Examensarbeit, 2005
106 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Die Entwicklung von der Entmilitarisierung zum westdeutschen Verteidigungsbeitrag
2.1 Die Entmilitarisierung Westdeutschlands
2.2 Die erste Diskussion um einen Verteidigungsbeitrag im Zuge des Ost-West-Konflikts
2.3 Der Koreakrieg als Katalysator
2.4 Die Auseinandersetzung mit dem Verteidigungsbeitrag in der westdeutschen Gesellschaft
2.5 Von der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft zum NATO-Beitritt
3. Die Planungsphase der Bundeswehr
3.1 Der Planungsbeginn
3.2 Die „Himmeroder Denkschrift“
3.2.1 Inhalte der Denkschrift
3.2.2 Gerhard Graf von Schwerins Reaktion auf die Denkschrift
3.3 Das Amt Blank
3.3.1 Die Unterabteilung Innere Führung im Amt Blank
3.3.1.1 Das Konzept ‚Innere Führung’
3.3.1.2 Die historischen Bezüge
3.3.1.3 Der ‚Staatsbürger in Uniform’
3.3.1.4 Die Ausarbeitung des Konzepts für den Alltag der Bundeswehr
3.3.2 Bedeutung und Stellenwert des Konzepts in der Öffentlichkeit und im ‚Amt Blank’
3.3.2.1 Konflikte und Probleme der Planungsabteilung ‚Innere Führung’
3.4 Die ‚Siegburger Tagung’ und die Frage ‚Was zu tradieren ist’
3.5 Die Rolle des Sicherheitsausschuss bei der Konzeption
3.6 Der Personalgutachterausschuss
3.6.1 Berücksichtigung des Konzepts ‚Innere Führung’ bei der Auswahl der Bewerber
3.7 Die SPD und das Reformkonzept
4. Die Aufstellungsphase der Bundeswehr: Zwischen Reform und Tradition
4.1 Die gesetzliche Verankerung der Bundeswehr
4.2 Institutionen zur Verwirklichung und Unterstützung des Konzepts ‚Innere Führung’
4.2.1 Die „Schule für Innere Führung“
4.2.1.1 Das „Handbuch Innere Führung“
4.2.2 Der Wehrbeauftragte
4.2.3 Der „Beirat für Innere Führung“
4.3 Verteidigungsminister Strauß und der Vormarsch der ‚Traditionalisten’
4.3.1 Traditionsübernahmen in die Bundeswehr
4.3.2 ‚Ein Haus gemäß dem alten Plan’
4.4 Der „Traditionserlass“ von 1965
4.4.1 Die ersten Entwürfe des „Traditionserlasses“
4.4.2 Die Vollendung des „Traditionserlasses“
4.4.2.1 Inhalte des Erlasses
4.4.3 Erste Reaktionen nach der Veröffentlichung
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung und Umsetzung des Reformkonzepts „Innere Führung“ während der Gründungs- und Aufstellungsphase der Bundeswehr (1950–1965). Dabei wird der fortwährende Widerstreit zwischen den „Reformern“, die einen demokratischen Neuanfang anstrebten, und den „Traditionalisten“, die sich an Werten der Vergangenheit orientierten, analysiert, um zu verstehen, wie das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ in der Realität der jungen Streitkräfte Fuß fassen konnte oder an restaurativen Strukturen scheiterte.
3. Die Planungsphase der Bundeswehr
In einem Meinungsaustausch mit dem amerikanischen Hohen Kommissar, John McCloy, Ende September 1950 kündigte Konrad Adenauer seine Absicht an, das „deutsche Militär zu reformieren und künftig Offiziere nach ihrer demokratischen Grundhaltung und nach ihrem fachlichen Können auszuwählen.“ Diese Versprechen einer Reform war die Antwort der Bundesrepublik Deutschland auf die Befürchtungen des Auslands und der deutschen Bevölkerung vor einem neuen ‚Primat des Militärs’, dem ‚Staat im Staate’, der erneuten Entwicklung der Streitkräfte zu einer eigenständigen und autonomen Macht in Deutschland. Sie führte in den 1950er-Jahren zur Konzeption der ‚Inneren Führung’, einer zeitgemäßen militärischen Führung, die es dem einzelnen Soldaten ermöglicht, seinen Auftrag zu erfüllen, ohne dass seine Rechte als Bürger verletzt werden. Dieses Konzept stellte den Versuch dar, den Bürger mit dem Soldaten zu versöhnen und die Kluft zwischen demokratischen und militärischen Kräften zu überwinden.
Führungsverfahren sowie Rechte und Pflichten der Soldaten und ihrer Vorgesetzten mussten dem Bild eines freiheitlichen und verantwortungsbewussten Staatsbürgers, das im Grundgesetzt festgehalten war, entsprechen. Die Umsetzung der ‚Inneren Führung’ sollte folglich durch Lehrgänge in politischer Bildung und psychologischer Kriegsführung unterstütz werden. Eine Reform des Wehrgesetzes nach dem Grundsatz des ‚Staatsbürgers in Uniform’ wurde angestrebt. Als die Bundesregierung in den fünfziger Jahren ihr Versprechen einer Reform umzusetzen versuchte, erwies sich dies aus den Umständen des grundlegenden Konflikts zwischen demokratischen Werten und militärischen Traditionen als recht problematisch. Die Strukturen der neuen Streitkräfte mussten einerseits im Staat verwurzelt, andererseits jedoch so offen sein, um als „ein Teil eines aus pluralistischen Gesellschaften bestehenden Vereinigten Europas“ auftreten zu können.
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Kontroverse zwischen „Reformern“ und „Traditionalisten“ in der Aufbauphase der Bundeswehr und definiert den Untersuchungsrahmen hinsichtlich des Konzepts „Innere Führung“.
2. Die Entwicklung von der Entmilitarisierung zum westdeutschen Verteidigungsbeitrag: Hier wird der historische Prozess nach 1945 analysiert, der von der vollständigen Entmilitarisierung durch die Alliierten über den Einfluss des Koreakrieges bis hin zum NATO-Beitritt der Bundesrepublik führte.
3. Die Planungsphase der Bundeswehr: Dieses Kapitel widmet sich den ersten institutionellen Schritten zur Streitkräfteaufstellung, insbesondere der Arbeit der „Zentrale für Heimatdienst“, der Himmeroder Tagung und der Etablierung des „Amtes Blank“ sowie der Unterabteilung für Innere Führung.
4. Die Aufstellungsphase der Bundeswehr: Zwischen Reform und Tradition: Der Fokus liegt hier auf der gesetzlichen Verankerung der Bundeswehr, der Etablierung der Institutionen zur Stützung der „Inneren Führung“ und dem Ringen um einen angemessenen Umgang mit militärischen Traditionen bis zum Traditionserlass 1965.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass die Reformideen durch den Zeitdruck und den Einfluss restaurativer Kräfte oft nur lückenhaft umgesetzt werden konnten, wodurch die angestrebte „Innere Führung“ häufig hinter der militärischen Praxis zurückblieb.
Bundeswehr, Innere Führung, Staatsbürger in Uniform, Traditionspflege, Amt Blank, Wiederbewaffnung, Himmeroder Denkschrift, Traditionserlass, Wolf Graf von Baudissin, Westintegration, Demokratisierung, Militärreform, Personalgutachterausschuss, Sicherheitspolitik, Wehrverfassung.
Die Arbeit analysiert den Aufbau der Bundeswehr in den Jahren 1950 bis 1965 und den damit einhergehenden Widerstreit zwischen demokratischen Reformbestrebungen („Innere Führung“) und dem Festhalten an traditionellen, militärischen Strukturen.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der „Inneren Führung“, das Ringen um ein neues Traditionsverständnis, die personelle Neuausrichtung der Bundeswehr und der politische Einfluss auf die militärische Struktur.
Das primäre Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie es zur Umsetzung des Konzepts „Innere Führung“ im Widerstreit der Interessen kam und wie sich dieses Leitbild in der alltäglichen Praxis der frühen Bundeswehr behaupten konnte.
Der Autor führt eine historisch-analytische Untersuchung auf Grundlage ausgewählter Fachliteratur, zeitgenössischer Denkschriften, Gesetze und Dokumente aus der Gründungsphase durch, um die Auseinandersetzung zwischen „Reformern“ und „Traditionalisten“ transparent zu machen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Planungs- und die Aufstellungsphase. Er behandelt detailliert die Entstehung der „Himmeroder Denkschrift“, die Arbeit des „Amtes Blank“, die Rolle des Personalgutachterausschusses sowie die langwierige Entstehung des Traditionserlasses von 1965.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Innere Führung“, „Staatsbürger in Uniform“, „Amt Blank“, „Wiederbewaffnung“ und „Traditionspflege“ geprägt.
Obwohl die SPD die Wiederbewaffnung anfangs ablehnte, leistete sie durch die Mitarbeit ihrer Militärexperten einen konstruktiven Beitrag, um sicherzustellen, dass die neuen Streitkräfte fest in der demokratischen Gesellschaft verankert wurden und ein „Staat im Staate“ verhindert wurde.
Der Erlass war das Ergebnis jahrelanger, zäher Kompromissverhandlungen. Er wurde von der Öffentlichkeit als vage kritisiert und stieß innerhalb der Truppe auf Unverständnis, da er keine klaren, für den Dienstalltag handhabbaren Vorgaben machte und den Konflikt zwischen Reform und Tradition nicht auflöste.
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