Bachelorarbeit, 2013
35 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Der klassische Detektivroman
II.1. Definition des klassischen Detektivromans
II.2. Der Aufbau des klassischen Detektivromans
III. Eine Untersuchung von Il filo dell‘orizzonte
III.1. Il filo dell’orizzonte - Ein klassischer Detektivroman?
III.2. Von der Detektion zur existenziellen Suche
IV. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht Antonio Tabucchis Roman "Il filo dell’orizzonte" hinsichtlich seiner Verwendung, Dekonstruktion und Modifikation der Gattungskonventionen des klassischen Detektivromans. Ziel der Forschungsarbeit ist es zu analysieren, ob und wie der Roman als postmoderne Variante dieses Genres fungiert und inwiefern dabei eine existenzielle Selbstsuche unter dem Deckmantel der Kriminalhandlung verborgen liegt.
III.1. Il filo dell’orizzonte - Ein klassischer Detektivroman?
Der Protagonist in Il filo ist Spino, der als Pathologe eines Leichenschauhauses eines Nachts mit der Leiche eines Mannes konfrontiert wird. Der Tote trägt den offenbar falschen Namen „Carlo Nobodi“ und scheint identitätslos zu sein. Es wird angenommen, dass er in einer Schießerei gestorben ist, nachdem die Polizei in eine Wohnung von vermutlich Kriminellen eindringen wollte und die Bewohner daraufhin das Feuer eröffneten. Nachdem Spino des Desinteresse der Behörden am Toten bemerkt, begibt er sich auf die Suche nach der Vergangenheit und der Identität des rätselhaften Fremden -dies wird dem Rezipienten zumindest suggeriert. Nach Spinos ersten Nachforschungen, die zu keinen Ergebnissen führen, erhält er plötzlich geheimnisvolle Hinweise, die ihn an immer neue Orte führen. Dem Rezipienten bleiben der Hintergrund und Inhalt dieser Hinweise verborgen, weshalb sich für ihn immer neue Fragen auftun, die jedoch auf keine Auflösung zuzulaufen scheinen. Antworten verschieben sich, je näher man ihnen zu kommen glaubt -wie die Linie des Horizonts.
Zunächst beginnt Il filo gattungstypisch mit der Darstellung des Endes einer Verbrechensgeschichte (vgl. Kapitel II.2), nämlich mit der Einlieferung eines Toten in ein Leichenschauhaus. Außer einem falschen Namen ist jedoch nichts über dessen Identität, Herkunft oder Todesumstände bekannt. Ferner legt der Name des Toten „Carlo Nobodi“, der auf das englische Wort „nobody“, (dt. ‚niemand‘) referiert, nahe, dass dessen Identität ungewiss und er im weitesten Sinne ein „Niemand“ bleiben könnte. Dies widerspricht dem klassischen Detektivroman, in dem das Opfer von Anbeginn bekannt ist. Trotz der unbekannten Fakten hat für Spino alles „un’evidenza definitiva“ (Il filo, S. 20), was dem Rezipienten zunächst suggeriert, dass der Tod und die Identität des Unbekannten im Handlungsverlauf aufgeklärt werden.
I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk "Il filo dell’orizzonte" ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Umgang mit den Gattungskonventionen des Detektivromans.
II. Der klassische Detektivroman: Dieses Kapitel definiert den Begriff des klassischen Detektivromans und erläutert dessen typische Strukturen und Elemente als Vergleichsmaßstab.
III. Eine Untersuchung von Il filo dell‘orizzonte: Das Hauptkapitel vergleicht die im Roman genutzten Erzählstrategien mit denen des klassischen Detektivromans und deckt die existenzielle Tiefe hinter der Kriminalhandlung auf.
IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Tabucchi das Genre des Detektivromans dekonstruiert, um eine metaphysische und existenzielle Reflexion zu ermöglichen.
Antonio Tabucchi, Il filo dell’orizzonte, Detektivroman, Gattungskonventionen, Postmoderne, Existenzielle Suche, Intertextualität, Unbestimmtheitsstellen, Dekonstruktion, Identität, Metaebene, Kriminalliteratur, Metafiktion, Narratologie, Spinoza.
Die Arbeit analysiert, wie Antonio Tabucchi in seinem Roman "Il filo dell’orizzonte" die Strukturen eines klassischen Detektivromans aufgreift, ironisiert und schließlich dekonstruiert.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Spannung zwischen Gattungskonventionen, dem Spiel mit Erwartungshaltungen des Lesers, der Bedeutung von Intertextualität und der existenziellen Selbstsuche des Protagonisten.
Es soll aufgezeigt werden, dass der Roman keine klassische Kriminalgeschichte erzählt, sondern den Rahmen des Detektivromans nutzt, um tiefere philosophische Fragen über Identität und die Mehrdeutigkeit des Lebens zu behandeln.
Die Arbeit verwendet literaturwissenschaftliche Gattungsanalyse, Textanalyse und den Vergleich mit klassischen Modellen der Detektivliteratur sowie postmodernen Erzählstrategien.
Der Hauptteil analysiert, wie der Roman durch elliptisches Erzählen, den Einsatz von "Unbestimmtheitsstellen" und die Verweigerung einer Auflösung des Kriminalfalls den Leser in einen aktiven, aber letztlich im Unklaren bleibenden Suchprozess einbindet.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Postmoderne, Dekonstruktion, existenzielle Suche, Intertextualität, Metaebene und die Gattungskritik des Detektivromans.
Der "Deckmantel" bezeichnet die bewusste Nutzung der klassischen Detektivstruktur als Vorwand, um eine eigentlich existenzielle Suche nach Selbsterkenntnis und Identität zu tarnen.
Das offene, ambigue Ende, in dem der Protagonist im Dunkeln verschwindet, unterstreicht die Absage des Autors an eine logische, abgeschlossene Auflösung und spiegelt die Unzugänglichkeit existenzieller Wahrheit wider.
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