Magisterarbeit, 2000
55 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung und Quellenlage
1.1 Strafprozeßakten als historische Quelle
2. Die Organisation des deutschen Kriegsgefangenenwesens
2.1. Das Kriegsgefangenenwesen im „Fall Barbarossa“
3. Verbrecherische Befehle und Richtlinien
3.1 Richtlinien für eine Zusammenarbeit mit dem Reichsführer SS
3.2 „Kommissarbefehl“, „Kriegsgerichtsbarkeitserlaß“ und „Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Rußland“
4. Der Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und die Durchführung der verbrecherischen Befehle
4.1 Die Verschärfung der Befehle
4.2 Die allgemeine Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen
4.3 Die Zusammenarbeit mit dem SD in den besetzten Gebieten
4.4 Die (Unter)Ernährung der Kriegsgefangenen
4.5 Das Massensterben der Gefangenen im Winter 1941/42
4.6 Geplanter Arbeitseinsatz im Reichsgebiet und Verschärfung der Lebenssituation der Kriegsgefangenen 1941 bis 1943
5. Das Stalag 305 – Ein exemplarisches Gefangenenlager in der Ukraine/Sowjetunion?
5.1 Die Organisation von Stalag 305
5.1.1 Das Hauptlager
5.1.2 Die Außenlager
a. Gefängnis Kirowograd
b. Adabasch
5.1.3 Bewachung durch das Landesschützenbataillon 783
5.2 Die Lebensverhältnisse in den Lagern rund um Kirowograd
5.2.1 Die Situation im Lager Kirowograd
5.2.2 Die Situation im Außenlager Adabasch
5.2.3 Die Ernährungslage im Stalag 305
5.3 Die Aussonderung von Kommissaren und jüdischen Kriegsgefangenen
5.3.1 Im Lager Kirowograd
5.3.2 Im Lager Adabasch
5.4 Massenexekution im Lager Adabasch – Ein konkretes Beispiel
5.5 Weitere Erschießungen im Stalag 305
5.5.1 Kirowograd
5.5.2 Gefängnis Kirowograd
5.5.3 Kriegsgefangenenlazarett von Kirowograd
5.5.4 Adabasch
5.6 Zusammenarbeit mit dem SD – Exekutionen jüdischer Zivilisten in Kirowograd und Winniza
5.7 Die Personen
5.7.1 Die Opfer
5.7.2 Die Täter
a. Der Befehlsgeber
b. Der Ausführende
c. Die „Erfüllungsgehilfen“
5.7.3 Die Gaffer und Zuschauer
5.7.4 Die Verweigerer
5.8 Das Ergebnis
6. Schlußwort
Die vorliegende Arbeit untersucht das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener im Stalag 305 in der Ukraine während der Jahre 1941 bis 1944. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit die systematische Vernichtungspolitik des NS-Regimes durch Wehrmachtseinheiten vor Ort umgesetzt wurde und welche Rolle die beteiligten Akteure – von den Befehlsgebern bis zum Wachpersonal – dabei spielten.
1. Einleitung und Quellenlage
Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 war der Beginn eines Krieges von noch nie gekanntem Ausmaß. Sämtliche völkerrechtlichen Regeln für den Krieg wurden von der Wehrmacht außer Acht gelassen. Die deutschen Absichten waren jedoch von vornherein gekennzeichnet durch größte Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Militär des Gegners und seiner Zivilbevölkerung. Eine Reihe von Erlassen und Anordnungen, die vor Kriegsausbruch ergingen, belegen die deutsche Haltung im „Fall Barbarossa“: Der Gegner sollte nicht nur aus dem Felde geschlagen, sondern physisch vernichtet werden.
Hieraus ergab sich eine gänzlich neue Qualität der Kriegführung, die vom Obersten Befehlshaber bis hinunter zum einfachen Soldaten größtmögliche Akzeptanz der Vernichtungspläne voraussetzte. Willige Helfer fanden sich jedoch sowohl im Oberkommando der Wehrmacht (OKW), als auch in untergeordneten Kommandoebenen. Bereitwillig wurden Pläne erarbeitet und schließlich auf grausame Art und Weise in die Tat umgesetzt. Leidtragende waren in erster Linie die sowjetischen Kriegsgefangenen und die sowjetische Zivilbevölkerung.
Die systematische Vernichtung von mindestens zwei Millionen sowjetischer Kriegsgefangener durch Wehrmachtsteile stand jedoch lange Zeit im Schatten der Vernichtung der europäischen Juden, sie stellt einen „vergessenen Holocaust“ dar. Die Masse der Gefangenen starb an Unterversorgung oder an Krankheiten aufgrund der katastrophalen Lebensverhältnisse in den Lagern, zudem wurden etwa 600.000 Gefangene im Zuge der Aussonderungsmaßnahmen von Sonderkommandos der Sicherheitspolizei (Sipo) und des Sicherheitsdienstes (SD) erschossen.
1. Einleitung und Quellenlage: Darstellung des kriegsgeschichtlichen Kontextes und die Bedeutung der Strafprozeßakten als bisher kaum genutzte historische Primärquelle.
2. Die Organisation des deutschen Kriegsgefangenenwesens: Analyse der strukturellen und administrativen Gliederung der Wehrmachtverwaltung und ihrer Befehlsketten bezüglich der Kriegsgefangenen.
3. Verbrecherische Befehle und Richtlinien: Untersuchung der ideologischen Grundlagen und der konkret erlassenen Befehle, die die rechtliche Grundlage für den Vernichtungskrieg bildeten.
4. Der Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und die Durchführung der verbrecherischen Befehle: Beschreibung des Feldzuges und der sukzessiven Verschärfung der Behandlung der Gefangenen bis hin zum Massensterben.
5. Das Stalag 305 – Ein exemplarisches Gefangenenlager in der Ukraine/Sowjetunion?: Detaillierte Fallstudie zur internen Organisation, den katastrophalen Lebensbedingungen und der Täterschaft im Bereich Kirowograd.
6. Schlußwort: Zusammenfassende Betrachtung über das Scheitern humanitärer Bemühungen angesichts einer auf Vernichtung ausgerichteten Ideologie.
7. Quellen- und Literaturverzeichnis: Aufstellung der genutzten Bibliographien, unveröffentlichten Archivbestände und wissenschaftlichen Fachliteratur.
Stalag 305, Wehrmachtsverbrechen, Vernichtungskrieg, Kriegsgefangene, Sowjetunion, Kommissarbefehl, Holocaust, Kirowograd, Adabasch, SD, Landesschützenbataillon 783, Aussonderung, Nationalsozialismus, Besatzungspolitik, Strafprozeßakten
Die Arbeit untersucht die systematische Behandlung und Vernichtung sowjetischer Kriegsgefangener durch die Wehrmacht, exemplarisch dargestellt anhand des Stalag 305 in der Ukraine.
Themen sind die administrativen Strukturen der Wehrmacht, die Rolle verbrecherischer Befehle, die katastrophalen Lebensbedingungen in den Lagern, Massenexekutionen und die moralische sowie psychologische Verfassung der beteiligten Soldaten.
Ziel ist es, die Verantwortung der Wehrmacht für die Verbrechen an Kriegsgefangenen auf Basis detaillierter Prozessakten nachzuweisen und zu zeigen, dass dies kein Randphänomen, sondern Teil einer systematischen Politik war.
Der Autor nutzt eine historisch-kritische Analyse von Primärquellen, insbesondere von bis dato unbeachteten Strafprozessakten der Staatsanwaltschaft Hannover, kombiniert mit einer Auswertung der einschlägigen wissenschaftlichen Fachliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der übergeordneten Befehlsstrukturen und eine detaillierte Fallstudie des Stalag 305, inklusive der Organisation, der Lebensverhältnisse, der Aussonderungen und der Erschießungen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vernichtungskrieg, Stalag 305, Wehrmachtsverbrechen, ideologische Indoktrination und Massensterben charakterisiert.
Es dient als exemplarisches Fallbeispiel für die Zustände in den Gefangenenlagern der Ukraine und zeigt, dass die Mitwirkung der Wehrmacht an Tötungen weitaus ausgeprägter war, als in früheren Forschungsständen angenommen.
Durch die Auswertung umfangreicher Zeugen- und Täteraussagen aus NS-Prozessen gelingt es, die Handlungsweise und die Rechtfertigungsstrategien der Täter kritisch zu hinterfragen.
Die Arbeit beleuchtet die wenigen Fälle von Soldaten, die Befehle verweigerten oder zu umgehen versuchten, stellt diese jedoch in den Kontext des psychologischen Drucks und der kollektiven Konformität innerhalb der Einheit.
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