existenzsicherung
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Mustafa Kemal Atatürks beim Dersim-Genozid unter Einbeziehung offizieller historischer Quellen und diskutiert, inwiefern die Identifikation vieler Betroffener mit dem Staatsgründer als "Stockholm-Syndrom" oder als Überlebensstrategie interpretiert werden kann.
6. Wer war verantwortlich für den Dersim-Genozid?
In den Narrativen von älteren Generationen hört man meistens, „dass Atatürk krank im Bett war und [über den Dersim Genozid] nicht wusste“ (Aslan 2011: 56). Es gibt zahlreiche solche Aussagen: Die Aussagen, denen zufolge Atatürk darüber nichts wusste oder krank war sind auch immer wieder im historischen Roman, Dersims Stimme - Die Kinder von 1938, ein Thema: Xece ist eine Zeitzeugin von vielen, die sich unter den Leibern der Toten retten konnte. Sie erzählt verzweifelt ihre Erlebnisse aus dem Dersim-Genozid, indem sie sagt, dass Atatürk der Mann mit den höchsten Befugnissen war, zurzeit als das Gesetz (das Tunceli-Gesetz) in Ankara hierfür verabschiedet wurde: „[...]War Atatürk in den Sommermonaten 1938, als Zivilisten, Frauen und Kinder massenweise erschossen wurden, wirklich schwer krank? Ich weiss es nicht“ (Yildiz 2010: 108). Die alte Generation, die das Dersim-Genozid erlebt haben und die darauffolgende Generation wurden mit den Aussagen, dass Atatürk krank war, und dass der Dersim-Genozid von Celal Bayer durchgeführt wurde und Fevzi Çakmak die Massaker gestoppt hat usw., geprägt.
1. Der Dersim- Genozid und Mustafa Kemal Atatürk: Einleitung in die Thematik und Kritik an Erdoğans "Dersim-Apologie", die den Genozid relativiert und die Rolle Atatürks ausspart.
2. Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage und der methodischen Herangehensweise zur Untersuchung der Täterschaft im Dersim-Genozid.
3. Ideologie von Osmanen und von der Türkischen Republik: Analyse der Kontinuität zwischen osmanischer Herrschaftspraxis und kemalistischem Nationalismus bei der Unterdrückung abweichender Ethnien.
4. Die Geschichte von Wir und die Anderen: Anwendung postkolonialer Theorien nach Edward Said zur Dekonstruktion der Konstruktion des "Anderen" durch den türkischen Staat.
4. Nuri Dersimi und das Verhalten des Völkerbunds: Untersuchung der internationalen Reaktionen und der Rolle Nuri Dersimis als Stimme der Betroffenen.
5. Was passierte in Dersim: Zusammenfassung der historischen Ereignisse von der Umbenennung bis hin zu den massiven Militäroperationen 1937/38.
6. Wer war verantwortlich für den Dersim-Genozid?: Kritische Hinterfragung der Legende von Atatürks Unwissenheit anhand von Zeitzeugenaussagen und Regierungsdokumenten.
7. Stockholm Syndrom oder Strategie für die Sicherung ihre Existenz: Analyse des Phänomens, warum Opfer des Genozids weiterhin den Täter idealisieren, unter Rückgriff auf Fanons Thesen zur Kolonialisierung.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Dersim-Genozids als geplanten Prozess unter Atatürks Führung und Appell zur wissenschaftlichen Aufarbeitung.
Dersim-Genozid, Mustafa Kemal Atatürk, Aleviten, Kemalismus, Takiye, Stockholm-Syndrom, Orientalismus, ethnische Säuberung, türkischer Nationalismus, Tunceli-Gesetz, koloniale Herrschaft, kollektives Gedächtnis.
Die Arbeit untersucht die historische Verantwortung von Mustafa Kemal Atatürk für den Genozid in der Region Dersim zwischen 1937 und 1938.
Zentral sind die ideologischen Grundlagen des türkischen Staates, die mediale Manipulation zur Rechtfertigung von Gewalt und die psychologische Aufarbeitung des Traumas bei den Betroffenen.
Ziel ist es, die Rolle von Atatürk als Republikgründer kritisch zu hinterfragen und die Behauptung zu entkräften, er sei über das Massaker nicht informiert gewesen.
Es werden eine historische Dokumentenanalyse, medientheoretische Ansätze (nach Noam Chomsky) und soziologisch-psychologische Theorien (nach Edward Said und Franz Fanon) kombiniert.
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der türkischen Politik gegenüber Dersim, die Rolle der Medien und die psychologische Strategie der "Takiye" als Schutzbehauptung für das Überleben der Generationen.
Dersim-Genozid, Kemalismus, Alevitentum, kollektives Trauma und Überlebensstrategie.
Es wird als Teil einer Abwehrstrategie interpretiert, um sich vor weiterer Verfolgung zu schützen und im türkischen System eine Daseinsberechtigung zu finden.
Während die erste Generation aus unmittelbarer Überlebensangst heraus handelte, ist die dritte Generation durch die historische Distanz in der Lage, die Rolle Atatürks kritisch zu erforschen und die "Takiye"-Praxis in Frage zu stellen.
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