Masterarbeit, 2019
94 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Freiheit: Bestandsaufnahme eines komplexen Begriffes
1.2 Forschungsrelevanz
1.3 Methodik
2 Freiheit im polit-philosophischen Sinne
2.1 Wendepunkt Aufklärung
2.2 Liberale Auffassung von Freiheit
2.3 Negative und positive Freiheit
2.4 Qualitative Freiheit: Eine Freiheit mit globalen Wertbezug
2.4.1 Die Abkehr von negativer und positiver Freiheit
2.4.2 Die Umstellung auf Quantitative und qualitative Freiheit
2.5 Resümee
3 Ideologie und technische Grundlagen von Bitcoin und Blockchain
3.1 Ideale des Libertarismus
3.2 Kalifornische Ideologie des staatenlosen Cyberspace
3.3 Kryptographischer Freiheitskampf der Cypherpunks
3.4 Einführung in Bitcoin und Blockchain
3.4.1 Die politische Idee hinter Bitcoin
3.4.2 Skizzierung des heutigen Geldsystems
3.4.3 Geld und Gold
3.4.4 Die Eigenschaften von Bitcoin
3.4.5 Technische Grundlagen von Bitcoin und Blockchain
3.4.6 Weitere Anwendungsmöglichkeiten und Potenziale der Blockchain
3.5 Bitcoin: Eine gescheiterte Ideologie?
3.5.1 Ungleiche Machtkonzentration
3.5.2 Immenser Stromverbrauch
3.5.3 Kriminell und regierungsfeindlich?
3.6 Resümee
4 Bitcoin als Freiheitsventil: Fallbeispiele
4.1 Privatheit und Datenschutz
4.2 Eigentumssicherung und humanitäre Hilfe
5 Mehr Freiheit durch dezentrale Technologie?
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, inwieweit Bitcoin und Blockchain als Instrumente zur Realisierung von Freiheit dienen können, indem sie diese im Kontext polit-philosophischer Freiheitstheorien diskutiert und das Potenzial zur gesellschaftlichen Systemkritik analysiert.
3.4.5 Technische Grundlagen von Bitcoin und Blockchain
Die Blockchain ist eine technisch hochkomplexe Entwicklung, weshalb immer wieder nach figurativen Analogien gesucht wird, mit denen sich ihre Funktion vereinfacht erklären lässt. Zahlreiche Autoren greifen in diesem Sinne auf das faszinierende Währungssystem einer kleinen, entlegenen Inselgruppe Mikronesiens zurück.
Die Bewohner von Yap, einem subtropischen Flecken Erde im Pazifik, benutzen bis heute das wohl schwerste Zahlungsmittel der Welt: das sogenannte Fei-Geld. Fei sind riesige, teils meterhohe wie breite Steinscheiben, die sich überall auf der Insel finden lassen. Das Besondere an diesem Währungssystem ist, dass der Eigentümer eines Steins, diesen nicht notwendiger physisch besitzen muss. Es wäre ohnehin schwer (im wahrsten Sinne), die mitunter tonnenschweren Steine permanent von A nach B zu bewegen. Nein, die Bewohner von Yap fanden eine andere Lösung. Sobald eine Transaktion stattfindet wird sie von beiden Handelsparteien öffentlich mitgeteilt und alle anderen Teilnehmer verzeichnen sie anschließend in ihren Büchern. Doch was ist nun das Bemerkenswerte daran?
Anstatt einen zentralen Buchführer mit der systematischen Auflistung von Einnahmen und Ausgaben zu betrauen, übernehmen diese Aufgabe alle Bewohner von Yap gemeinschaftlich und simultan. Somit ist es nicht der Stein, der weitergegeben wird, sondern das Wissen darüber. Die Bewohner von Yap erreichen mit dieser Methode einen dezentralen Konsens, der einen Betrug praktisch unmöglich macht. Wieso? Nun, es wäre theoretisch ein leichtes, die Buchführung eines einzigen Verantwortlichen zu manipulieren. Doch wenn sich die Buchführung auf dutzende, hunderte oder gar tausende Personen erstreckt, sind die Möglichkeiten, nachträglich die Verzeichnisse zu fälschen, eher aussichtslos.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, indem sie die Relevanz der Freiheit in westlichen Gesellschaften sowie die ambivalente Rolle des Internets thematisiert und das Forschungsziel definiert.
2 Freiheit im polit-philosophischen Sinne: Dieses Kapitel erörtert die Entwicklung des Freiheitsbegriffs von der Aufklärung über den Liberalismus bis hin zu Berlins Unterscheidung und Dierksmeiers Konzept der qualitativen Freiheit.
3 Ideologie und technische Grundlagen von Bitcoin und Blockchain: Das Kapitel analysiert die libertären Wurzeln der Technologie, bietet eine technische Einführung in die Funktionsweise und diskutiert die Schwächen des Bitcoins.
4 Bitcoin als Freiheitsventil: Fallbeispiele: Hier wird anhand von Praxisbeispielen wie Datenschutz und humanitärer Hilfe untersucht, wie Bitcoin als Instrument zur Stärkung der persönlichen Freiheit fungiert.
5 Mehr Freiheit durch dezentrale Technologie?: Das Abschlusskapitel reflektiert, ob dezentrale Technologien tatsächlich zur Freiheit beitragen oder ob sie das Potenzial haben, neue Formen der Kontrolle zu etablieren.
Freiheit, Bitcoin, Blockchain, Libertarismus, Politische Philosophie, Qualitative Freiheit, Dezentralisierung, Datenschutz, Privatsphäre, Kryptographie, Cypherpunks, Geldsystem, Autonomie, Selbstbestimmung, Überwachungskapitalismus
Die Arbeit untersucht die philosophischen und ideologischen Grundlagen von Bitcoin und Blockchain sowie deren Potenzial, als Instrumente für mehr Freiheit und Selbstbestimmung zu fungieren.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Freiheitsbegriffs, die Ideologie des Libertarismus, die technische Funktionsweise von Blockchain sowie die sozioökonomische Kritik am bestehenden Geldsystem.
Die Arbeit fragt nach den Dimensionen der Freiheit, die durch Bitcoin und Blockchain eröffnet werden, und inwieweit diese Technologien dem Konzept der qualitativen Freiheit nach Dierksmeier entsprechen.
Es wird ein polit-philosophischer Ansatz gewählt, der ideengeschichtliche Analysen mit der Untersuchung moderner Freiheitstheorien und technologischer Entwicklungen verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Freiheitsbegriffs, eine Analyse der libertären Entstehungsgeschichte von Bitcoin und eine Untersuchung technischer Grundlagen sowie konkreter Fallbeispiele zur Freiheit.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Freiheit, Bitcoin, Blockchain, Libertarismus, qualitative Freiheit, Datenschutz und Dezentralisierung maßgeblich charakterisiert.
Die qualitative Freiheit bewertet Bitcoin nicht nach der schieren Anzahl an Wahlmöglichkeiten, sondern fragt, wessen Freiheit ermöglicht wird und ob dies zu einem sozial und ökologisch nachhaltigen Gemeinwohl beiträgt.
Der Autor warnt davor, dass die Blockchain bei staatlicher Nutzung zur totalen Überwachungsmaschine werden könnte, besonders wenn sie mit sozialen Bewertungssystemen oder digitaler Identitätskontrolle gekoppelt wird.
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