Examensarbeit, 2005
75 Seiten, Note: 1,6
Einleitung
1. Die Wunderüberlieferung in den Evangelien
1.1 Wesentliche Aspekte der neutestamentlichen Wundergeschichten
1.2 Zum Wirklichkeitsverständnis von Wundergeschichten
2. Kindliches Wunderverständnis
2.1 Religiöse (Vor-)Erfahrungen
2.2 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
2.2.1 Die kognitiven Entwicklungsstadien – Jean Piaget
2.2.2 Die Entwicklung des moralischen Urteils – Lawrence Kohlberg
2.2.3 Die Stufen des religiösen Urteils – Fritz Oser / Paul Gmünder
2.2.4 Die Stufen des Glaubens – James W. Fowler
2.3 Schlussfolgerungen für die Thematisierung von Wundergeschichten in der Grundschule
3. Wundergeschichten in der Grundschule
3.1 Gegner der Thematisierung der Wundergeschichten in der Grundschule
3.2 Befürworter der Thematisierung der Wundergeschichten in der Grundschule
3.3 Didaktische Umsetzungsmöglichkeiten
3.3.1 Wundergeschichten als Glaubensgeschichte
3.3.2 Wundergeschichten als Handlungsanweisungen
3.3.3 Wundergeschichten als Hoffnungsbilder
4. Exemplarische Darstellung didaktischer Umsetzungsmöglichkeiten anhand der Bartimäusgeschichte in Mk 10, 46-52
4.1 Exegetischer Hintergrund
4.2 Didaktische Aspekte
4.2.1 Die Bartimäusgeschichte als Glaubensgeschichten
4.2.2 Die Bartimäusgeschichte als Handlungsanweisungen
4.2.3 Die Bartimäusgeschichte als Hoffnungsbilder
5. Schlussbetrachtung
Die Arbeit befasst sich mit der religionspädagogischen Kontroverse um die Behandlung von Wundergeschichten in der Grundschule. Das Ziel ist es, unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Voraussetzungen und fachwissenschaftlicher Erkenntnisse didaktische Wege aufzuzeigen, wie diese Texte für Kinder erschlossen werden können, ohne sie einseitig zu instrumentalisieren oder ein verzerrtes Gottesbild zu fördern.
Die Wunderüberlieferung in den Evangelien
Die neutestamentlichen Wundergeschichten machen zu einem großen Teil die erzählende Jesusüberlieferung aus und bilden somit die häufigste Überlieferungsform. Noch nicht einmal von den Gleichnissen werden sie zahlenmäßig übertroffen. Nun darf jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass die Wunder Jesu, wie wir sie heute vorliegen haben, so auch wirklich stattfanden. Es ist vielmehr zu berücksichtigen, dass sie einer mehrere Jahrzehnte andauernden mündlichen Überlieferung unterworfen waren, bevor sie erstmals schriftlich fixiert wurden und später Einzug in die Evangelien erhielten. Um die ursprüngliche Form der Wundergeschichten zu ermitteln, ist es von Bedeutung, verschiedene Gesetzmäßigkeiten der Überlieferungsgeschichte zu beachten.
So lässt sich beispielsweise feststellen, dass die Texte während der mündlichen, aber auch noch während der schriftlichen Überlieferung sekundär erweitert, ausgestaltet oder sogar neugebildet wurden. Bevorzugt kommt es hier zu einer „Steigerung des wunderhaften Elements“. Liegen mehrere Versionen eines Textes vor, ist in der Regel die kürzere, weniger wunderhafte Form als die ursprüngliche zu werten. Auch das Entstehen von Dubletten oder Varianten und die Umgestaltung einiger Bildworte Jesu zu Wundererzählungen sind als typische Gesetzmäßigkeiten der Wunderüberlieferungen zu nennen. Ebenso spielen bekannte antike Wundergeschichten für den Überlieferungsprozess eine Rolle. Die dort verwendeten Motive wurden teilweise auf Jesus übertragen. Des Weiteren muss damit gerechnet werden, dass zum Teil ganze Wundergeschichten Jesus zugeschrieben wurden – beispielsweise um die Wunder der alttestamentlichen Propheten zu übertreffen.
Betrachtet man die Wunderüberlieferung Jesu in der uns vorliegenden Fassung in den Evangelien, so lassen sich diese der Form nach in drei Kategorien unterteilen: In Logien, Einzelerzählungen und Summarien. Unter Logien werden die Geschichten zusammengefasst, die Aussprüche Jesu enthalten, in denen er zu seinen Wundern Stellung bezieht. Einzelerzählungen sind ausführlicher gestaltete, einzeln stehende Wundergeschichten. Summarien stellen Sammelberichte verschiedener Wundertaten dar, die durch die Evangelisten zusammengefasst wurden.
Die Wunderüberlieferung in den Evangelien: Dieses Kapitel erarbeitet die fachwissenschaftlichen Grundlagen der neutestamentlichen Wunderberichte, ihre Entstehung und ihre gattungsspezifische Einordnung.
Kindliches Wunderverständnis: Hier werden die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen von Grundschulkindern analysiert, um zu verstehen, wie diese biblische Texte und Wunderereignisse kognitiv und religiös einordnen.
Wundergeschichten in der Grundschule: Dieses Kapitel stellt die fachdidaktische Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern der Thematisierung von Wundern im Grundschulalter dar und führt in drei grundlegende didaktische Konzepte ein.
Exemplarische Darstellung didaktischer Umsetzungsmöglichkeiten anhand der Bartimäusgeschichte in Mk 10, 46-52: Das Kapitel wendet die zuvor erläuterten didaktischen Konzepte praktisch auf die Bartimäusgeschichte an, inklusive exegetischer Hintergründe und einer kritischen Reflexion der Unterrichtsentwürfe.
Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Thematisierung von Wundergeschichten in der Grundschule sinnvoll ist, sofern sie die kindlichen Verstehensvoraussetzungen ernst nimmt und die Texte als Hoffnungsbilder erschließt.
Wundergeschichten, Grundschule, Religionspädagogik, Jesus Christus, Bartimäusgeschichte, Entwicklungspsychologie, Jean Piaget, James W. Fowler, Ingo Baldermann, Glaubensgeschichte, Handlungsanweisung, Hoffnungsbilder, Religionsunterricht, Exegese, biblische Didaktik.
Die Arbeit untersucht die didaktische Berechtigung und methodische Umsetzung der Behandlung neutestamentlicher Wundergeschichten im Religionsunterricht der Grundschule unter Berücksichtigung der kindlichen Entwicklung.
Zentrale Felder sind die biblische Exegese der Wunderberichte, entwicklungspsychologische Theorien zur kindlichen Religiosität sowie die didaktische Kontroverse um die Wunderdidaktik.
Die Hauptfrage ist, ob und wie Wundergeschichten in der Grundschule thematisiert werden können, ohne bei den Schülern Missverständnisse hinsichtlich der Historizität oder des Gottesbildes zu erzeugen.
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um fachwissenschaftliche und religionspädagogische Positionen zusammenzuführen und diese kritisch auf die Planung von Unterrichtseinheiten zu beziehen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch psychologische Entwicklungsmodelle sowie die praktische exemplarische Darstellung anhand der Bartimäusgeschichte (Mk 10, 46-52).
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wunderdidaktik, Kindertheologie, entwicklungspsychologische Voraussetzungen, Identifikationsmöglichkeiten und Hoffnungsgeschichten charakterisiert.
Die Geschichte wird als besonders geeignet angesehen, da sie Identifikationspotential bietet und die Kluft zwischen Glaubensbotschaft und Wahrheitsgehalt bei Heilungswundern weniger problematisch erscheint als bei anderen Wundertypen.
Baldermanns Ansatz der „Hoffnungsbilder“, der Wundergeschichten über die Sprache der Klagepsalmen erschließt, wird als qualitativ hochwertiger Weg zur Vermeidung der historischen Tatsachenfrage hervorgehoben.
Die Autorin kritisiert Entwürfe, die Kindern einseitige Deutungsmuster aufzwingen, den Nachfolgegedanken vernachlässigen oder die biblische Sprache als "wörtlich" statt mehrdimensional behandeln.
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