Masterarbeit, 2019
64 Seiten, Note: 3,0
1. Weitreichende Auswirkungen von Selbstkontrolle
2. Stand der Forschung
3. Theoretische Grundlagen
3.1 Interessenkonflikte und Zeitinkonsistenzen
3.2 Interne und externe Einflussfaktoren auf die Selbstkontrolle
3.3 Zeitkonsistente, naive und aufgeklärte Personen
3.4 Strategien und Mechanismen zur Verbesserung von Selbstkontrolle
3.4.1 Nachdenken über Auswirkungen
3.4.2 Selbstverpflichtung
4. Vergleichende Analyse
4.1 Literaturrecherche
4.1.1 Schematische Herangehensweise der Literaturrecherche
4.1.2 Suchstrategie und Studienauswahl der Literaturrecherche
4.1.3 Ergebnisse der Literaturrecherche
4.2 Analyse der Artikel
4.2.1 Unterscheidung nach Themenschwerpunkten
4.2.2 Vergleich der Artikel
5. Diskussion
5.1 Die wichtigsten Ergebnisse und Implikationen für Wissenschaft und Praxis
5.2 Zukünftige Forschung und praktische Handlungsempfehlungen
5.3 Restriktionen dieser Arbeit
Die Arbeit untersucht das junge Forschungsfeld der freiwilligen Selbstverpflichtung von Konsumenten, um zu verstehen, wie Mechanismen zur Steigerung der Selbstkontrolle in der Praxis effektiv gestaltet werden können und welche Rolle dabei individuelle Eigenschaften wie Naivität oder Aufgeklärtheit spielen.
3.1 Interessenkonflikte und Zeitinkonsistenzen
Selbstkontrolle ist kein neuartiges Thema. Bereits die Literaten im antiken Griechenland beschäftigten sich mit dieser Thematik. So schilderte beispielsweise Homer in seinem Epos Odysseus, wie sein gleichnamiger Held mithilfe bestimmter Vorkehrungen den betörenden Gesängen von Sirenen widerstehen kann. Im 20. Jahrhundert wurde diese Thematik von verschiedenen Forschern im Feld der Wirtschaftswissenschaften wieder aufgegriffen. 1956 formalisierte Strotz das Problem der intertemporalen Nutzenmaximierung eines ökonomischen Entscheiders, bei welchem das Individuum zu verschiedenen Zeitpunkten eine andere Nutzenbewertung von Zuständen oder Gegenständen vornimmt und deswegen Ziele neu gesetzt und zuvor getroffene Entscheidungen wieder revidiert werden müssen. Es kommt zum Konflikt der Interessen eines früheren Selbst mit dem jetzigen Selbst sowie mit allen zukünftigen Identitäten (Strotz, 1956, S. 166-174).
In einem ähnlichen Modell von Thaler und Shefrin (1981) treffen verschiedene Identitäten eines Selbst zur gleichen Zeit aufeinander: Eine konstante Identität als „Planer“ und jeweils eine Identität als „Handelndem“ je zu treffender Entscheidung. Am Beispiel des Sparens veranschaulichen die beiden Forscher, dass es einen Interessenkonflikt zwischen diesen Identitäten gibt. Der Planer ist weitsichtig und denkt in mehreren Zeitabschnitten. Er weiß, dass er nur in manchen Zeitabschnitten Einkommen erzielen wird und dass er, wenn er über alle Zeitabschnitte hinweg Geld zur Verfügung haben möchte, sparen muss. Der Handelnde hingegen ist kurzsichtig und egoistisch. Ihm geht es nur um die Bedürfnisbefriedigung in seinem aktuellen Zeitabschnitt. Er möchte nicht sparen, sondern das gesamte Einkommen sofort für Konsum verwenden. Der Planer muss es also irgendwie bewerkstelligen, dass die Handelnden nach seinem Interesse handeln. Er möchte Kontrolle über sie ausüben und schlussendlich, wenn die modellierten Identitäten wieder zu einer Person zusammengeführt werden, über sich selbst.
1. Weitreichende Auswirkungen von Selbstkontrolle: Einführung in die Problematik unzureichender Selbstkontrolle im Bereich Gesundheit und Finanzen sowie die Notwendigkeit von Unterstützung durch unternehmerische Hilfestellungen.
2. Stand der Forschung: Überblick über bisherige Studien, die den Einfluss von Anreizsystemen primär im Bereich Gesundheit untersuchen und die Notwendigkeit einer Ausweitung auf hedonische Konsumbereiche aufzeigen.
3. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der ökonomischen und psychologischen Fundamente wie Interessenkonflikte, Zeitinkonsistenz und der Einteilung von Personen in Naive und Aufgeklärte.
4. Vergleichende Analyse: Durchführung einer systematischen Literaturrecherche und detaillierter Vergleich der ausgewählten zehn Studien hinsichtlich Herangehensweise und Ergebnissen.
5. Diskussion: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse sowie kritische Reflexion der Implikationen, zukünftiger Forschungsfelder und Restriktionen der Arbeit.
Selbstkontrolle, Selbstverpflichtung, Zeitinkonsistenz, Naivität, Aufgeklärtheit, Anreizsysteme, Konsumentenverhalten, Hedonischer Konsum, Impulskontrolle, Nudging, Sparen, Gesundheitsausgaben, Intertemporale Nutzenmaximierung, Willenskraft, Motivation.
Die Arbeit untersucht das Forschungsfeld der freiwilligen Selbstverpflichtung bei Konsumenten, um Wege zu finden, wie Individuen ihre Selbstkontrolle gegenüber spontanen Versuchungen langfristig stärken können.
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der Selbstkontrolle, die Anwendung von Anreizmechanismen zur Verhaltenssteuerung sowie die Segmentierung von Konsumenten basierend auf deren Fähigkeit zur Antizipation von Selbstkontrollproblemen.
Das Ziel ist es, Forschungsergebnisse zur freiwilligen Selbstverpflichtung ganzheitlich zu betrachten und daraus Erkenntnisse für die Gestaltung wirksamer Mechanismen abzuleiten, die Konsumenten bei der Erreichung ihrer langfristigen Ziele unterstützen.
Der Autor führt eine systematische Literaturrecherche durch, analysiert zehn ausgewählte wissenschaftliche Studien tiefgehend und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Herangehensweise, Methodik und Ergebnisse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Kapitel 3) sowie eine vergleichende Analyse (Kapitel 4), in der sowohl theoretische Modelle als auch empirische Experimente zu Anreizen und Selbstverpflichtungen gegenübergestellt werden.
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Selbstkontrolle, Selbstverpflichtung, Naivität, Aufgeklärtheit und Nudging sowie durch den Fokus auf Konsumentenverhalten und Anreizsysteme gekennzeichnet.
Aufgeklärte Personen sind sich ihrer Selbstkontrollprobleme bewusst und treffen präventive Maßnahmen, während naive Personen ihre eigene künftige Willenskraft oft überschätzen und daher seltener freiwillig Selbstverpflichtungen eingehen.
Unternehmen können durch geschickte Gestaltung von Produkten, beispielsweise durch Multipacks oder Essensvorbestellungen, sowie durch Anreizsysteme dazu beitragen, dass Konsumenten ihre langfristigen Interessen besser wahren können.
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