Diplomarbeit, 2006
85 Seiten, Note: Sehr gut
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2. Aufgabenstellung und Herangehensweise
3. Was ist (moderner) Terrorismus?
3.1. Grundlegendes
3.2. Terrorismus als schwer zu definierender Begriff
3.3. Ursachen für die Definitionsproblematik
3.3.1. Negative Konnotation auf emotionaler und sachlicher Ebene
3.3.2. Verwendung als politischer „Etikettierungsbegriff“
3.3.3. Unpräzise Verwendung in den Medien
3.4. Historischer Bedeutungswandel von Terrorismus
3.4.1. Geschichtliche Vorläufer
3.4.2. Ab der Französischen Revolution bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
3.4.3. 20. Jahrhundert
3.4.4. Die Geburt des modernen Terrorismus
3.5. Eingrenzung des Terrorismusbegriffs
3.6. Unterscheidung von ähnlichen Formen politisch-militärischer Gewalt
3.6.1. Guerilla
3.6.2. Partisanenkampf
3.6.3. Konventionelle Kriegsführung
3.7. Terrorismus als Strategie des Terrorkrieges
3.8. Merkmale und Grundtendenzen des modernen Terrorismus
4. Terrorismus und Rationalität
4.1. Motive und Ziele des modernen Terrorismus
4.1.1. Sozialrevolutionärer Terrorismus
4.1.2. Ethnisch-nationalistischer Terrorismus
4.1.3. Religiöser Terrorismus
4.2. Das terroristische Kalkül
4.3. Funktioniert Terrorismus?
5. Terrorismus und Moral
5.1. Die Frage nach der Moral aus Sicht von Terroristen
5.2. Die Theorie des gerechten Krieges als vermeintlicher Legitimationsansatz
5.3. Walzers Standpunkt
6. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den modernen Terrorismus aus einer philosophischen Perspektive, mit dem Ziel, dessen Wesen, Motive und moralische Dimensionen zu verstehen, ohne dabei in unreflektierte Vorurteile zu verfallen. Zentrale Forschungsfragen betreffen die Definition und Abgrenzung des Terrorismusbegriffs, die Rationalität terroristischen Handelns sowie die moralische Legitimierbarkeit dieser Gewaltform.
3.1. Grundlegendes
Terrorismus stellt eine Form politischer Gewalt dar und ist ein relativ junges Phänomen, er ist jedoch nicht nur auf unsere Zeit beschränkt, sondern hat sich bereits im 19. Jahrhundert entwickelt und besitzt Wurzeln, die sogar bis in die Antike zurückreichen. Seit dieser Zeit war der Terrorismusbegriff auch einem ständigen Wandel unterlegen. Dies und die nahezu inflationäre Verwendung bzw. der Missbrauch des Terrorismusbegriffs in den Medien, in der Politik und in der Alltagssprache haben dazu geführt, dass sich die Definition von Terrorismus zunehmend schwieriger gestaltet. So wurde und wird eine Geiselnahme, ein politisches Attentat, eine Flugzeugentführung, ein Bombenanschlag, etc. oft voreilig und manchmal unreflektiert als terroristischer Akt bezeichnet, aber auch der Partisanenkampf, Guerillataktik, Sabotage oder Krieg im allgemeinen wurden und werden z.T. terroristisch genannt, ebenso wie Diktaturen und Regime. Für Hitler waren beispielsweise Mitglieder der Résistance Terroristen, im Gegenzug dazu war für die unterdrückten Deutschen, Franzosen, Polen, Jugoslawen, u.s.w. die NS-Regierung terroristisch; selbst die Bombardierungen Dresdens, Hamburgs und anderen Orten durch die Alliierten während des zweiten Weltkrieges, aber auch die Hiroshimas und Nagasakis durch die Amerikaner stellen nach einigen Definitionen Terrorismus dar. Bisweilen werden selbst die Handlungen von Einzelindividuen oder sehr kleinen Gruppen von Tätern wie Randalierer, Schlägertrupps, Kriminelle, Extremisten jeder Art oder gewalttätigen Psychopathen als terroristisch bezeichnet. Der Terrorismusforscher Laqueur meint dazu, dass „der Begriff ‚Terrorismus’ [...] in so vielen verschiedenen Bedeutungen benutzt [wird], dass er fast völlig seinen Sinn verloren hat. Fast jede und nicht unbedingt nur politische Art der Gewalt wird so beschrieben.“
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Aktualität und philosophische Relevanz des Terrorismus ein und erläutert die persönliche Motivation des Autors für die Themenwahl.
2. Aufgabenstellung und Herangehensweise: Das Kapitel definiert den dreiteiligen Untersuchungsrahmen der Arbeit: die begriffliche Klärung, die Analyse der terroristischen Rationalität und die moralische Bewertung.
3. Was ist (moderner) Terrorismus?: Hier werden die Definitionsprobleme, der historische Bedeutungswandel und die Abgrenzung zu anderen Gewaltformen erörtert.
4. Terrorismus und Rationalität: Dieses Kapitel beleuchtet das strategische Kalkül und die verschiedenen ideologischen Grundströmungen terroristischer Akteure.
5. Terrorismus und Moral: Die Untersuchung setzt sich mit den Legitimationsansätzen der Terroristen und den moralphilosophischen Perspektiven, insbesondere jenen von Michael Walzer, auseinander.
6. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse der philosophischen Annäherung zusammen und betont die Notwendigkeit von Dialogbereitschaft statt rein militärischer oder juristischer Maßnahmen.
Terrorismus, moderner Terrorismus, politische Gewalt, Terrorkrieg, Guerilla, Partisanenkampf, Rationalität, Ideologie, Fanatismus, Moral, Legitimation, Kommunikation, internationale Politik, Sicherheitspolitik, Michael Walzer
Die Arbeit befasst sich mit einer philosophischen Analyse des Terrorismus, um dessen Wesen, Struktur und moralische Einordnung zu verstehen.
Im Fokus stehen die Definitionsproblematik des Begriffs, die Unterscheidung von verwandten Gewaltformen, die rationale Strategie hinter Anschlägen und die Frage nach deren moralischer Rechtfertigung.
Das Ziel ist es, den modernen Terrorismus als ein komplexes, strategisches Phänomen zu beschreiben und die moralischen Argumentationsmuster, die sowohl von Tätern als auch von Philosophen genutzt werden, kritisch zu hinterfragen.
Der Autor stützt sich auf eine Analyse einschlägiger Standardwerke der Terrorismusforschung sowie auf moralphilosophische Diskurse, um das Phänomen strukturiert einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die begriffliche Bestimmung, die Untersuchung des terroristischen Kalküls (Rationalität) und eine moralphilosophische Debatte über Rechtfertigungsansätze.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie politisch-militärische Kommunikation, asymmetrische Gewalt, Fanatismus und die Abgrenzung von Staatsterrorismus zu Terrorismus von unten charakterisiert.
Während Guerilla und Partisanenkampf militärische Strategien sind, die meist auf physische Zerstörung oder Gebietskontrolle abzielen, definiert der Autor den Terrorismus primär als Kommunikationsstrategie, die durch gezielte Gewalt psychologische Effekte bei einem Publikum erzielen will.
Der Autor prüft, ob die Kriterien eines "gerechten Krieges" auf den Terrorkrieg angewendet werden können, kommt jedoch zu dem Schluss, dass Terrorismus aufgrund seiner asymmetrischen Natur und der Missachtung des Unterscheidungsprinzips diesen Status nicht erreichen kann.
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