Bachelorarbeit, 2020
44 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Soziologische Machttheorien als Analysekategorien
2.1 ‚Macht‘ nach POPITZ
2.2 ‚Gewalt‘ nach REEMTSMA
3 Die Darstellung von Brünhild und Kriemhild im Vergleich
4 Brünhilds Machtbeziehungen
4.1 Brünhild und Gunther
4.2 Brünhild und Siegfried
4.3 Brünhild und Hagen
5 Kriemhilds Machtbeziehungen
5.1 Kriemhild und Siegfried
5.2 Kriemhild und Hagen
6 Brünhilds und Kriemhilds Machtbeziehung
7 Brünhilds und Kriemhilds Macht im Vergleich
7.1 Brünhild und ihre Macht
7.2 Kriemhild und ihre Macht
7.3 Vergleich
8 Fazit
Die Arbeit untersucht die Machtverhältnisse der weiblichen Hauptfiguren Brünhild und Kriemhild im Nibelungenlied anhand soziologischer Macht- und Gewalttheorien. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob sich die Macht der beiden Frauen in einer quasi-chiastischen Struktur verhält – das heißt, ob Kriemhild in dem Maße an Macht gewinnt, wie Brünhild diese verliert, und ob Kriemhild dabei Brünhilds Rolle übernimmt.
4.1 Brünhild und Gunther
Gunther will Brünhild minnen, obwohl er von den aussichtlosen Kämpfen der Werber um Brünhild weiß (NL 329). In der mittelalterlichen Dichtung gebührt dem besten Mann stets die schönste Frau. Wenn Gunther die mächtigste Königin besiegt und sie zur Frau nimmt, lässt ihn dies zum mächtigsten Mann aufsteigen. Gunther will für diese Machtdemonstration sein Leben aufs Spiel setzen (NL 329:3) und entschließt sich für eine Brautwerbungsfahrt nach Island (NL 329). Brünhild verkörpert eine Frau, die bis jetzt jeden Mann besiegt hat. Sie ist überzeugt, auch über Gunther zu siegen, denn sie ist sich ihrer Kraft bewusst (NL 425).
Körperlich ist sie Gunther überlegen und folglich mächtiger als er. Gunthers ursprünglich positives Bild von Brünhild wandelt sich, sobald er sich ihrer Kraft bewusst wird (NL 392, 393:4, 441:4). Brünhild droht, Gunthers Leben zu beenden, wenn er mit ihr in den Kampf treten möchte (NL 423:4). Zugleich verspricht sie ihm ihre Hand als Preis für den Sieg gegen sie (NL 423:3). Die Mischung aus Drohen und Versprechen ist die Äußerung ihrer instrumentellen Macht. Gunther lernt, Brünhild zu fürchten und bereut die Fahrt nach Isenstein (NL 442). Er setzt Brünhild sogar in Bezug zum Teufel (442:1f.), was seine starke Furcht vor ihr betont. Der Sieg über Brünhild wäre, ohne Siegfrieds Hilfe, für Gunther nicht möglich (NL 452:1f.). Hier entsteht ein Bruch, denn der ‚schönsten Frau‘ wird nicht der ‚beste Mann‘ zugeordnet, was später zu Problemen führt. Als Brünhild im Dreikampf besiegt wird, akzeptiert sie ihre Unterlegenheit (NL 466) und fügt sich scheinbar schnell ihrer Rolle als Ehefrau eines Königs (NL 510; 511:3). Obwohl die beiden noch keine Hochzeit gefeiert haben, ist mit Gunthers Gewinn des Kampfes die zukünftige Ehe besiegelt.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung zur Machtdynamik von Brünhild und Kriemhild ein und definiert die zentralen methodischen Ansätze sowie die Arbeitshypothese.
2 Soziologische Machttheorien als Analysekategorien: Vorstellung der theoretischen Grundlagen durch die Machttheorie von Popitz und die Gewalttheorie von Reemtsma als Analyseinstrumente für das Epos.
3 Die Darstellung von Brünhild und Kriemhild im Vergleich: Analyse der einführenden Charakterisierungen beider Frauenfiguren hinsichtlich ihrer Schönheit, Kraft und gesellschaftlichen Rolle.
4 Brünhilds Machtbeziehungen: Untersuchung von Brünhilds Interaktionen mit Gunther, Siegfried und Hagen sowie der daraus resultierenden Machtveränderungen.
5 Kriemhilds Machtbeziehungen: Analyse von Kriemhilds Entwicklung und ihren Machtbeziehungen zu Siegfried und Hagen im Kontext ihrer Racheambitionen.
6 Brünhilds und Kriemhilds Machtbeziehung: Betrachtung der direkten Konfrontation und des Verhältnisses der beiden Frauen zueinander, insbesondere im Königinnenstreit.
7 Brünhilds und Kriemhilds Macht im Vergleich: Zusammenfassender Vergleich der Machtstrukturen, Mittel und der Entwicklung beider Figuren bis hin zu ihrem jeweiligen Ende.
8 Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse, die die quasi-chiastische Machtentwicklung und die Bedeutung von Machtverlust und -gewinn für die Frauenfiguren bestätigen.
Nibelungenlied, Brünhild, Kriemhild, Macht, Gewalt, Gender, Königinnenstreit, Machttheorie, Soziologie, Mittelalter, Siegfried, Gunther, Hagen, Machtbeziehung, Rache
Die Arbeit untersucht die Machtverhältnisse der weiblichen Hauptfiguren Brünhild und Kriemhild im Nibelungenlied und analysiert deren Entwicklung über den Verlauf der Erzählung hinweg.
Im Zentrum stehen die Konzepte von Macht und Gewalt, verknüpft mit den Aspekten von Geschlechterrollen (Gender), gesellschaftlichem Stand und physischer Stärke der Akteurinnen.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob sich die Macht der beiden Frauen in einer quasi-chiastischen Struktur verhält, das heißt, ob Kriemhilds Machtaufstieg mit Brünhilds Machtverlust korrespondiert.
Die Autorin nutzt soziologische Analysekategorien: Die Machttheorie von Heinrich Popitz (insb. "Phänomene der Macht") und die Gewalttheorie von Jan Philipp Reemtsma ("Vertrauen und Gewalt"), um die literarischen Szenen zu interpretieren.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Machtbeziehungen von Brünhild und Kriemhild zu den männlichen Hauptfiguren (Gunther, Siegfried, Hagen) sowie ihre direkte Konfrontation im Königinnenstreit.
Wichtige Begriffe sind Nibelungenlied, Machttheorie, Gender, Königinnenstreit, Gewaltformen und die spezifische Entwicklung von Brünhild und Kriemhild als Machtfiguren.
Brünhild verliert ihre anfängliche Rolle als autonome, physisch überlegene Königin durch ihre Niederlage im Kampf und die Deflorierung, wodurch sie in eine vom Ehemann abhängige Machtposition gedrängt wird.
Der Königinnenstreit markiert den Scheitelpunkt der Machtverhältnisse, nach dem Brünhild als handelnde Figur fast vollständig verschwindet und Kriemhild beginnt, ihre Macht aktiv und dominant einzusetzen.
Der Nibelungenhort fungiert als wesentliches Machtinstrument. Durch dessen Besitz und die großzügige Verwendung des Schatzes kann Kriemhild ihre Macht festigen und ihre Rachepläne gegenüber den Burgunden vorantreiben.
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