Examensarbeit, 2004
90 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
2. Analysegrundlagen
2.1 Empirische Untersuchung
2.2 SMS – Korpus
3. SMS – Short Message Service
3.1 Technische Realisierung
3.2 Texteingabe per Handy
3.3 Motivation der SMS-Nutzung
3.4 SMS-Kontaktpartner
3.5 Ausnutzung der 160 Zeichen
4. SMS und Telegramm als Textkurzformen
4.1 SMS – Ein Text
4.2 Medialer Vergleich von SMS und Telegramm
5. Kommunikationsorientierte Textanalyse von SMS
5.1 Klassifikation von Textsorten
5.2 Kommunikative Funktionen von SMS
5.2.1 Kodierung des Korpus
5.2.2 Kontaktfunktion
5.2.3 Informationsfunktion
5.2.4 Obligationsfunktion
5.2.5 Appellfunktion
5.2.6 Deklarationsfunktion
6. SMS – Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit
7. Sprachliche Strukturen von SMS
7.1 Orthographie
7.2 Großschreibung und Kleinschreibung
7.3 Interpunktion
7.4 Graphostilistische Besonderheiten
8. Kurzformen in der SMS-Kommunikation
8.1 Syntaktische Kurzformen
8.2 Lexikalische Kurzformen
8.2.1 Differenzierung von Kurzwort und Abkürzung
8.2.2 Kurzwörter – Eine Typologie
8.2.3 Abkürzungen als Kurzformen
8.3 Tilgung, Assimilation und Reduktion
9. Methodik der Kürzungen - Zur Existenz einer allgemeinen Norm
10. Beeinträchtigung der Kommunikation durch Kurzformen
10.1 Produktion und Rezeption von SMS-Texten
10.2 Auswirkungen von Kurzformen auf das Textverständnis
11. Resümee und Ausblick
Diese Arbeit untersucht die kommunikativen und sprachlichen Merkmale von Kurzmitteilungen (SMS). Das primäre Ziel ist es, das SMS-Nutzungsverhalten zu analysieren, sprachliche Strukturen und Kürzungsprozesse zu identifizieren und die Frage zu klären, ob für die SMS-Kommunikation eine allgemeine, feste Norm existiert oder ob es sich um eine informelle Kommunikationsform handelt, die stark durch mediale Bedingungen wie Sprachökonomie geprägt ist.
4.2. Medialer Vergleich von SMS und Telegramm
Der Vergleich von SMS und Telegramm zeigt zunächst bestimmte Gemeinsamkeiten. Beide Kommunikationsformen sind kurz gefasst und auf eine bestimmte Anzahl von Zeichen begrenzt, wobei beim Telegramm nach Wörtern, bei der SMS nach Zeichen abgerechnet wird. Ein kostengünstiges Telegramm umfasst ungefähr 20 Wörter, eine Kurznachricht 160 Zeichen, wobei die Kosten für eine SMS wesentlich geringer als für ein Telegramm sind. Des Weiteren ist der Inhalt beider Nachrichtenformen für Außenstehende oft unverständlich, da diese die vorangegangene Kommunikation nicht kennen. Schwitalla (2002) sieht eine weitere Gemeinsamkeit von Telegramm und SMS darin, dass „in beiden Medien (…) Sender auf präfabrizierte Texte zurückgreifen (können): für wiederkehrende geschäftliche Mitteilungen gab es Codelisten; für SMS-Fans gibt es Sammlungen von Sprüchen und Abkürzungen“.
Es existieren jedoch auch wesentliche mediale Unterschiede zwischen den beiden Textformen. Der Versand eines Telegramms bedeutete im Gegensatz zur SMS einen erheblichen Zeitaufwand. Man musste zum Postamt gehen, um das Telegramm aufzugeben, und dieses wurde dann per Boten dem Empfänger zugestellt. Der Versand und Empfang von SMS hingegen ist nicht örtlich gebunden und jederzeit und überall möglich.
Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass beim Versand einer SMS der Text durch elektromagnetische Wellen codiert und über eine zwischengeschaltete Sendezentrale direkt an den Empfänger gesendet wird. Dadurch ist der Inhalt der Nachricht für Dritte nicht zugänglich und die Anonymität persönlicher Kommunikation gewahrt. Ein Telegramm aber wurde grundsätzlich von mehreren Personen gelesen. Der Angestellte am Postschalter gab es zunächst an den Telegrafisten weiter, der es manuell über die Morsetaste sendete. Der empfangende Telegrafist übersetzte die Punkt-Strich-Abfolge dann wieder in Buchstaben und schrieb das Telegramm nieder. Daher war die Geheimhaltung des Textes unmöglich. Für Schwitalla (2002) ist die Abschirmung des Textes gegen Außenstehende bei der SMS-Kommunikation ein entscheidender Vorteil gegenüber der Telegrafie, ein „medialer Gewinn für die private Sphäre“: „In öffentlichen Räumen schafft man sich mit SMS-Botschaften sozusagen Inseln des Privaten. In Zügen kann man z.B. oft beobachten, wie jemand ganz versunken und lächelnd seinen / ihren Text ins Handy eingibt.“
1. Einführung: Hinführung zur Thematik der mobilen Kommunikation und Erläuterung der Bedeutung der SMS als Forschungsgegenstand.
2. Analysegrundlagen: Darstellung der methodischen Basis durch eine Umfrage unter Studenten der Universität Regensburg und die Vorstellung eines SMS-Korpus mit 183 Nachrichten.
3. SMS – Short Message Service: Erläuterung der technischen Funktionsweise, der Motivation der Nutzer zur SMS-Kommunikation sowie der Kontaktpartner-Struktur.
4. SMS und Telegramm als Textkurzformen: Gegenüberstellung von SMS und Telegramm als mediale Kurzformen unter besonderer Berücksichtigung ihrer textuellen Definition und Geheimhaltung.
5. Kommunikationsorientierte Textanalyse von SMS: Klassifikation von Textsorten nach Brinker und Analyse der kommunikativen Funktionen wie Kontakt-, Informations- und Appellfunktion im Korpus.
6. SMS – Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Untersuchung der konzeptionellen Mündlichkeit in den medial schriftlich realisierten SMS-Texten.
7. Sprachliche Strukturen von SMS: Detaillierte Analyse von Orthographie, Interpunktion und graphostilistischen Elementen wie Smileys.
8. Kurzformen in der SMS-Kommunikation: Kategorisierung und Analyse syntaktischer und lexikalischer Kürzungen, unterteilt in Kurzwörter und verschiedene Abkürzungstypen.
9. Methodik der Kürzungen - Zur Existenz einer allgemeinen Norm: Diskussion über die Existenz systematischer Regeln oder einer allgemeinen Norm bei der Erstellung von SMS-Kürzungen.
10. Beeinträchtigung der Kommunikation durch Kurzformen: Untersuchung der Produktion und Rezeption von SMS-Texten sowie der potenziellen Risiken für das Textverständnis durch starke Sprachökonomie.
11. Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und ein Blick auf die Entwicklung des Mediums hin zu MMS und multimedialen Diensten.
SMS, Kurzmitteilungen, Sprachökonomie, Textanalyse, Kommunikationsfunktion, Kurzwörter, Abkürzungen, Medialität, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Mobilfunktechnologie, Korpusanalyse, Textverständnis, Kürzungsmethoden, SMS-Nutzung.
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse des Mediums SMS. Dabei stehen sowohl die kommunikativen Funktionen der Kurzmitteilungen als auch die spezifisch sprachlichen Strukturen und Kürzungsprozesse im Zentrum der Betrachtung.
Die zentralen Felder umfassen die mediale Einordnung der SMS, ihre Klassifikation als Textsorte, die Analyse von Sprachökonomie (Kürzungen), die Verwendung von Smileys und die Untersuchung der syntaktischen sowie lexikalischen Besonderheiten.
Ziel ist es zu untersuchen, wie das Medium SMS genutzt wird, welche sprachlichen Merkmale bei den Kurzmitteilungen dominieren und ob eine allgemeine, verbindliche Norm für die beobachteten Kürzungen existiert.
Die Arbeit basiert auf einem explorativen Korpus von 183 authentischen SMS sowie einer empirischen Umfrage unter Studierenden der Universität Regensburg, deren Daten statistisch ausgewertet wurden.
Der Hauptteil analysiert die technische Realisierung, klassifiziert Textsorten nach funktionalen Modellen, untersucht das Spannungsfeld zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit und kategorisiert syntaktische sowie lexikalische Kurzformen akribisch.
Wichtige Begriffe sind SMS, Sprachökonomie, Abkürzung, Kurzwort, Textverständnis, konzeptionelle Mündlichkeit und die verschiedenen kommunikativen Funktionen wie Kontakt- und Informationsfunktion.
Obwohl SMS medial schriftlich realisiert werden, sind sie konzeptionell stark mündlich geprägt, was sich in der Verwendung von Dialekt, umgangssprachlichen Elementen und der informellen Struktur zeigt.
Die Autorin stellt fest, dass Kürzungen in der Regel nicht zu einer gravierenden Beeinträchtigung der Kommunikation führen, da der Kontext und das gemeinsame Kommunikationswissen der Gesprächspartner das Entschlüsseln der Botschaften in den meisten Fällen erleichtern.
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