Diplomarbeit, 1999
226 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Strafvollzug in Nordrhein-Westfalen
2.1 Grundzüge der Entwicklung und Intentionen des Strafvollzugs
2.2 Zur Situation des Behandlungs- bzw. Resozialisierungsvollzugs
2.3 Anforderungen an den allgemeinen Vollzugsdienst
2.3.1 Problemskizze einer Berufsgruppe
2.3.2 Ausländische Inhaftierte im Strafvollzug
2.4 Aus- und Weiterbildungssituation des allgemeinen Vollzugsdienstes
2.4.1 Ausbildung des AVD am Beispiel der Justizvollzugsschule Wuppertal
2.4.2 Weiterbildung des AVD am Beispiel der Justizakademie Recklinghausen
2.5 Zusammenfassende Betrachtung
3. Interkulturelles Lernen in einer multikulturellen Gesellschaft
3.1 Daten und Fakten zu relevanten Migrationsprozessen
3.1.1 ‘Zu Gast auf dem deutschen Arbeitsmarkt’: Arbeitsmigration
3.1.2 ‘Sturm auf die Festung Europa’: Flüchtlingsmigration
3.1.3 ‘Aus historischer Verantwortung’: Aussiedlermigration
3.2 Entwicklung und Zielsetzung interkulturellen Lernens
3.2.1 Von der ‘Ausländerpädagogik’ zum ‘interkulturellen Lernen’
3.2.2 Zielsetzungen interkulturellen Lernens
3.3 Interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung
3.3.1 Interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung
3.3.2 Interkulturelles Lernen in der Weiterbildung
3.3.2.1 Interkulturelles Lernen in Betrieben mit hohem Ausländeranteil
3.3.2.2 Interkulturelles Lernen für Führungskräfte
3.3.2.3 Interkulturelles Lernen für spezielle Berufsgruppen
3.4 Zusammenfassende Betrachtung
4. Zur Bedeutung von Arbeiten und Lernen in der Weiterbildung
4.1 Geteilte Erwachsenenbildung: Ein ‘Schisma‘?
4.2 Qualifikationsanforderungen zwischen ‘Realität’ und ‘Reflexivität’
4.3 Arbeitsplatznahes Lernen in der Weiterbildung
4.4 Zusammenfassende Betrachtung
5. Das Projekt ‘Möglichkeiten interkultureller Weiterbildung im Strafvollzug‘
5.1 Projektverlauf im Überblick
5.2 Ausgangslage und Zielsetzung
5.3 Projektphasen
6. Das Konzept des Pilotseminars
6.1 Vorüberlegungen
6.2 Grundlagen der Planung
6.2.1 Bedingungsfelder der Planung
6.2.2 Entscheidungsfelder der Planung
6.2.3 Seminarbeteiligte
6.2.4 Termine und Veranstaltungsorte
7. Einleitung des empirischen Teils der Untersuchung
8. Evaluation des Pilotseminars aus Sicht der Teilnehmer
8.1 Evaluationsforschung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung
8.1.1 Begriffsbestimmung
8.1.2 Historischer Abriß
8.1.3 Evaluationsmodelle in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung
8.1.4 Von den Schwierigkeiten der Evaluation in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung
8.2 Evaluationsdesign
8.2.1 Methodologischer Begründungszusammenhang
8.2.2 Erhebungsmethode
8.2.3 Rolle des Forschers
8.2.4 Durchführung der Untersuchung
8.2.5 Dokumentation und Aufbereitung der Daten
8.3 Evaluationsreport
8.3.1 Erster Seminartag ‘Einführung‘
8.3.1.1 Kennenlernen
8.3.1.2 Vorstellen des Seminarkonzeptes und des Programmablaufs
8.3.1.3 Wanderungsbewegungen
8.3.1.4 Gruppengespräch mit Zeitzeugen
8.3.1.5 Bilanz der TN zum Seminartag
8.3.1.6 Konsequenzen für den Seminarverlauf
8.3.2 Zweiter Seminartag ‘Interkulturelle Grundlagen‘
8.3.2.1 Begriffe
8.3.2.2 Fremdheit
8.3.2.3 Vorurteile
8.3.2.4 Bilanz der TN zum Seminartag
8.3.2.5 Konsequenzen für den Seminarverlauf
8.3.3 Dritter Seminartag ‘Die Türkei zwischen Vergangenheit und Moderne‘
8.3.3.1 Kleine Geschichtskunde
8.3.3.2 Atatürk – Lehrer der Nation
8.3.3.3 Deutschland – Türkei – EU. Ein spannendes Verhältnis!?
8.3.3.4 Aktuelle Probleme
8.3.3.5 Bilanz der TN zum Seminartag
8.3.3.6 Konsequenzen für den Seminarverlauf
8.3.4 Vierter Seminartag ‘Der Islam – Eine Exkursion‘
8.3.4.1 Einführung in den Islam
8.3.4.2 Das Gebetsritual
8.3.4.3 Muslimische Organisationen in Deutschland
8.3.4.4 Führung durch die Moschee
8.3.4.5 Bilanz der TN zum Seminartag
8.3.4.6 Konsequenzen für den Seminarverlauf
8.3.5 Fünfter Seminartag ‘Strategien der Polizei im Umgang mit Fremden‘
8.3.5.1 Strategien der Polizei im Umgang mit Fremden
8.3.5.2 Problemanalyse
8.3.5.3 Perspektiven türkischer Jugendlicher
8.3.5.4 Bilanz der TN zum Seminartag
8.3.5.5 Konsequenzen für den Seminarverlauf
8.3.6 Sechster Seminartag ‘Ehre wem Ehre gebührt‘
8.3.6.1 Einführung ins Thema
8.3.6.2 Ehrverständnis im Vergleich
8.3.6.3 Gruppenarbeit zum Thema ‘Ehre‘
8.3.6.4 Ehre türkischer Jugendlicher
8.3.6.5 Bilanz der TN zum Seminartag
8.3.6.6 Konsequenzen für den Seminarverlauf
8.3.7 Siebenter Seminartag ‘Türkische Feiern, Gebräuche und Musik‘
8.3.7.1 Buchbesprechung
8.3.7.2 Bauchtanz
8.3.7.3 Einführung in die arabeske Musik
8.3.7.4 Bedeutung der Musik für Türken in Deutschland
8.3.7.5 Bilanz der TN zum Seminartag
8.3.7.6 Konsequenzen für den Seminarverlauf
8.3.8 Achter Seminartag ‘Kosovo / Albanien‘ und ‘Aussiedler aus den G.U.S.-Staaten‘
8.3.8.1 Einführung: Kosovo und Albanien
8.3.8.2 Politisches Leben in Albanien
8.3.8.3 Aussiedler aus den G.U.S.-Staaten
8.3.8.4 Integrationsschwierigkeiten von Aussiedler
8.3.8.5 Bilanz der TN zum Seminartag
8.3.9 Neunter Seminartag ‘Seminarabschluß‘
8.3.9.1 Programmpunkt ‘Selbstformulierter Lerntest‘
8.3.9.2 Programmpunkt ‘Rollenspiel‘
8.3.9.3 Programmpunkt ‘Satzergänzung‘
9. Diskussion der Ergebnisse
9.1 Bewertung des Pilotseminars im Kontext interkulturellen Lernens
9.2 Bewertung des Pilotseminars vor dem Hintergrund der Arbeitsplatzanforderungen
10. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Evaluation eines arbeitsplatznahen Fortbildungskonzeptes für Bedienstete des allgemeinen Vollzugsdienstes (AVD) in Nordrhein-Westfalen, das insbesondere interkulturelle Konfliktfelder in Justizvollzugsanstalten adressiert. Ziel ist es, durch die Analyse eines Pilotseminars aufzuzeigen, wie interkulturelle Kompetenz als notwendige Ressource für den Vollzugsalltag implementiert und nachhaltig gefördert werden kann.
Die Bedeutung der Kommunikation im Strafvollzug
Gewalt, Drogen und aufeinanderprallende Kulturen können jeden Tag explodieren. Der Personalrat der JVA Kassel warnt: ‘Die katastrophale Überbelegung mit aggressiver Klientel’ nehme bedrohliche Ausmaße an. [...] Ob Kassel, Berlin-Tegel oder Hamburg, 40 Prozent aller Gefangenen im Bundesschnitt sind Zuwanderer und deren Kinder, Glücksritter, die der Wohlstand anlockte, und kriminelle Kurzbesucher. In Berlin sitzen Gefangene aus 80 Nationen.
In der Hessischen Untersuchungshaftanstalt Weiterstadt hat von fünf Gefangenen nur noch einer einen deutschen Paß. Da hat der Verlegemeister, der sie auf die Zellen verteilt, manche Nuß zu knacken. [...] Oft werden nationale Konflikte mit Faust und Messer ausgetragen. In Berlin haben Russen und Polen den Krieg gegen die türkische Hegemonialmacht begonnen. In Hamburg bildet die PKK ein Machtzentrum.
Und auch der Darmstädter Anstaltsleiter Bickler ist mit ethnischen Charakteristika vertraut: ‘Wenn wir ein Messer finden, dann gehört es fast immer einem Jugoslawen.’ Bickler kennt auch die Nöte seiner Gefangenen in der Fremde. Wie soll er etwa den beiden Indern, die mit großen traurigen Augen in der Zelle sitzen klarmachen, daß sie zwar brave Leute sind, aber trotzdem kein Aufenthaltsrecht in Deutschland haben? Wie soll er dem Mann aus Ghana erklären, daß der weiße Gefangene, der viel mehr auf dem Kerbholz hat, Freigang bekommt, der schwarze aber nicht, weil er in Zukunft nur noch in Afrika spazieren gehen darf? Das kulturstiftende Element in jeder deutschen Vollzugsanstalt ist die Droge.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der interkulturellen Konflikte im Strafvollzug und Vorstellung des Forschungsprojektes UNIvation.
2. Strafvollzug in Nordrhein-Westfalen: Analyse der Struktur des Vollzugs, des AVD und der Belastungssituationen der Bediensteten.
3. Interkulturelles Lernen in einer multikulturellen Gesellschaft: Theoretische Herleitung interkultureller Bildungsansätze und deren Relevanz für die Erwachsenenbildung.
4. Zur Bedeutung von Arbeiten und Lernen in der Weiterbildung: Untersuchung der Verbindung von Lernen und Berufsalltag sowie Konzepte arbeitsplatznaher Weiterbildung.
5. Das Projekt ‘Möglichkeiten interkultureller Weiterbildung im Strafvollzug‘: Skizzierung der Projektinitiative und des Verlaufs zur Entwicklung des Fortbildungskonzepts.
6. Das Konzept des Pilotseminars: Detaillierte Darstellung der didaktischen Planung und der zugrunde liegenden Entscheidungsprozesse.
7. Einleitung des empirischen Teils der Untersuchung: Überleitung zur Evaluationsphase und Begründung des forschungsleitenden Interesses.
8. Evaluation des Pilotseminars aus Sicht der Teilnehmer: Umfassende Dokumentation des Evaluationsdesigns, des Reports zu den Seminartagen und der Auswertung der Ergebnisse.
9. Diskussion der Ergebnisse: Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund von interkulturellem Lernen und arbeitsplatznahen Anforderungen.
10. Ausblick: Formulierungen von Perspektiven für zukünftige interkulturelle Bildungsarbeit und weiterführende Forschungsansätze.
Strafvollzug, interkulturelles Lernen, allgemeiner Vollzugsdienst, Resozialisierung, Erwachsenenbildung, Weiterbildung, Migrationsprozesse, Evaluationsforschung, berufliche Qualifizierung, interkulturelle Kompetenz, Arbeitsplatznähe, Konfliktmanagement, multikulturelle Gesellschaft, Bildungsplanung, empirische Untersuchung.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Erprobung eines interkulturellen Weiterbildungskonzeptes für Beamte des allgemeinen Vollzugsdienstes im Strafvollzug Nordrhein-Westfalens.
Die Schwerpunkte liegen auf der Belastungssituation des Vollzugspersonals, der Zunahme ausländischer Inhaftierter, den Prinzipien des interkulturellen Lernens und der Verbindung von beruflicher Praxis mit Fortbildung.
Ziel ist es, eine Lücke in der bisherigen Fortbildungslandschaft zu schließen, um Bedienstete bei der Bewältigung interkultureller Konflikte im Gefängnisalltag besser zu unterstützen.
Die Untersuchung folgt dem qualitativen Forschungsparadigma und nutzt als Methode die formative Evaluation, insbesondere durch Gruppendiskussionen mit den Teilnehmern des Pilotseminars.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu interkulturellem Lernen und betrieblicher Weiterbildung, die Dokumentation der Projektentwicklung sowie eine detaillierte Auswertung des durchgeführten Pilotseminars.
Die zentralen Schlagworte sind Strafvollzug, interkulturelles Lernen, allgemeiner Vollzugsdienst (AVD) und arbeitsplatznahe Weiterbildung.
Die formative Evaluation ermöglichte es, während des achtwöchigen Seminarverlaufs kontinuierlich Feedback einzuholen und die Lerninhalte sowie Methoden flexibel an die Bedürfnisse der Teilnehmer anzupassen.
Da der Strafvollzug ‘totale Organisation’ ist und Sicherheitsaspekte sowie ethische Grenzen einer direkten Anwendung von ‘on-the-job’-Methoden am unmittelbaren Arbeitsplatz im Weg stehen, musste der Begriff für das Pilotseminar spezifisch adaptiert werden.
Die Teilnehmer äußerten sich überwiegend positiv, besonders hinsichtlich der Wissensvermittlung und der Sensibilisierung für andere Kulturen, kritisierten jedoch teilweise die zeitliche Struktur und die methodische Abstraktion einzelner Einheiten.
Aufgrund ihres hohen Anteils im Strafvollzug in Nordrhein-Westfalen bilden türkische Inhaftierte und die damit verbundenen kulturellen Aspekte (wie z.B. das Verständnis von ‘Ehre’ oder religiöse Praktiken) einen besonderen Schwerpunkt der Weiterbildungsinhalte.
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