Magisterarbeit, 2005
86 Seiten, Note: 1,3
Kapitel I Einleitung
1. Forschungsvorhaben
2. Fragestellung
3. Zur Anlage der Studie – Die Methode
Kapitel II Eigenheiten des DDR-Konsumalltags
1. Aspekte des rasanten Untergangs der DDR-Konsumkultur
2. Zur Erfassung von Gewohnheiten
3. Die Beschreibung des Wandels anhand von Kategorien
4. Relevante Kategorien des DDR-Konsumalltags
Kapitel III Zum Wandel von Einkaufs- und Essgewohnheiten am Beispiel eines ostdeutschen Dorfes
1. Einkaufsmuster
1.1 Der Alltagseinkauf in der DDR
1.2 Einkaufen als Konsum-Erlebnis – Der Alltagseinkauf nach der Wende
1.3 Der Alltagseinkauf in der Gegenwart
1.4 Was gibt es? – Was will ich? – Was kann ich mir leisten? – Zum Wandel von Einkaufsmustern
2. Eigenversorgung
2.1 „Hast halt keine Konserven zu kaufen gekriegt.“ - Eigenversorgung im Kontext des DDR-Konsumalltags
2.2 „Hast dir auch nicht mehr die Zeit dafür genommen.“ - Eigenversorgung nach der Wende
2.3 „Da weiß man was man hat.“ - Eigenversorgungsleistungen als Beitrag zur Lebensqualität
2.4 Zum Wandel von Eigenversorgungsleistungen im Untersuchungskontext – Von der Notwendigkeit zum Selbstzweck
3. Das „Besondere“
3.1 „Mensch ich hab Ananas gekriegt!“ - Das „Besondere“ im Kontext des DDR-Konsumalltags
3.2 Zum Wandel der Kategorie nach dem Systemumbruch
3.3 Das „Besondere“ heute - Ausdruck individueller Lebensentwürfe
3.4 Abwechslung zur Normalität - Das „Besondere“ vor dem Hintergrund von Mangel und Überfluss
4. Die westliche Warenwelt
4.1 Die Bedeutung von Westprodukten im Kontext des DDR-Konsumalltags
4.2 Die westliche Warenwelt als Projektionsfläche der eigenen Bedürfnisse
4.3 Die Wende – Es ist nicht alles Gold was glänzt
4.4 Zum Wandel von Sehnsuchtsstrukturen
Kapitel IV Fazit
1. Zusammenfassung der Ergebnisse
2. Zur Charakteristik des Wandels von Einkaufs- und Essgewohnheiten nach dem Systemumbruch
3. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel alltäglicher Handlungsmuster im Bereich "Einkaufen und Essen" von Menschen in einem ostdeutschen Dorf vor und nach dem Systemumbruch. Ziel ist es zu beschreiben, wie die ehemaligen DDR-Bürger sich unter den sich verändernden objektiven Bedingungen arrangiert haben, wobei die Analyse auf qualitativen Interviews basiert.
3.1 „Mensch ich hab Ananas gekriegt!“ - Das „Besondere“ im Kontext des DDR-Konsumalltags
Das „Besondere“ im DDR-Konsumalltag war nicht das Lebensnotwendige, es existierte vielmehr neben dem reichlichen, aber undifferenzierten Angebot an Grundnahrungsmitteln. Produkte die als Besonderheit galten waren z.B. hochwertige Fleischerzeugnisse (Schinken, Lende, Geflügel etc.), Süßigkeiten, Konserven, Wein, Spirituosen und exotische Obstsorten. Auffällig ist dass unter den Befragten eine relativ homogene Vorstellung davon existierte was zu DDR-Zeiten unter dem „Besonderen“ verstanden wurde. Die Ursache dafür liegt vermutlich in den die Konsumsphäre bestimmenden objektiven Bedingungen und Strukturen die wenig Spielraum für die Ausdifferenzierung von Ansprüchen und Bedürfnissen ließen. Der Besonderheitsstatus von Waren erwuchs nicht aus dem materiellen Wert des Lebens bzw. Genussmittels an sich, sondern vor allem aus dem unverhältnismäßig hohen Aufwand den es bedurfte, dieses zu beschaffen bzw. zu konsumieren.
Strategien zum Erwerb von besonderen Lebensmitteln waren „stundenlanges Anstehen“, das schnelle Zuschlagen und das Horten von Waren, das Pflegen von informellen Beziehungen, das Vorbestellen von Waren, die Inkaufnahme von langen Einkaufswegen etc. So erzählt eine Befragte dass sie extra nach Berlin gefahren ist um für ihr Kind zu Weihnachten ein spezielles Spielzeug zu kaufen welches es in der Heimatregion nicht zu kaufen gab. Sie wurde auch in Berlin nicht fündig: „Aber auf einmal hieß es, es gibt Bananen. Haben wir, ich glaub 16 Kilo Bananen gekauft. Jeder mit zwei Falzbeuteln. (...) Das war unser ganzer Einkauf; 16 Kilo Bananen!“ (Bärbel, Z.604-607)
Kapitel I Einleitung: Beschreibt den Forschungsansatz, die Fragestellung und die methodische Vorgehensweise anhand von qualitativen Interviews zur Erforschung von Konsummustern.
Kapitel II Eigenheiten des DDR-Konsumalltags: Analysiert den Untergang der DDR-Konsumkultur und führt Kategorien ein, um den Wandel von Gewohnheiten im Bereich des Konsums zu erfassen.
Kapitel III Zum Wandel von Einkaufs- und Essgewohnheiten am Beispiel eines ostdeutschen Dorfes: Untersucht anhand der Kategorien Einkaufsmuster, Eigenversorgung, das „Besondere“ und die westliche Warenwelt, wie sich Alltagspraktiken nach dem Systemumbruch verändert haben.
Kapitel IV Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen, charakterisiert den Wandel der Ess- und Einkaufsgewohnheiten und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsnotwendigkeiten.
DDR, Konsumkultur, Transformation, Alltagshandeln, Einkaufen, Essgewohnheiten, Mangelwirtschaft, Eigenversorgung, Westpakete, Intershop, Systemumbruch, Qualitative Forschung, Lebenswelt, Sehnsuchtsstrukturen, Identität
Die Magisterarbeit untersucht den soziokulturellen Wandel von Einkaufs- und Essgewohnheiten bei Menschen in einem ostdeutschen Dorf, ausgehend vom Konsumalltag der DDR bis in die Gegenwart.
Im Mittelpunkt stehen die Strukturveränderungen des Konsums, der Stellenwert der Eigenversorgung, die Bedeutung der Warenwelt des Westens sowie die Konstruktion der Kategorie "Das Besondere".
Ziel ist es, den Transformationsprozess im Bereich der Konsumalltagskultur auf Basis persönlicher Erfahrungsberichte zu verstehen und zu beschreiben, wie sich Menschen an neue objektive Bedingungen anpassten.
Die Autorin nutzte einen qualitativen Forschungsansatz, primär in Form von leitfadengesteuerten Interviews mit fünf Zeitzeugen, ergänzt durch Kontextmaterial wie Archivdokumente.
Der Hauptteil analysiert anhand spezifischer Kategorien die Veränderung von Einkaufsmustern, die Funktion der Selbstversorgung, das Phänomen von Waren mit "Besonderheitsstatus" sowie die Wirkung der westlichen Warenwelt.
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Konsumkultur, Mangelgesellschaft, Eigenversorgung, Systemumbruch und die subjektive Verarbeitung von gesellschaftlichem Wandel.
Die Eigenversorgung war in der DDR eine notwendige Strategie gegen Versorgungsengpässe und vermittelte Sicherheit, wandelte sich nach der Wende jedoch hin zum persönlichen Hobby und Ausdruck bewusster Lebensführung.
Während das „Besondere“ in der DDR durch Mangel und hohen Beschaffungsaufwand definiert war, wird es heute in einer Überflussgesellschaft durch bewusste Konsumentscheidungen und individuelle Präferenzen künstlich inszeniert.
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