Magisterarbeit, 2004
152 Seiten, Note: sehr gut
1. Psychischer Zwang - ein pathologisches Phänomen
1.1 Epidemiologie, Prävalenz und transkultureller Vergleich
1.2 Inzidenz und Verlauf
1.3 Ätiologieforschung
1.3.1 Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren
1.3.2 Zwangsspektrumstörungen und Komorbiditäten
1.3.3 Ätiologiemodelle
1.3.3.1 Neurobiologische Erklärung
1.3.3.2 Lerntheoretische Erklärung
1.3.4 Die neobiologistische Wende in der Psychiatrie und ihre Folgen
2. Psychodynamische Erklärung
2.1 Der Zwang als lebenserhaltendes Prinzip – ein ideengeschichtlicher Hintergrund
2.2 Neurose
2.2.1 Historische Anmerkungen zum Neurosenbegriff
2.2.2 Der Neurosenbegriff Sigmund Freuds
2.3 Die Zwangsneurose - ein Konfliktmodell
2.3.1 Psychogenese
2.3.2 Pathogenese und Psychodynamik
2.3.2.1 Der ödipale Konflikt und die Abwehrmechanismen des Ichs bei der Zwangsneurose
2.3.2.2 Die anal-sadistische Stufe als Ausgangsbasis normaler und pathologischer Entwicklung: Analcharakter, Zwangscharakter und Zwangsneurose
2.3.2.3 Der Konflikt zwischen den Instanzen
2.3.2.4 Symptomatologie
2.4 Konflikt versus strukturelle Mängel
2.5 Diagnose und Differentialdiganose der Zwangsstörung/Zwangsneurose
2.6 Zur Frage eines Symptomwandels bei Zwangserscheinungen
2.7 Die Bedeutung der Somatogenese in dem multifaktoriellen Bedingungsgefüge von Zwangserkrankungen aus psychoanalytischer Sicht
3. Schlussfolgerungen
Diese Arbeit untersucht den psychischen Zwang als pathologisches Phänomen und analysiert schwerpunktmäßig dessen Psychodynamik aus psychoanalytischer Sicht. Ziel ist es, das klassische Konfliktmodell der Zwangsneurose anhand der Schriften Sigmund Freuds zu erläutern und mit dem aktuellen Stand der Forschung zu verbinden, um die autoprotektive Funktion des Zwangs als Sicherung menschlicher Existenz zu verstehen.
Die Allmacht der Gedanken und der Aberglaube des Zwangsneurotikers
Fenichel spricht beim Zwangsneurotiker von einer Überbewertung des Intellekts. Seine Intelligenz trage allerdings archaische Züge. Freud war beim Rattenmann eine hohe Intelligenz aufgefallen. Dieser hochgebildeter Mann schwankte zwischen logischem und abergläubischem Denken. Obwohl er den Aberglauben zu Zeiten für Plunder hielt und einen Zusammenhang mit dem Zwang erahnte, habe er sich „zuzeiten voll zu ihm bekannt.“ Den Begriff „Allmacht der Gedanken“ hatte er von diesem Patienten übernommen und als Boden dieses Phänomens das Eingestehen eines „alten Kindergrößenwahnes“ erkannt. Von den gleichen Voraussetzungen geht auch Fenichel aus, der vom Aberglauben als Folge eines „gesteigerten Narzißmus“ schreibt und ihn ebenfalls als Ausdruck einer Wiedererrichtung infantiler Allmachtsvorstellungen ansieht. Zu der „Allmacht der Gedanken“ tritt nach Aussagen Freuds der Glaube an die Allmacht der Emotionen, der Liebe und vor allem des Hasses hinzu. Der übermächtige Hass ist für ihn das Ausschlaggebend. Liebe und Hass werden in ihrer Wirkung auf die Außenwelt überschätzt, weil dem Zwangsneurotiker zu den unbewussten Emotionen kein bewusster Zugang möglich ist. Die „Allmacht der Gedanken“ ist demnach als eine „Überschätzung der seelischen Vorgänge gegen die Realität“ zu betrachten, und diese Überschätzung bestimmt das „Affektleben des Neurotikers.“
1. Psychischer Zwang - ein pathologisches Phänomen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Epidemiologie, Prävalenz und Inzidenz sowie über verschiedene ätiologische Erklärungsmodelle (neurobiologisch, lerntheoretisch) des psychischen Zwangs.
2. Psychodynamische Erklärung: Hier wird der Zwang aus psychoanalytischer Perspektive als Ausdruck eines unbewussten Konflikts beleuchtet, wobei zentrale Begriffe wie Neurose, die Instanzenlehre (Es, Ich, Über-Ich) und das Konfliktmodell zentral sind.
3. Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über die Psychodynamik von Zwängen zusammen und diskutiert die Notwendigkeit, unterschiedliche psychoanalytische Erklärungsansätze bei der Behandlung zu berücksichtigen.
Zwangsneurose, Zwangsstörung, Psychoanalyse, Psychodynamik, Ödipuskomplex, Abwehrmechanismen, Anal-sadistische Stufe, Ich-Struktur-Störung, Ambivalenz, Allmacht der Gedanken, Triebtheorie, Verdrängung, Regression, Symptomatologie, Triebentmischung.
Die Arbeit untersucht den psychischen Zwang als pathologische Erscheinung und stellt die psychoanalytische Sichtweise, insbesondere das Konfliktmodell, in das Zentrum der Analyse.
Thematisiert werden neben der Epidemiologie und den aktuellen Erklärungsmodellen vor allem die psychodynamischen Hintergründe, die Bedeutung des Unbewussten und die Entstehung von Zwangssymptomen.
Das primäre Ziel ist es, die Ätiologie von Zwangserscheinungen schwerpunktmäßig aus psychoanalytischer Sicht zu erhellen und die Funktion des Zwangs als Sicherung der menschlichen Existenz zu erörtern.
Die Arbeit nutzt das klassische psychoanalytische Konfliktmodell sowie aktuelle Erkenntnisse der Familienforschung, der Neurobiologie und der Lerntheorie zur Einordnung.
Der Hauptteil widmet sich der psychodynamischen Erklärung, der Analyse von Freuds Schriften zur Zwangsneurose, den Abwehrmechanismen sowie dem Vergleich zwischen Konfliktmodell und strukturellen Mängeln.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Zwangsneurose, Trieb-Abwehr-Konflikt, anal-sadistische Stufe, Ich-Struktur und Autoprotektion aus.
Der „frühe Anankasmus“ wird als Zwangssyndrom auf niedrigerem Strukturniveau betrachtet, das eher als Kompensationsversuch bei strukturellen Mängeln oder Ich-Störungen zu verstehen ist, während die klassische Zwangsneurose ein höheres Ich-Niveau voraussetzt.
Das Konzept der „Allmacht der Gedanken“ erklärt, warum Zwangsneurotiker eine Überwertigkeit des Denkens gegenüber dem Handeln erleben, was zentral für die Entstehung von Zwangsgedanken und die Stabilisierung des zwanghaften Systems ist.
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