Diplomarbeit, 2006
103 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Die generelle Beziehung von Politikern und Politikberatern
1.1. Ziele und Restriktionen von Politikern
1.2. Ziele und Restriktionen von Politikberatern
1.3. Fazit
2. Die deutsch-deutsche Währungsunion
2.1. Das Tempo der Währungsunion
2.1.1. Stufenweise Einführung
2.1.2. Stichtagsregelung
2.1.3. Kritische Würdigung der Beratungsleistung
2.2. Die Höhe des Wechselkurses
2.2.1. Wechselkurs 2:1
2.2.1.1. Bestandsgrößen
2.2.1.2. Stromgrößen
2.2.2. Wechselkurs 1:1
2.2.2.1. Bestandsgrößen
2.2.2.2. Stromgrößen
2.2.3. Kritische Würdigung der Beratungsleistung
2.3. Fazit
3. Die Arbeitsmarktpolitik
3.1. Grundsätzliche Ausgestaltung der Lohnpolitik
3.1.1. Differenzierung der Lohnentwicklung
3.1.2. Kritische Bewertung der Beratungsleistung
3.1.3. Implikationen der Tarifpolitik
3.2. Interventionistische Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik
3.2.1. Kapitalsubventionen
3.2.2. Offene Lohnsubventionen
3.2.3. ABS-Gesellschaft
3.2.4. Kritische Würdigung der Beratungsleistung
3.3. Fazit
4. Die sozialen Sicherungssysteme
4.1. Alterssicherung
4.1.1. Ökonomische Bewertung
4.1.2. Kritische Würdigung der Beratungsleistung
4.2. Gesundheit
4.2.1. Ökonomische Bewertung
4.2.2. Kritische Würdigung der Beratungsleistung
4.3. Fazit
5. Die Finanzierung der Einheit und Privatisierung des Produktivvermögens
5.1. Die Finanzierung der deutschen Wiedervereinigung
5.1.1. Ökonomische Bewertung
5.1.2. Kritische Würdigung der Beratungsleistung
5.2. Privatisierung und Treuhandanstalt
5.2.1. Ökonomische Bewertung
5.2.2. Kritische Würdigung der Beratungsleistung
5.3. Fazit
6. Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht die Qualität und den Einfluss der wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung während des deutschen Wiedervereinigungsprozesses zu Beginn der 90er Jahre. Dabei wird analysiert, inwieweit Ökonomen in der Lage waren, problematische Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren, und ob ihre Beratung in den Feldern Währungsunion, Arbeitsmarkt, soziale Sicherung und Privatisierung tatsächlich die politische Entscheidungsebene beeinflussen konnte oder ob Beratungsresistenz bzw. -insuffizienz dominierten.
Die Ausgangslage im Jahr 89/90
Das Problem im wirtschaftlichen System der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war insbesondere die starre Zentralverwaltungswirtschaft, die keinen Raum für private Initiative und Investitionen lies. Eine staatliche Mengenplanung kombiniert mit einem Mengensystem war die Produktionsvorgabe, wobei privates Eigentum als Produktionsmittel grundsätzlich abgeschafft worden war.
Auch das ostdeutsche Kreditsystem war in keiner Weise darauf ausgelegt, private Ersparnisse in effizienten Investitionen anzulegen. Märkte für Risikokapital und Obligationen existierten gar nicht.
Darüber hinaus stand die Gestaltung des Staatshaushaltes einer effizienten Verwendung von Ressourcen entgegen, da durch das System des Betriebsausgleichs eine Kompensation der Verluste der Betriebe durch öffentliche Mittel gewährleistet wurde, so dass zwischen den inländischen Unternehmen kein Wettbewerb herrschte. Auch gegenüber ausländischen Unternehmen wurde ein Wettbewerb durch staatliche Reglementierung unterbunden und der Außenhandel mit Ländern des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) durch staatliche Anordnungen gewährleistet.
Weiterhin fehlte es in der DDR an freien Märkten, so dass Preisrelationen nicht den Knappheitsverhältnissen entsprachen. Vielmehr wurden Preise durch den Versuch, wirtschafts- und sozialpolitische Ziele parallel zu verfolgen, zusätzlich verzerrt. Damit lieferten diese weder über individuelle Wünsche oder reale Kostenverhältnisse Auskunft, noch waren sie als Lenkungssignale für die Verwendung von Ressourcen zu gebrauchen. Ergo konnten sie auch keine Signale zur Umschichtung knapper Mittel oder Investitionen geben. Als ebenso prekär war die Lohnstruktur der DDR zu betrachten, da hier höhere Leistung nicht entsprechend mit höherem Einkommen entlohnt wurde und somit die Anreizstrukturen nicht den wirtschaftlichen Erfordernissen entsprachen.
Einleitung: Die Arbeit erläutert die wirtschaftliche Ausgangslage der DDR und stellt die theoretische Beziehung zwischen Politik und wissenschaftlicher Beratung zur Diskussion.
1. Die generelle Beziehung von Politikern und Politikberatern: Es wird das Spannungsfeld zwischen der rationalen Wirtschaftspolitik-Theorie und der politischen Realität, in der individuelle Machtinteressen die Beratung beeinflussen, aufgezeigt.
2. Die deutsch-deutsche Währungsunion: Dieses Kapitel behandelt die kontroverse Debatte um Tempo und Wechselkurs der Währungsumstellung und kritisiert die vorwiegend politisch motivierten Entscheidungen.
3. Die Arbeitsmarktpolitik: Der Fokus liegt hier auf den fatalen Lohnsteigerungen und der Ineffektivität der diskutierten Subventionsmodelle als Reaktion auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch im Osten.
4. Die sozialen Sicherungssysteme: Die reine Übernahme westlicher Systeme ohne notwendige Reformen wird als Beleg für eine Beratungsinsuffizienz gegenüber dem demografischen Druck bewertet.
5. Die Finanzierung der Einheit und Privatisierung des Produktivvermögens: Das Kapitel analysiert die Fehlkalkulationen bei den Kosten der Einheit und die Schwierigkeiten der Treuhandanstalt bei der Privatisierung unter rechtlich-historischen statt ökonomisch-funktionellen Vorgaben.
6. Schlussbemerkung: Der Autor resümiert, dass Beratungsinsuffizienzen der Ökonomen und eine beratungsresistente Politik das Ergebnis der wirtschaftlichen Integration maßgeblich negativ beeinflussten.
Wiedervereinigung, Währungsunion, Politikberatung, Treuhandanstalt, Arbeitsmarktpolitik, Lohnsubventionen, Transformation, Sozialsysteme, Privatisierung, ökonomische Bewertung, Reformen, Transformationsprozess, Wirtschaftsreform, Kapitalrendite, Produktivvermögen.
Die Diplomarbeit untersucht die Qualität und den Einfluss der wirtschaftswissenschaftlichen Beratung bei den zentralen Weichenstellungen der deutschen Wiedervereinigung zu Beginn der 90er Jahre.
Die Arbeit analysiert die Währungsunion, die Arbeitsmarktpolitik, den Aufbau der sozialen Sicherungssysteme sowie die Finanzierung der Einheit und die Privatisierung durch die Treuhandanstalt.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob die politikberatenden Ökonomen den Prozess konstruktiv begleiten konnten oder ob ihre Ratschläge aufgrund politischer Resistenz oder eigener inhaltlicher Defizite wirkungslos blieben.
Es handelt sich um eine institutionenökonomische Analyse, die Expertenmeinungen, Gutachten und wirtschaftspolitische Entscheidungen der damaligen Zeit reflektiert und in den Kontext der Politikberatung setzt.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Debatten um den Wechselkurs zur D-Mark, die Konsequenzen der Lohnangleichung an das westdeutsche Niveau sowie die kontroversen Ansätze zur Sanierung ostdeutscher Betriebe.
Die zentralen Charakteristika sind die Analyse von Transformationsfehlern, die Kritik am Primat der Politik und die wissenschaftliche Aufarbeitung der Beratungsinsuffizienz im Vereinigungsprozess.
Die Währungsunion diente primär als politisches Instrument zur schnellen Wiedervereinigung und zur Eindämmung des Abwanderungsstroms in den Westen, oft gegen ökonomische Warnungen.
Der Autor beurteilt die Arbeit der Treuhandanstalt retrospektiv als relativ erfolgreich im Hinblick auf das enorme Volumen und das Tempo, auch wenn die Verkaufserlöse nicht den hohen Erwartungen entsprachen.
Sie wurden von der Mehrheit der Ökonomen als ordnungspolitisch schädlich angesehen, da sie die strukturelle Erneuerung behindert, Fehlallokationen gefördert und Gewerkschaften von ihrer beschäftigungspolitischen Verantwortung entbunden hätten.
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