Magisterarbeit, 2006
144 Seiten, Note: 1,7
VORWORT
EINLEITUNG
1. BUDDHAS LEHRE – EIN KURZER ÜBERBLICK
1.1 DAS LEBEN DES BUDDHA
1.2 DIE VIER EDLEN WAHRHEITEN
1.2.1 Die Erste Edle Wahrheit: Es gibt Leid
1.2.2 Die Zweite Edle Wahrheit: Es gibt eine Ursache für das Leid
1.2.3 Die Dritte Edle Wahrheit: Es gibt ein Ende des Leides
1.2.4 Die Vierte Edle Wahrheit: Es gibt einen Weg, der zum Ende des Leidens führt
1.3 SICHTWEISE: DIE VIER PHILOSOPHISCHEN SCHULEN DES BUDDHISMUS
1.3.1 Die Philosophie des Theravāda: Vaibhāshika und Sautrāntika
1.3.2 Die Philosophie des Mahāyāna: Yogacāra und Mādhyamaka
1.3.3 Buddhistische Philosophie und westliche Wissenschaft
1.4 MEDITATION
EXKURS: MAX WEBER UND SEINE BUDDHISMUS-STUDIE
2. DIE IDEALTYPISCHE TRÄGERSCHICHT DES BUDDHISMUS
2.1 ZWEI IDEALTYPISCHE HISTORISCHE SITUATIONEN
2.2 DIE THESE
2.3 BILDUNG IM ALTEN INDIEN
2.4 THEORETISCHE AUSARBEITUNG DER THESE
2.4.1 Der positive Einfluss ökonomischer Faktoren
2.4.2 Der positive Einfluss geistiger Qualifikationen
2.5 WEBERS KONZEPT DER INTELLEKTUELLENSOTERIOLOGIE
2.6 DIE URSPRÜNGLICHE TRÄGERSCHICHT DES BUDDHISMUS
2.7 DIE IDEALTYPISCHE TRÄGERSCHICHT: ÜBERSETZT IN MODERNE KATEGORIEN
2.8 DER SOZIOKULTURELLE HINTERGRUND DER WESTLICHEN BUDDHISTEN
2.9 WARUM BUDDHISMUS?
3. BUDDHISMUS UND CHRISTENTUM
3.1 UNTERSCHIEDE ZWISCHEN BUDDHISTISCHER UND CHRISTLICHER LEHRE BZW. PRAXIS
3.2 RELIGION NACH DER AUFKLÄRUNG
4. DER BEITRAG DER RELIGIONSSOZIOLOGIE
4.1 RELIGIONSSOZIOLOGIE UND WESTLICHER BUDDHISMUS
4.2 FUNKTION DER RELIGION IM WESTLICHEN VERSTÄNDNIS
5. FUNKTION DES BUDDHISMUS IM WESTEN
5.1 ERFÜLLT DER BUDDHISMUS EINE GESELLSCHAFTLICHE FUNKTION?
5.2 ERFÜLLT DER BUDDHISMUS EINE PSYCHOLOGISCHE FUNKTION?
5.3 BUDDHISMUS UND PSYCHOLOGIE
5.4 DER BUDDHISMUS UND DIE SPIRITUELLE FUNKTION
5.4.1 Die Frage nach dem Sinn in der Moderne
5.4.2 Sinn, Glück und Spiritualität
5.4.3 Die Frage nach dem Glück in der Moderne
5.4.4 Warum Buddhismus? Der Mittlere Weg und die Rationalität des Glücks
6. DIE EXPANSION DES BUDDHISMUS IM WESTEN SEIT DEN 60ER JAHREN
7. SCHLUSS
Ziel der Arbeit ist es, die Erfolgsgeschichte des Buddhismus im Westen soziologisch zu erklären, indem untersucht wird, wer Buddhismus praktiziert, warum dies geschieht und welchen Einfluss gesellschaftliche Faktoren auf diese Entwicklung haben. Dabei wird die These geprüft, dass insbesondere hochgebildete, wohlhabende Schichten eine Affinität zur buddhistischen Lehre aufweisen.
1.1 Das Leben des Buddha
Max WEBER hat Buddha als einen exemplarischen Propheten charakterisiert, da er durch sein Beispiel den Weg zur Erlösung vorgelebt hat. Damit steht er im Gegensatz zum Heiland, der seinen Anhängern den Zugang zum Paradies durch äußere Hilfe verspricht. Von soziologischer Seite sind in dieser Beziehung zwei Zusammenhänge von Interesse. Zum einen kann untersucht werden, welchen Einfluss Buddhas soziokultureller Herkunft auf sein Wirken ausgeübt hat. Zum anderen kann vermutet werden, dass Buddha als exemplarischer Prophet Menschen mit ähnlichem Hintergrund hinsichtlich Status und Lebenserfahrung besonders ansprechen sollte. Dieser Verdacht kann in Bezug auf Bildung und eine von materiellen Sorgen entlastete Kindheit an späterer Stelle bestätigt werden (vgl. Kap. 2.6 bzw. 2.8). Im Folgenden will ich seine Lebensgeschichte kurz vorstellen.
Der spätere Buddha Śākyamuni wurde wahrscheinlich im 5. oder 6. Jahrhundert v. Chr. in Lumbini im heutigen Nordindien unter dem Namen Siddhārta Gautama als Sohn eines lokalen Kleinkönigs geboren. Nach seiner Geburt wurde seinen Eltern von einem Gelehrten und Weisen prophezeit, dass er entweder ein höchst erfolgreicher weltlicher Herrscher werde, oder, wenn er mit dem Leiden in der Welt in Kontakt komme, ein spirituell Erleuchteter und großer Religionsstifter. In seiner Jugend haben seine Eltern ihn daraufhin mit allem damals verfügbaren Luxus verwöhnt und von den Konflikten und Leiden der äußeren Welt ferngehalten, um ihn in ihrem Sinne als Thronfolger nicht zu verlieren. Er genoss eine umfassende geistige, musische und körperliche Ausbildung, wobei er alle Disziplinen von der Philosophie bis zu den Kampfkünsten meisterhaft beherrscht haben soll.
1. Buddhas Lehre – ein kurzer Überblick: Einführung in die Grundlagen der buddhistischen Lehre, inklusive der Vier Edlen Wahrheiten und der vier philosophischen Schulen, sowie ein Blick auf Meditation.
2. Die idealtypische Trägerschicht des Buddhismus: Theoretische Herleitung und empirische Überprüfung der These, dass der Buddhismus besonders hochgebildete und wohlhabende Schichten anspricht.
3. Buddhismus und Christentum: Analyse der Unterschiede zwischen beiden Religionen hinsichtlich Lehre und Praxis, unter besonderer Berücksichtigung des Glaubwürdigkeitsverlustes des theistischen Christentums nach der Aufklärung.
4. Der Beitrag der Religionssoziologie: Kritische Untersuchung der religionssoziologischen Forschungslücke bezüglich des modernen Buddhismus.
5. Funktion des Buddhismus im Westen: Untersuchung, welche spirituellen Funktionen der Buddhismus erfüllt, insbesondere in Bezug auf die Suche nach Sinn und dauerhaftem Glück.
6. Die Expansion des Buddhismus im Westen seit den 60er Jahren: Analyse der soziologischen Faktoren, die zum exponentiellen Wachstum des Buddhismus seit den 1960er Jahren beigetragen haben.
7. Schluss: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse zur Erfolgsgeschichte des Buddhismus im Westen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Wandlungsprozesse.
Buddhismus im Westen, Religionssoziologie, Max Weber, Bildung, Postmaterialismus, spirituelles Bedürfnis, Sinnsuche, Erleuchtung, Meditationspraxis, Wertewandel, Ideal-Typus, Rationalität des Glücks, Säkularisierung, Identität, Christentum.
Die Magisterarbeit untersucht soziologisch, warum der Buddhismus in westlichen Gesellschaften trotz seiner fremden Ursprünge eine wachsende Popularität genießt und welche Bevölkerungsschichten besonders von seiner Lehre angezogen werden.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Religion und moderner Gesellschaft, die soziologische Schichtung der Anhängerschaft (Bildung und Wohlstand), die spirituellen Funktionen von Religion sowie der Vergleich zwischen buddhistischer Lehre und christlicher Tradition.
Das Ziel besteht darin, eine Erklärung für die buddhistische Erfolgsgeschichte im Westen zu finden, indem Theorie (soziologische Modelle) und Empirie (Umfragedaten, historische Analysen) verknüpft werden.
Der Autor greift auf Max Webers Konzept des Idealtypus zurück und analysiert die historische sowie gegenwärtige Verbreitung des Buddhismus anhand soziologischer Indikatoren wie Bildungsstand, Wohlstand und kultureller Prägung.
Der Hauptteil behandelt die theoretische Ausarbeitung der Trägerschicht, vergleicht den Buddhismus mit dem Christentum, hinterfragt das religionssoziologische Forschungsdefizit und analysiert die spirituellen Funktionen des Buddhismus – insbesondere das Streben nach Glück und Sinn in der Moderne.
Wesentliche Begriffe sind Buddhismus im Westen, Postmaterialismus, Bildungsprivileg, spirituelles Bedürfnis, Sinnsuche, Rationalität des Glücks und Religionssoziologie.
Der Autor beschreibt den Buddhismus als Erfahrungsreligion, die auf individueller Praxis, logischer Überprüfung und der Erkenntnis der eigenen Natur basiert, während das Christentum stark auf Glaubensinhalten und dogmatischen Vorgaben beruht.
Bildung wird als wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Buddhismus identifiziert, da sie das für die komplexe buddhistische Philosophie notwendige abstrakte Denkvermögen fördert und mit einer postmaterialistischen, humanistischen Wertehaltung korreliert.
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