Magisterarbeit, 1994
222 Seiten, Note: 1,0
Einleitung: Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948 - Thema, Forschungsstand, Fragestellung
1 Vorgeschichte und Entstehung der VVN
1.1 Lokale antifaschistische Ausschüsse im Sommer 1945
1.2 Erste Organisationsformen der "Opfer des Faschismus"
1.3 Vorbereitungen für eine politische Verfolgtenorganisation
1.4 Die Alliierten zwischen Kooperation und Konfrontation - Die Gründungskonferenzen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes im Jahre 1947
2 Programm, Statuten, Organisation und Arbeitsfelder der VVN
2.1 Programm und Statuten der VVN
2.2 Mitglieder und Funktionäre der VVN
2.3 Verlag und Publikationen der VVN
2.4 Fürsorge und Betreuung der Verfolgten
3 Die VVN in der Eskalationsphase des Kalten Krieges 1947 - 1948
3.1 Die Auseinandersetzung der VVN mit den Folgen des NS-Regimes
3.1.1 Geistige Auseinandersetzung mit dem NS-Regime: Würdigung des antifaschistischen Widerstands und Kampf gegen die NS-Ideologie
3.1.2 Politische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime: Entnazifizierung und Internierung von NS-Funktionären
3.1.3 Juristische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime: Verurteilung und Bestrafung von NS- und Kriegsverbrechern
3.1.4 Gruppenspezifische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime: Wiedergutmachung und Befreiung aus alliierter Kriegsgefangenschaft
3.2 Die VVN und die wachsenden Spannungen zwischen Ost und West
3.2.1 Zwischen Kooperation und Konfrontation: SPD und VVN
3.2.2 Zwischen Lenkung und Selbstbehauptung: SED und VVN
3.2.3 Zwischen Parteinahme und Pluralismus: VVN und Kalter Krieg
4 Faschismus, Widerstand und Verfolgung aus Sicht der VVN: Die Ausstellung "Das andere Deutschland" 1948
Zusammenfassung: Die VVN in der SBZ und in Berlin - Interessenvertretung der Verfolgten oder Tarnorganisation der Kommunisten?
Anhang
Abkürzungsverzeichnis
Quellen- und Literaturverzeichnis
Tabellen
Diese Arbeit untersucht den Charakter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin zwischen 1945 und 1948. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, ob die VVN als genuine Interessenvertretung der NS-Verfolgten fungierte oder ob sie von Beginn an als Tarnorganisation für kommunistische Propaganda unter dem Einfluss der SED diente.
Die VVN und die wachsenden Spannungen zwischen Ost und West
Wie in der Einleitung angedeutet, herrschte zwischen der SPD und der VVN von Anfang an Konfrontation. Der Parteivorstand der SPD attackierte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes bereits, bevor sie sich überhaupt in ganz Deutschland formiert hatte. Andererseits jedoch waren prominente Sozialdemokraten wie der bayerische Staatskommissar Philipp Auerbach, die Berliner Stadträtin Jeanette Wolff und andere vielerorts an der Gründung der VVN beteiligt und arbeiteten in führenden Funktionen am Aufbau der Organisation mit.
Im Dezember 1946 wandte sich der stellvertretende SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer erstmals an die sozialdemokratischen NS-Opfer, um sie vor der VVN zu warnen. In einem Rundschreiben charakterisierte er die in vielen Orten gerade in der Entstehung begriffenen besonderen "Vereinigungen ehemaliger politischer Häftlinge" als Versuch der Kommunisten, "eine neue getarnte Propagandaorganisation für ihre Zwecke zu starten." Der stellvertretende Parteivorsitzende meinte, die notwendige soziale Betreuung der Verfolgten sei Sache der Behörden und politische Programme sollten grundsätzlich nur von den Parteien vertreten werden, nicht von anderen Organisationen. Deshalb forderte er die SPD-Mitglieder auf, "die Gründung solcher Vereinigungen" möglichst ganz zu unterbinden "und da wo ihre Gründung nicht verhindert werden kann, die Mitgliedschaft und Mitarbeit in diesen Vereinigungen zu verweigern." Damit nannte Ollenhauer die beiden essentiellen Gründe, weshalb der SPD-Vorstand eine überparteiliche Verfolgtenorganisation von vornherein schroff ablehnte: Erstens wollten die sozialdemokratischen Parteiführer nach der SED-Gründung und dem daraus folgenden faktischen Verbot der SPD in der SBZ mit Kommunisten grundsätzlich nichts mehr zu tun haben. Zweitens sollten sich die sozialdemokratischen Widerstandskämpfer ganz auf den Wiederaufbau einer möglichst starken SPD konzentrieren.
1 Vorgeschichte und Entstehung der VVN: Analyse der Ursprünge der VVN in lokalen Antifa-Ausschüssen sowie der Gründungsphasen unter dem Einfluss alliierter Besatzungspolitik.
2 Programm, Statuten, Organisation und Arbeitsfelder der VVN: Darstellung der organisatorischen Grundlagen, der Mitgliederstruktur sowie der sozialen und politischen Betätigungsfelder der VVN in der SBZ und Berlin.
3 Die VVN in der Eskalationsphase des Kalten Krieges 1947 - 1948: Untersuchung der Aktivitäten der VVN bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Kontext der wachsenden Ost-West-Spannungen und der zunehmenden SED-Dominanz.
4 Faschismus, Widerstand und Verfolgung aus Sicht der VVN: Die Ausstellung "Das andere Deutschland" 1948: Exemplarische Analyse des Geschichts- und Gesellschaftsbildes der VVN anhand ihrer zentralen Ausstellung von 1948.
VVN, Sowjetische Besatzungszone, SBZ, Berlin, Antifaschismus, SED, Kommunistische Partei, Sozialdemokratische Partei, NS-Verfolgte, Opfer des Faschismus, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Entnazifizierung, Wiedergutmachung, Kalter Krieg, Politische Organisation.
Die Arbeit analysiert die Gründung, Entwicklung und politische Rolle der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der sowjetisch besetzten Zone und in Berlin zwischen 1945 und 1948.
Die Themenfelder umfassen die Entstehungsgeschichte der VVN, ihre programmatische Ausrichtung, ihre Arbeit im Bereich der Entnazifizierung und Wiedergutmachung sowie ihre zunehmende Instrumentalisierung durch die SED im Zuge des Kalten Krieges.
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die VVN als überparteilicher Interessenverband der NS-Verfolgten oder als eine von der SED gesteuerte Tarnorganisation für kommunistische Propaganda anzusehen ist.
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Auswertung von Dokumenten der VVN und der SED, ergänzt durch zeitgenössische Protokolle, Presseberichte und eine fundierte Analyse der einschlägigen Fachliteratur.
Im Hauptteil wird dargelegt, wie die VVN von ihren Anfängen als Hilfseinrichtung zur politischen Interessenvertretung wurde und wie sie sich in Phasen der Eskalation des Ost-West-Konflikts zwischen sozialer Unterstützung ihrer Klientel und parteipolitischer Anpassung an die SED positionierte.
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem VVN, SBZ, Antifaschismus, SED, NS-Verfolgte, Entnazifizierung, Wiedergutmachung und Kalter Krieg.
Die Ausstellung dient der Autorin als Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, wie die VVN 1948 ein Geschichtsbild propagierte, das den kommunistischen Widerstand in das Zentrum rückte und rassistisch verfolgte Opfer des Nationalsozialismus in den Hintergrund drängte.
Die Zusammenarbeit scheiterte am grundsätzlichen Misstrauen der SPD-Führung gegenüber kommunistischen Organisationen, der erbitterten Feindschaft zwischen SPD- und SED-Spitze sowie an den inhaltlichen Differenzen über die Rolle des Widerstands und die künftige Ausrichtung des deutschen Staates.
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